Klinisch rein muss es nicht sein

Frühjahrsputz ohne viel Chemie

Wenn im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen auf schmutzige Fenster, Grauschleier-Gardinen und fleckige Möbelpolster scheinen, beginnt in vielen Haushalten ein geschäftiges Treiben: der Frühjahrsputz. Doch wie kann man wirkungsvoll scheuern und wischen, ohne gleich die Chemiekeule zu schwingen?

Instabile Leitern führen immer wieder zu schweren Stürzen. Deshalb ist es wichtig, beim Gardinenabnehmen auf einen sicheren Stand der Leiter zu achten.
Foto: Bromm-Krieger

Gerhild Liehmann-Kress (55) ist für diese und andere Fragen eine ausgewiesene Expertin. Die Landwirtschaftsrätin arbeitet seit vielen Jahren in der überbetrieblichen Schulung im Bereich Hauswirtschaft. Regelmäßig führt sie Hygiene-Schulungen für Direktvermarkter und Besitzer von Hofcafés durch. Eines nimmt die Fachfrau gleich vorweg: „Im normalen Haushalt muss es nicht klinisch rein sein!“ Das Beachten allgemeiner Hygieneregeln, die Verwendung weniger Putzmittel und eine gewisse Mindestordnung reichten aus, um im trauten Heim saubere Wohlfühl-Verhältnisse zu schaffen. Die in der Werbung angepriesenen antibakteriellen und desinfizierenden Reiniger sind nicht erforderlich. Im Gegenteil: Sie belasten nicht nur die Umwelt, sondern greifen auch die Hautflora und Schleimhäute an. Außerdem können sie Allergien auslösen.

Immer Handschuhe tragen

Für ein gründliches Putzen braucht es tatsächlich nicht viel: einen Neutral- oder Allzweckreiniger für kratzfeste Oberflächen, einen Essigreiniger oder Zitronensaft zum Entkalken, Scheuermilch für groben Dreck und ein Geschirrspülmittel für diverse Oberflächen und Fenster.

„Egal, mit welchen Putzmitteln Sie arbeiten, Sie sollten immer Handschuhe dabei tragen und die Hände vorher mit einer Schutzcreme behandeln. Nach der Reinigung tut eine Pflegecreme gut. So bleibt die schützende Fettschicht der Haut erhal­ten“, rät Gerhild Lieh­mann-Kress. Bei allen Reinigungsmitteln sollte zudem die Dosieranleitung genau beachtet und sehr sparsam dosiert werden. „Eine Verwendung nach dem Motto „Viel hilft viel“, schadet der Umwelt und ist überflüssig.“

Putzen mit Plan

Wer zum Sturm gegen Dreck und Unordnung bläst, sollte seine Aktionen sorgfältig planen und systematisch vorgehen. Zu Beginn steht die Überprüfung, ob alle benötigten Utensilien wie Gummihandschuhe, Reinigungsmittel und Putztücher vorhanden sind. Unnötiges Hin- und Herlaufen und Suchen können so vermieden werden. Ausreichend Zeit und kleine Pausen sind ebenfalls einzuplanen. Gegebenenfalls kann man die Arbeiten auf mehrere Tage aufteilen, um nicht unnötig in Stress und Hektik zu geraten. An einem Tag sind Keller und Dachboden dran, am nächsten Schlaf- und Badezimmer und zum Schluss die Wohnräume samt Küche. Dabei gilt der Grundsatz: geputzt wird von oben nach unten und von hinten nach vorn. Die richtige Reihenfolge: Staub wischen, fegen, staubsaugen, feucht wischen. Während der Hausarbeit ist eine leichte Baumwollbekleidung am bequemsten. Rutschfeste Schuhe und eine standfeste Leiter, um höhere Regionen sicher zu erreichen, sind ebenfalls sinnvoll. „Noch immer passieren im Haushalt mehr Unfälle als im Straßenverkehr. Im Jahr 2006 kamen beispielsweise 6 455 Menschen bei Haushaltsunfällen ums Leben“, informiert Liehmann-Kress.

Mikrofasertuch für jeden Zweck

Bei der Putzorgie ist die Wahl des richtigen Putzlappens für ein gutes Reinigungsergebnis mitentscheidend. Die Haushaltsexpertin schwört auf „nebelfeuchte“ Mikrofasertücher. „Die Fasern dieser Tücher sind besonders fein. Das Gewebe hat dadurch eine größere Oberfläche, die Staub und Schmutz gut aufnehmen und in sich behalten kann. Zusätzliche Reinigungsmittel sind oft überflüssig. Die Tücher lassen sich bei 60 Grad in der Maschine waschen“, benennt sie die Vorzüge. Sie weist darauf hin, dass es verschiedene Mikrofasertücher für die unterschiedlichsten Oberflächen gibt. Hier sollte man beim Kauf auf die Benutzungshinweise auf der Verpackung achten.

