Grüne Ranken im Dorf

Die Hausrebe ist Zier- und Nutzpflanze zugleich

In vielen Weinorten tragen Rebstöcke an Hauswänden wesentlich zur Verschönerung des Ortsbildes bei und haben eine jahrhundertelange Tradition. Mitunter werden üppige Rebgirlanden über Straßen gezogen oder Pergolen überziehen Innenhöfe. Sie tragen damit zum typischen Flair von dörflich geprägten Winzerhöfen bei.

Oft stehen die Reben schon über Generationen an alten Häusern. Manchmal ranken sehr rare Exemplare an Wänden, wobei die genaue Sortenbestimmung selbst Fachleuten schwer fällt. So war beispielsweise die stark wachsende Sorte Gänsfüßer im 18. Jahrhundert eine häufig anzutreffende Hausrebe und findet sich heute noch vereinzelt im Raum Haßloch und Speyer als „Methusalemstock“ mit baumdicken, teilweise schon ausgehöhlten Stämmen. Solche Exemplare stellen ein Refugium für Rebzüchter und Ampelographen (Rebenkundler) dar.

Früher wurde vielfach nach dem Hausbau auch eine Rebe gepflanzt, die als Steckling von einer alten Hausrebe entnommen wurde. Somit wurden Einzelstöcke über Jahrhunderte weitervermehrt und erhalten.

Spalierobst, besonders Rebstöcke mit frühreifen Trauben hatten eine wirtschaftliche Bedeutung zur Eigenversorgung auch außerhalb der Weinbaugebiete. Der Rebstock mit seinen tief reichenden Wurzeln sollte zudem das Feuchtwerden der Fundamen­te an Häusern verhindern. Die Wurzeln ziehen die Feuchtigkeit aus dem Boden und sorgen für einen trockenen Untergrund.

Heute steht überwiegend der Zierwert im Vordergrund. Die Weinrebe ist eine ideale Pflanze zur Gestaltung von Wänden oder versiegelten Hofflächen. Neben der üblichen Begrünung von Haus­wänden bieten Reben ein gestalterisches Mittel, um unschöne Wände zu überdecken; als lebende Zäune zur Abgrenzung und als Sichtschutz. Sie können auch als Blickfang dienen, indem sie beispielsweise um das Weingutsschild ranken.

Mit Reben überzogene Pergolen sind willkommene Schattenspender besonnter Innenhöfe: Sie werden über ausgespannte Drähte oder Streben gezogen. Das Rebendach lässt im Frühjahr noch lange die wärmenden Sonnenstrahlen durch, da die Rebe spät austreibt. Im Sommer schließt sich das Blätterdach und sorgt für angenehme Beschattung. Ein Sitzplatz oder Ausschank darunter schafft eine Idylle, die von Ausflüglern oder Kurzurlaubern gerne angenommen wird.

Im Gegensatz zu baum- und strauchartigen Gehölzen lassen sich rankende Reben vielfältig erziehen und benötigen nur einen geringen Standraum für Stamm und Wurzelbereich. Durch das rasche Wachstum füllen Haus- und Hofreben innerhalb weniger Jahre rasch den ihnen zugewiesenen Platz aus. Sie müssen aber jährlich geschnitten und erzogen werden, um ein Verkahlen durch abgestorbene Zweige zu verhindern.

Pilzfeste Hausreben sind pflegeleicht

Neben den klimatischen Ansprüchen, welche die Anpflanzung von Reben auf besonnte Süd- und Westwände beschränkt, hat besonders die hohe Pilzanfälligkeit der Europäerreben ein Problem bei Hausrebenpflanzungen. Da bei anfälligen Europäerreben eine regelmäßige Fun­gi­zidbehandlung insbesondere gegen den Echten Mehltau (Oidium) notwendig ist, sind sie als Hausreben nur bedingt geeignet. Viele unbehandelte Exem­plare zeigen spätestens im Spätsommer starken Mehltauüberzug an Blatt und Traube und fristen ein kümmerliches Dasein. Der Zierwert solcher Exemplare ist damit dahin.

