Kreisläufe schließen

Wie man in schwierigen Zeiten wirtschaftlich arbeiten kann, war eines der Themen, die auf dem Hessischen Schweinetag in Alsfeld diskutiert wurden. Zwei Betriebe stellten ihre Ansätze vor.

Bei einer späten Infektion mit Circoviren im Bestand ist es sinnvoll, die Ferkel zu impfen. Findet die Infektion früh statt, sollte man eine Muttertierimpfung durchführen, die Ferkel sind dann über die Biestmilch geschützt.
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Henning Pfeiffer aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg ist ein Landwirt mit Visionen. Er hat gemeinsam mit zwei weiteren Landwirten in eine Schweinemast für 6 000 Tiere investiert, obwohl der Schweinepreis „im Keller“ ist und die Selbstversorgung in der Bundesrepublik bei fast 100 Prozent liegt. „Unser Ziel war es von Anfang an, Kreisläufe zu schließen“, erläutert Pfeiffer, der auch Vorsitzender der Jungen DLG ist. Er betreibt seit 2001 mit acht weiteren Landwirten eine Kartoffel- und Gemüseverarbeitungsgesellschaft, die vor allem Speisekartoffeln vermarktet. Die Gesellschaft hat außerdem eine Biogasanlage, in der zunächst unter anderem die Kartoffelschalen eingesetzt wurden, was nach der Umstellung auf eine Nawaro-Anlage nicht mehr möglich war. Deswegen wurden die Kartoffelschalen mit der Abwärme der Biogasanlage gekocht und es entstand ein hochwertiges Futter, das allerdings in der näheren Umgebung keine Abnehmer fand. Die Idee war dann, die Kartoffelschalen im eigenen Betrieb als Futter zu verwerten und eine Schweinemast aufzuziehen. Außerdem waren genug Ackerflächen vorhanden, um die Gülle zu verwerten beziehungsweise diese zunächst in die Biogasanlage einzubringen. „Unser Ziel ist es, dass der Abfall der einen Produktion der Rohstoff für die nächste Produktion sein soll“, erklärt Pfeiffer die Grund­­idee.
Nach viel Überzeugungsarbeit bei Behörden und Naturschutzverbänden konnte die Anlage 2007 gebaut werden. Vor allem letztere ließen sich von der angestrebten Kreislaufwirtschaft umstimmen. Rückblickend sagt Pfeiffer, dass die Investition für ihn und seine Kollegen trotz angespannter Marktlage richtig war. „Ohne starke Partner geht es aber nicht. Man braucht überall für seine Ideen Verbündete, die auch schwierige Zeiten mit einem durchstehen.“
Auch Roger Weber und Benjamin Schranz betreiben eine Ferkelerzeugung und Schweinemast. Sie haben ihren Betrieb in Heidenrod im Landkreis Rheingau-Taunus und sind dort der zweitgrößte Betrieb. Gehalten werden 140 Sauen, 540 Ferkel und es sind 130 Mastplätze vorhanden. Die beiden Landwirte investierten in die Sauenhaltung, da sie hier eine neue Einnahmequelle sahen und ihre vorhandenen Arbeitskräfte auslasten wollten. Der Ackerbau war nicht zu erweitern. Außerdem gibt es gute regionale Absatzmöglichkeiten und feste Mästerbeziehungen und sie können ihr eigenes Getreide verwerten. Trotz angespannter Marktlage wollen sie weiter in die Ferkelerzeugung investieren, denn „durch steigende Transportkosten werden auch wieder mehr deutsche Ferkel gefragt“, ist Roger Weber überzeugt. Die Landwirte planen einen Ausbau der Sauenherde auf 250 bis 260 Sauen.

Marktplatz Deutschland wird konkurrenzfähiger

Josef Beuck von der Westfleisch berichtete über die Marktlage für Schlachtschweine und Ferkel in Deutschland. „Der Markplatz Deutschland hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt und ist konkurrenzfähiger geworden“, so Beuck. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Preisschwankungen noch etwas stärker würden, aber damit werde man auch fertig. Wichtig sei, dass man weiterhin auf die Marktsignale höre und den gro­ßen Markt Asien nicht außer Acht lasse, aber nicht nur darauf setze.Dr. Jürgen Harlizius vom Tiergesundheitsdienst Münster/Bonn informierte die Landwirte über die Impfung gegen Circoviren. Problematisch sind die verschiedenen klinischen Formen, die das Circovirus verursachen kann und die der Landwirt erkennen muss. Man habe zum einen Symptome wie Abmagern und Kümmern, Blutarmut oder Durchfallgeschehen (PMWS), aber zum anderen auch Atemwegserkrankungen (PNP) oder Haut- und Nierenerkrankungen (PDNS). Es gebe noch keine Erklärung dafür, wann welche Form auftritt. Harlizius empfiehlt, den Nachweis der Erkrankung durch das klinische Erscheinungsbild, die Sektion von frisch verendeten Tieren oder einen Virusnachweis in den Organen und Antikörper im Blut. „Allerdings sind bis zu 90 Prozent der Betriebe serologisch positiv ohne klinische Erscheinungen, wichtig ist hier ein betriebsspezifisches Vorgehen“, erläutert Harlizius. Das Impfen würde erst etwas bringen, wenn der Landwirt eine sorgfältige Diagnostik durch den Tierarzt durchführe. Harlizius empfiehlt, dass man sich an einen 20-Punkte-Plan hält. Dieser ist im Kasten nachzulesen. akg

20-Punkte-Plan gegen PMWS (Postweaning Multisystemic Wasting Syndrom)

  • Abferkeln: Rein-Raus (Reinigung und Desinfektion)
  • Sauendusche, Parasitenbekämpfung    
  • Reduziertes Ferkelversetzen nur am 1. Lebenstag   
  • Ausreichend Biestmilchaufnahme
  • Aufzucht: kleine Gruppen, feste Abtrennungen    
  • Rein-Raus (Reinigung und Desinfektion)    
  • Belegdichte reduzieren (3 Ferkel/m2)    
  • ausreichend Fressplatz (> 7cm)    
  • Luftqualität    
  • Temperaturkontrolle
  • Gruppen nicht unnötig mischen
  • Mast: kleine Gruppen, feste Abtrennungen    
  • Rein-Raus (Reinigung und Desinfektion)    
  • kein Zurücksetzen    
  • Kein Ferkelversetzen im Abteil    
  • Belegdichte reduzieren (> 0,75 m2/Schwein)    
  • Klimaoptimierung    
  • Impfprogramme einhalten    
  • Tier- und Luftbewegung kontrollieren
  • Konsequente Hygiene
  • Rechtzeitige Selektion von erkrankten Tieren