Neben Putztüchern sind in fast jedem Haushalt gelbe Putzschwämme mit schwarzer oder grüner Scheuerseite im Einsatz. „Viele Hausfrauen haben sich mit diesen Schwämmen schon ihre Edelstahlspülen zerkratzt. Der Putzschwamm ist für diese Flächen zu grob. Es gibt für Spülen, Porzellan und Glas spezielle Schwämme mit weißer Unterseite, die viel schonender sind. Auch für Ceran-Kochfelder sind besondere Schwämme erhältlich.“ Dabei sollten Putztücher und Schwämme häufig gewechselt werden, denn „ein schmutziges Tuch verteilt den Dreck nur gleichmäßig in der ganzen Wohnung.“

Was gehört zum Frühjahrsputz?

Was zu einem richtigen Frühjahrsputz dazu gehört? Gerhild Liehmann-Kress: „Der Frühjahrsputz ist eine sogenannte „Grundreinigung“. Hierzu gehören folgende Reinigungsarbeiten: Polstermöbel und Sofas absaugen und danach abrücken, um dahinter liegenden Schmutz zu entfernen, offene Bücherregale abstauben, Fenster putzen, Gardinen waschen, Rollos abstauben, Heizkörper reinigen, Schränke außen und innen wischen, Teppichböden und andere Böden reinigen, mit einem Besen oder Staubwedel aus Straußenfedern die Spinnweben von der Decke entfernen. Wenn wir einen kühlen klaren Tag haben, können Polstermöbel an die Luft gestellt werden. Das tötet Milben ab.“

Eine Entrümplung des Hauses kann bei der Gelegenheit gleich mit in Angriff genommen werden. „Oft liegen Dinge herum, die wir das ganze Jahr nicht gebraucht haben. Der Frühjahrsputz ist ideal, um sich endlich von dem unnützen Ballast, der sich in Ecken und Schubladen angesammelt hat, zu befreien“, weiß die Mutter zweier erwachsener Kinder aus Erfahrung. Ihr Tipp: „Auf den Müll mit dem Krempel, um Platz für Neues zu schaffen!“

Frühjahrsputz macht glücklich

Übrigens: Wer jetzt immer noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, dem sei gesagt: „Frühjahrsputz macht glücklich!“ Britische Forscher fanden heraus, dass allein 20 Minuten echte körperliche Anstrengungen ausreichen, um eine depressive Stimmung zu verbessern oder Stress abzubauen. Ob sich jemand beim Fensterputzen oder Sport verausgabt, mache dabei keinen Unterschied, so die Wissenschaftler.

Viel Wissenswertes rund ums Putzen bieten auch die Internet­seiten: www.gesundzuhause.de und www.bfr.bund.de. Silke Bromm-Krieger

Haushaltsexpertin Gerhild Liehmann-Kress empfiehlt: Einige Tropfen ätherisches Öl auf den Staubsaugerbeutel geben. Das sorgt beim Saugen für frischen Duft.
Foto: Bromm-Krieger

Für ein strahlendes Zuhause
Tipps und Tricks rund um den Frühjahrsputz

  • Eine Edelstahlspüle wird blank, wenn man sie mit der Schale einer ausgedrückten Zitrone behandelt: einreiben, einwirken lassen und blank polieren.
  • Marmorfensterbänke werden mit Babyöl wieder blank und Wasser abweisend.
  • Flugrost in der Spülmaschine? Etwas Alufolie im Besteckkorb schafft Abhilfe.
  • Ein dreckiger Grillrost wird durch das Einreiben mit Kaffeesatz wieder sauber. Die körnige Struktur des Kaffeesatzes löst Fett und Schmutzreste.
  • Mit Fett verschmutzte Küchenschränke und Dunstabzugshauben werden mit Soda/Natriumcarbonat wieder fettfrei. Bis zu drei Esslöffel Soda auf fünf Liter Wasser geben, Schmutz damit einweichen und abwischen.
  • Linoleumböden werden mit einer Mischung aus 200 ml fettarmer Milch und 5 Litern Wasser sauber und glänzend.
  • Eine halbe rohe Kartoffel entfernt Schmutzflecken vom Spiegel.
  • Stumpf gewordene Fliesen glänzen, wenn man sie mit grüner Seife abscheuert.
  • Kalkablagerungen und Flecken auf Armaturen verschwinden durch den Saft einer Zitrone.
  • Mit einer alten Zahnbürste und Backpulver können Kachelfugen wieder weiß geschrubbt werden.
  • Größere Polstermöbel kann man mit einem in Essig getränkten Tuch reinigen. Das leicht feuchte Tuch auf die Oberfläche des Bezuges legen und mit einem Besenstiel darauf klopfen. Der versteckte Staub fängt sich so im Tuch. Nebeneffekt: Essig sorgt gleichzeitig für eine Farbauffrischung.
  • Staub zwischen Heizungsstäben: Feuchte Tücher unter die Heizung legen und von oben hinein fönen. Der Schmutz fängt sich auf den Tüchern.
  • Helle Holzflächen können mit einer Mischung aus Essig, Öl und etwas Salz aufgefrischt werden.