Für Neu- und Ersatzpflanzungen geeigneter sind pilzfeste Sorten mit schönem Laub. Zur Vorbeugung von leichtem Befall können zwei bis drei Spritzungen mit Netzschwefel (60g/l) im Abstand von zehn Tagen vor und nach der Blüte erfolgen. Es sollte fein gesprüht werden. Organische Mittel verursachen im Gegensatz zu den altbewährten Kupfer- und Netzschwefelpräparaten keine Fleckenbildung am Laub und an Gemäuern.

Sortenwahl der Hausrebe hängt vom Verwendungszweck ab

Zu Begrünungszwecken sind großblättrige und fast traubenlose Sorten wie die Coignetiae-Rebe geeignet. Sie wird auch als Scharlach- oder Rostrote Rebe bezeichnet wird, da ihr Laub im Herbst rot färbt. Besonders auf weißen Fassaden oder als Carportbegrünung sind traubenlose Sorten vorzuziehen. Damit wird die Verschmutzungsgefahr gering gehalten, ein Pflanzenschutz ist ebenfalls nicht erforderlich. Droht Verschmutzung durch starken Wespenflug, sollten die vorhandenen Trauben vor der Reife entfernt werden.

Die Keltersorten Phoenix, Pollux (weiß) und Regent (rot) werden häufig als Hausreben von Rebschulen empfohlen, falls auch Trauben geerntet werden sollen. Leider sind die genannten Sorten nicht ausreichend pilzfest und benötigen während der Vegetation zwei bis drei vorbeugende Behandlungen gegen Oidium (Netzschwefel, organische Oidiumpräparate), um in Jahren mit hohem Infektionsdruck halbwegs gesunde Trauben ernten zu können. Auch die Blätter können Oidium bekommen und werden dann unansehnlich bräunlich. Besser sind robustere Sorten wie Muscat bleu oder Birstaler Muskat, die gleichzeitig auch eine lockere Traubenstruktur haben. Diese pilzfesten Tafeltraubensorten haben ein recht lichtes Laub, eignen sich daher weniger als lebende Schattierungen. Neben der bereits erwähnten Coignetiae-Rebe erfüllen die dichtlaubigen Freiburger Züchtungen, wie Calastra (weiß), Decora (rosa), Osella (blau, frühreif), sowohl den Wunsch nach Schatten als auch nach genießbaren Trauben.

Falls neben dem Zierwert auch ein regelmäßiger Traubenertrag angestrebt wird, ist eine gute Pflege und eine fachgerechte Erziehung erforderlich. Um die Trauben herum sollte frühzeitig leicht entblättert werden, ohne sie völlig frei zu stellen, was ansonsten an warmen Wänden zu starkem Sonnenbrandschaden an den reifenden Beeren führen kann. Überzäh­lige und zu dicht hängende Trauben werden ebenfalls entfernt; große, kompakte Trauben sollten halbiert werden. Dies fördert die Ausreife und beugt Traubenfäulnis vor. Hat sich einmal der Traubenwickler (Sauerwurm) eingenistet, werden befallene Beeren mit einer spitzen Schere ausgeschnitten. Bei Reife sollten die Trauben gegen Vogel- und Insektenfraß mit Netzen geschützt werden. Die Netze sind dabei lückenlos und straff anzubringen. Spätreifende Sorten wie Theresa und Angela werden von Insekten wenig angeflogen, weil es jahreszeitlich schon recht kühl für Schadinsek­ten ist, sie reifen aber nur in besten Lagen voll aus.

Reblausfreie Reben pflanzen

Grundsätzlich dürfen nur Reben auf reblausfesten Unterlagen gepflanzt werden, um der Ausbreitung der Reblaus keinen weiteren Vorschub zu leisten. Aus gleichem Grunde dürfen keine blattreblaus­empfindlichen Amerikanerstöcke, wie Vitis Berlandieri, Vitis Rupestris oder Vitis Riparia, zur Anpflanzung kommen, die hochan­fäl­lig gegen Blattrebläuse sind und nach der Reblausverordnung spätestens bei Befall gerodet werden müssen. Bei Amerikanerreben ist lediglich die Wurzel (Unterlage) reblausfest, nicht das Blatt. Edelreben sind dagegen am Blatt weitgehend reblausfrei, sie werden ungepfropft an der Wurzel befallen und sterben dann meist ab. Im Gegensatz zur Blattgallmilbe, die hohle Gallen mit filziger Unterseite anlegt und nur einen Schönheitsfehler darstellt, sind die Gallen der Reblaus geschlossen und enthalten Mutterläuse mit Eiern. Die gerne angepflanzte Sorte Muskat bleu zeigt eine schwache Empfindlichkeit gegen Blattrebläuse. Einzelne Blätter mit Gallen können entfernt und über die Mülltonne entsorgt werden.

