Vorsprung durch Qualität

Ergebnisse der Milchleistungsprüfung in Rheinland-Pfalz

Im abgelaufenen milchwirtschaftlichen Prüfungsjahr (1. Oktober 2007 bis 30.September 2008) wurden an die beiden rheinland-pfälzischen Molkereien Erbeskopf Eifelperle eG (Hochwald) und Milch-Union Hocheifel eG 2,5 Mrd. kg Milch (Vorjahr 2,3 Mrd. kg) mit 4,18 Prozent Fett und 3,39 Prozent Eiweiß angeliefert. Dr. Wolfgang Fasen, Landeskontrollverband Rheinland-Pfalz (LKV), berichtet.

In der Gesamtmilchmenge sind auch die Anlieferungen von Milcherzeugerbetrieben aus Belgien, Frankreich, Luxemburg sowie aus Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Thüringen enthalten. Die Milchreferenzmenge der rheinland-pfälzischen Landwirte betrug im Vergleich zur Gesamtanlieferung nur 795 565 826 kg Milch (Stand 2007). 1 711 Mio. kg Milch wurden demnach außerhalb von Rheinland-Pfalz erfasst. In der Milchmenge sind die Anlieferungen an die Hochwald-Werke Lüneburg (Niedersachsen), Weiding (Bayern) und Bolsward (NL) nicht enthalten, da diese Lieferanten nicht Mitglieder der Mutterfirma Erbeskopf Eifelperle eG sind. Beide Molkereiunternehmen erfassen im einschließlich des nicht genossen­schaft­lichen Bereiches etwa 3 Mrd. kg Milch. Der Durchschnittskeimgehalt lag bei 17 980 je ml, der Durchschnittszellgehalt bei 218 000 je ml. Damit wurden der Grenzwert für die Güteklasse I von 100 000 Keimen je ml und für den Zellzahlabzug von 400 000 Zellen je ml bei weitem unterschritten. 78 Prozent der Anlieferungsmilch entsprach den Normen der anspruchsvollen rheinland-pfälzischen S-Klasse. Die Anlieferung je Lieferant und Tag stieg um 43,8 kg auf 909 kg Milch.

Es werden regelmäßig Proben auf Rückstände gezogen

Die rheinland-pfälzische Milchwirtschaft lässt regelmäßig die Milch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, polychlorierten Biphenylen und Dioxinen untersuchen. Soweit Rückstände dieser Umweltchemikalien überhaupt nachweisbar sind, liegen die gefundenen Analysenwerte um 1 bis 3 Zehnerpotenzen unter den gesetzlichen Grenzwerten. Die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft hat zudem mit den zwei Dachverbänden der Futtermittel-Industrie eine Vereinbarung zur freiwilligen Reduzierung des Aflatoxin-B1-Gehaltes abgeschlossen. Die Ergebnisse der Futtermitteluntersuchungen der LUFA lagen ausschließlich unter der Nachweis­grenze. Die zweimal jährlichen Untersuchungen auf Tankwagenebene zeigen, dass beim Aflatoxin-M1-Gehalt in der Anlieferungsmilch nicht nur der Grenzwert für Milch, sondern auch der Richtwert für diätetische Nahrungsmittel eingehalten wird. Die rheinland-pfälzische Milch hat demnach – was den Aflatoxin-Gehalt betrifft – Babynahrungsqualität.

Der LKV hat die Milchqualität bei den LKV-Mitgliedern und den Nicht-Milchleistungsprüfungs-Teilnehmern im abgelaufenen milchwirtschaftlichen Kontrolljahr getrennt errechnet. Für Zellzahl, Keimzahl und Güteklassen ergaben sich die Durchschnittswerte in Tabelle 2.

Milchleistungen sanken durch die Blauzungenkrankheit

Den Milchleistungs- und Qualitätsprüfungen (MLP) waren am Ende des Kontrolljahres 1 870 Betriebe (Vorjahr 1 930) mit 100 978 Kühen (Vorjahr 98 327) angeschlossen. Damit waren – bezogen auf die Viehzählung – 67,2 Prozent der milchviehhaltenden Betriebe mit 84,7 Prozent der Kühe den freiwilligen Milchleistungsprüfungen angeschlossen. Die Leistungen der kontrollierten Kühe fielen im Landesdurchschnitt – hauptsächlich bedingt durch Blauzungenerkrankungen – um 123 kg auf 7 221 kg Milch bei 4,19 Prozent Fett, 303 kg Fett, 3,37 Prozent Eiweiß und 243 kg Eiweiß. Das Durchschnittsalter der kontrollierten Kühe betrug 4,8 Jahre.

Daten zur Reduzierung von Zellzahlen und Stoffwechselkrankheiten genutzt

Während in früheren Jahren die Milch­leistungsprüfungen vorrangig dem Ziel der Leistungssteigerung dienten, nutzen die LKV-Mitglieder die Informationen der MLP verstärkt zur Senkung der Zellzahl und damit zur Verbesserung der Eutergesundheit sowie – mittels der Milcheiweiß- und -harnstoff-Ergebnisse – zur Vermeidung von Stoff­wech­sel­krankheiten. Die Milchleistungs- und Qua­litätsprüfung dient damit direkt der Verbesserung von Milchqualität und Verbraucherschutz. Andere Regionen Deutschlands zeigen, dass über eine weitere Steigerung der Leistungsfähigkeit der Kühe Ökonomie und Ökologie in unseren Milchviehbetrieben weiter verbessert werden können. Die Leistungen der einzelnen Rassen gehen aus Tabelle 1 hervor.

Deutlich besser schnitten die Herdbuch-Kühe ab. So wurden bei den schwarz­bunten Herdbuch-Kühen im Landesdurchschnitt 8 407 kg Milch bei 4,11 Prozent Fett, 3,36 Prozent Eiweiß und bei den Rotbunten 7 585 kg Milch bei 4,27 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß je Kuh ermolken.

Die Kuh „Anna“ aus der GbR Josef und Karl Saur, Polcherholz, erbrachte mit 19 536 kg Milch bei 3,52 Prozent Fett, 3,27 Prozent Eiweiß, 1 329 Fett- und Eiweiß-kg die höchste Milchleistung aller kontrollierten Kühe des Lan­des Rheinland-Pfalz. Die höchste Dauerlebensleistung hatte die 1995 geborene Kuh „Villa“, des Betriebes Robert Lichter, Liessem, die in 10,7 Leistungsjahren eine Lebensleistung von 168 694 kg Milch ermolk. Diese enorme biologische Lebensleistung entspricht einer Milchmenge von 6,7 großen Milchtank­wagen mit 25 000 Litern Inhalt.