Sorgfältige Pflanzung

Bei hohem Steinanteil oder Bauschutt an der Pflanzstelle sollte ein weites, tiefes Loch ausgegraben werden und mit guter Muttererde angefüllt werden. Die Pflanzrebe wird etwas schräg, mit den Wurzeln nach außen gerichtet, eingepflanzt, die Veredlungsstelle sollte nah an der Wand liegen, sodass sie kein Stolperhindernis darstellt. Die Verwendung von ungedüngter Pflanzerde zur Bodenverbesserung ist bei Hausreben­pflanzun­gen ratsam. In den ersten Jahren muss im Sommer regelmäßig gegossen werden. Damit das Wasser an der Wurzelzone auch gut einsickert, kann ein umgekehrter Blumentopf mit Ausflusslöchern neben der Rebe eingegraben werden. Mit den Jahren finden die Wurzeln ihren Weg ins tiefere Erdreich, dann muss nur noch bei längeren Trockenperioden gewässert werden. Eine weitere Düngung ist in der Regel nicht erforderlich. Keinesfalls darf Mineraldünger oberflächlich in die Kanalisation eingeschwemmt werden. Überdosierungen von Mineraldüngern sind schädlich und führen zu Wurzelverbrennungen, wässern löst vorhandene Nährstoffe. Bei schwachem Triebwuchs sollte im Winter stärker zurückgeschnitten werden.

Richtige Erziehung und regelmäßiger Schnitt

Von Natur aus ist die Rebe ein Lianengewächs, die sich an Stämmen hochrankt und ihre Triebe über den Baumkronen ausbreitet. Zur Erzielung schmackhafter und formschöner Trauben ist deshalb ein jährlicher starker Rückschnitt auf Ruten oder Zapfen erforderlich. Die Erziehung und Stützung erfolgt in einem Draht- oder Rahmengerüst aus Metall, das dauerhaft und fest an der Wand verschraubt wird. Holz ist weniger gut geeignet, da es mit den Jahren verwittert.

Viele Hobbygärtner scheuen, aus Angst etwas falsch zu machen, den Rückschnitt ihrer Reben. Aber ohne regelmäßigen starken Winterschnitt baut sich viel Totholz auf. Es bilden sich nur noch kümmerliche Triebe, die Rebe erstickt förmlich in ihrem eigenen Triebwuchs und verkahlt von innen heraus. Aber auch durch fehlerhafte, große oder ausgerissene Schnittwunden büßt der Rebstock nach und nach an Vitalität ein, er wird anfälliger gegen Stammpilze wie die ESCA-­Krank­­heit. Dies sind verschiedene Stammpilze, die über große Schnittwunden infizieren und vor allem ältere Hausreben zum Absterben bringen. Mittels fachgerechtem Schnitt mit guter Reb­schere und Säge werden die Wunden möglichst klein und plan gehalten. Abgestorbene Teilstämme sollten stets bis zum gesunden Holz zurückgeschnitten werden. Große Schnittwunden können mit Wundbalsam verschlossen werden.

Aufbau und Schnitt von Hausreben

Zunächst wird der senkrechte Stamm aus einem senkrecht wachsenden Trieb aus der Veredlungsstelle aufgebaut, weitere Nebentriebe aus der Veredlung sowie Seitentriebe (Geiztriebe) werden entfernt. Neben senkrechten Stämmen können auch U- beziehungsweise V-förmig (Teil-)Stämme aufgebaut werden. Dies bietet sich an, falls Fenster oder andere Hindernisse umgangen werden müssen. Ein Stamm kann durchaus mehrere Meter hoch gezogen werden, bis er sich oben verzweigt. Überhängende Hausreben entlang von Gehwegen oder Gerüstreben über Verkehrsstraßen erhalten entsprechend hohe Stämme, damit die zeitweilig herab hängenden Sommertriebe kein Hindernis für Fahrzeuge oder Fußgänger darstellen. Solche Reben werden bis zur beabsichtigten Höhe mehrere Jahre abschnittsweise aufgebaut. Der oberste gut entwickelte Trieb an dem vorjährigen verholzten Teilstück bildet jeweils die Fortsetzung. Es ist ratsam, zum Stammaufbau über Sommer zunächst die beiden oberen Triebe zu belassen, die übrigen Triebe darunter werden frühzeitig beim Austrieb entfernt. Im Winter bildet der kräftigere Trieb die Fortsetzung des Stammes. Wird nur ein Trieb belassen, ist das Risiko, dass er ausbricht, hoch, zudem wird er sehr markig, was sich für die Frosthärte negativ auswirkt. Zur besseren Entwicklung sollten in den ersten Jahren nur wenige Trauben belassen werden. Ist der Stammaufbau erfolgt, so beginnt die Phase der Fruchtholzformierung. In Etagen werden aus dem Hauptstamm in geeigneter Höhe Quertriebe gezogen, die später das Fruchtholz bilden und die Trauben tragen. Dazu werden in der Regel jeweils senkrecht stehende Ruten in die Horizontale nach rechts oder links abgeleitet. Am besten geschieht dies im Winter, indem ein verholzter Trieb ent­sprechend umgebogen und ent­lang eines Drahtes oder einer Stüt­ze mehrmals mit dehnbarem Bindematerial (Gummibinder, Kunststoffschlauch) fixiert wird. Geschieht dies im Sommer während des Wuchses, so muss er regelmäßig entgeizt (Entfernung der Seitentriebe) und gebunden werden, da er sich aufgrund der apikalen Dominanz immer wieder in die Senkrechte aufrichtet und die nach oben strebenden Geiztriebe ebenfalls viel Kraft wegnehmen.

Triebe locker anbinden

Die sich im Folgejahr aus den formierten Ruten entwickelnden Triebe werden über Sommer an Drähten oder am Gerüst locker angebunden beziehungsweise sie ranken sich selbst (zum Beispiel an Stützdrähten) fest. Alternativ kann man sie auch frei hängend (Umkehrerziehung) wachsen lassen, was sich besonders bei sehr hoch gezogenen Stämmen oder für frei stehende Rebgirlanden anbietet, jedoch brechen solche frei hängenden Triebe bei Unwetter leichter ab, insbesondere solange sie noch nicht verholzt sind. Die Trauben wachsen stets an der Triebbasis. Weiter oben bildet der Trieb nur noch Ranken. Zum Teil tragen auch kräftige Geiztriebe, sogenannte Herlinge, die erheblich später reifen und in machen Jahren eine zweite Ernte darstellen, bei späten Sorten werden sie entfernt, da sie nicht mehr zur Reife gelangen. Zu lang gewachsene Sommertriebe können über Sommer entspitzt oder eingekürzt werden.

Im Folgewinter wird das frucht­tragende Holz auf kurze Trieb­stummeln (Zapfen) zurückgeschnitten. Somit wird über die Jahre ein tragender Kordonarm beziehungsweise Zapfenstrang ausgebildet. Die Zapfen bestehen immer aus den letztjährig verholzten Sommertrieben, die auf kurze Stummeln mit etwa zwei bis drei sichtbaren Winteraugen zurückgeschnitten werden. Zweijährige Zapfen werden entfernt.

Es ist darauf zu achten, dass die neuen Zapfen immer nah am horizontalen Strang angeschnitten werden. Sie sollten sich nicht in die Höhe aufbauen. Dies funktioniert, indem sie zum einen kurz geschnitten (maximal zwei sichtbare Augen) und zum andern immer ein stammnaher Trieb als neuer Zapfen verwendet wird. Zwischen zwei Zapfensträngen sollte mindestens 1,5 m Freiraum liegen, damit die Sommertriebe genügend Platz haben und eine räumliche Trennung der Triebabschnitte entsteht.

Zapfen werden auf der Kordonoberseite angeschnitten, falls die Triebe senkrecht wachsen sollen. Sollen sie herabhängend nach außen wachsen, so lässt man die Zapfen am besten etwas länger nach außen abstehen. Der Abstand zwischen zwei Zapfen sollte mindestens eine Handlänge betragen. Im Bereich von Fenstern und sonstigen Freiflächen sollten keine Zapfen geschnitten werden, um sich über Sommer unnötiges Freischneiden zu ersparen.

Unterschiedliche Erziehung

Statt eines horizontalen Kordonarmes kann auch ein vertikaler Kordonarm (ähnlich der Vertikoerziehung im Weinbau) gezogen werden. Diese Erziehung füllt hohe schmale Räume gut aus. Hierzu werden ab der beabsichtig­ten Belaubung in Abständen von 20 cm kurze Zapfen angeschnitten, die möglichst abwechselnd nach rechts und links abstehen. Diese senkrechte Erziehung bietet sich auch für Bekleidung einzelner Pfosten, Säulen oder an senkrecht aufgezogenen Drähten an. Der Stamm wird dabei mehrfach locker an die Unterstützung angebunden. Die Sommertriebe mit den Trauben werden nicht aufgebunden, sondern gekappt.

An frei stehenden Pfählen kann auch die als „Moselpfahl“ bezeichnete Einzelstockerziehung angewandt werden, die ebenfalls ohne Draht­unterstützung auskommt. Eine oder zwei Bogreben werden als Rundbogen abwärts gebogen, bei zwei Bogreben entstehen die bekannten „Moselherzen“. Drei bis vier Sommertriebe, die als nächstjährige Bogreben in Frage kommen, werden im Sommer mehrmals an den Pfahl angebunden. Die übrigen Triebe werden im Frühsommer oberhalb der Trauben eingekürzt.

Vertiko- und Moselpfahl-Erziehung sind für großtraubige Sorten ungeeignet, da das Traubengewicht zu schwer wird und die nicht an den Draht verrankten Triebe dadurch abknicken. Sorten mit kleinen Trauben, etwa Bianca oder Regent, sind als Pfahlreben dagegen gut geeignet.

Fachgerecht schneiden und ausdünnen

Der Rebschnitt hängt vom Erziehungssystem und von der Fruchtholzformierung ab und ist von Stock zu Stock individuell. Jedoch müssen grundlegende Schnittregeln beachtet werden, um sich lange am guten Gedeihen der Reben zu erfreuen und regelmäßig Früchte ernten zu können. Ein fachgerechter Schnitt lässt sich am besten durch Erfahrung und Übung erlernen. „Nur-Hausgarten-Winzer“ können wertvolle Hilfe in Schnittkursen von Gartenvereinen erhalten. Wer sich den Schnitt nicht zutraut, kann die Schnittarbeiten auch von einem Fachmann (Winzer oder Gärtner) durchführen lassen. Der häufigste Fehler, der von Laien gemacht wird, ist ein zu starker Anschnitt, indem zu viel junges Holz belassen wird. Im Sommer wachsen daraus überwiegend Kurz- und Kümmertriebe, die eine Unzahl kleiner Trauben tragen und die nicht richtig zur Reife gelangen. Trauben sollten dann grün abgeschnitten werden, im Weinbau spricht man von Ausdünnen. Der Sommerschnitt ist dagegen auch für Laien leicht durchführbar, indem zu lange Triebe einfach eingekürzt werden, dies gilt auch für die sich bildenden Seitentriebe (Geiztriebe), die aus den Blattachseln nach dem ersten Schnitt stark zuwachsen. Bei beginnender Reife der Trauben lässt der Triebwuchs nach.

Alten gegen neuen Stamm ersetzen

Triebe, die über Sommer aus dem unteren Stammbereich und der Pfropfstelle wachsen (Stocklaub), werden stets grün ausgebrochen oder abgeschnitten. Falls ein alter, bereits morsch gewordener Stamm erneuert werden soll, wird dazu ein neuer Bodentrieb parallel aufgezogen. Der alte Stamm wird dann im Folgejahr abgesägt.

Im Optimalfall können Hausreben über hundert Jahre alt werden. Gehen Reben durch Frost oder andere Einwirkungen ein, so kann eine neue Rebe an gleicher Stelle gepflanzt werden, sofern der Boden genügend aufgelockert werden kann.

Zunehmend werden Hausreben auch in weinfernen Gegenden erfolgreich kultiviert. Eine junge Topfrebe kann ein willkommenes Geschenk für langjährige Weinkunden sein. Spätestens zur Traubenreife erinnern sich diese an den edlen Spender und denken an ihren nächsten Weineinkauf. Gerd Götz, Weinbauberatung DLR Rheinpfalz