Arzneimittel von Bayer schließt Therapielücke

Mastitis und Uterusentzündungen können behandelt werden

Zur Behandlung von Mastitis und Gebärmutterentzündungen bei Rindern, Schafen und Ziegen feiert jetzt ein Klassiker aus dem Hause Bayer ein Comeback: Totocillin ist wieder verfügbar. Das teilte das Unternehmen Pressevertretern im Rahmen einer Presseveranstaltung mit.

Dank eines neuen Herstellungsverfahrens kann diese Kombination aus Ampicillin und Oxacillin jetzt erneut eingesetzt werden. Die Euter- und Gebärmutter-Suspensionen sind zugelassen für die Therapie von bakteriell bedingten Infektionen. Das Wirkungsspektrum richtet sich gegen zahlreiche grampositive und gramnegative Erreger. Die Wartezeit auf Milch beträgt vier Tage, auf essbares Gewebe drei Tage.

„Besonders hinsichtlich der gestiegenen Zulassungsanforderungen und der Einschränkun­gen in der Therapiefreiheit schließt diese Zulassung eine Lücke bei den Therapienotständen bei kleinen Wiederkäuern“, so Michelle Rekitt von Bayer auf einer Presseveranstaltung vorige Woche in Bremen.

Mastitis gehört zu den verlustreichsten Erkrankungen

Die Mastitis gehört nach wie vor zu den verlustreichsten Erkrankungen in der Rinderhaltung. Sinkende Milchleistungen sowie höhere Remontierungsraten und Tierarztkosten verursachen in Deutschland wirtschaftliche Einbußen. Bei Schafen kommt es zu irreparablen Euterveränderungen, gestörter Lämmerentwicklung und einer verminderten Wollqualität.

Dr. Klemens Krieger referierte über die wirtschaftlichen Schäden in Schafbeständen durch den Befall mit Endo- und Ektoparasiten. Probleme gibt es mit der Fruchtbarkeit, der Geburt lebensschwacher Lämmer, geringen Zuwachsraten, unzureichender Wollqualität und Qua­litätsmängel mit Schlachtkörpern. Auch Todesfälle sind möglich. Krieger verwies auf verschiedene Anthelminthika-Resistenzen; dann müsse eine andere Wirkstoffgruppe genutzt werden. Wichtig seien die regelmäßige Überprüfung der Wirkung und eine Überwachung der Eiausscheidung, um die Behandlungsfrequenz zu reduzieren. Bei Neuzugängen empfahl der Tierarzt strenge Quarantänemaßnahmen.

Kälber-Kokzidiose häufig unterschätzt

Durchfallerkrankungen von Kälbern und Jungrindern beeinträchtigen nach wie vor die Effizienz der Rinderhaltung. Neben bakteriellen und viralen Krankheitserregern spielen auch Einzeller, wie zum Beispiel Kokzidien, eine maßgebliche Rolle. Obwohl bereits umfangreiche Erkenntnisse zur Bekämpfung der Kokzidiose in Rinderbeständen vorliegen, wird die Bedeutung der Krankheit in der Praxis häufig noch unterschätzt. Eine bundesweit angelegte Studie von Bayer sollte deshalb die Prävalenzen (Krankheitshäufigkeit) von Eimeria bovis und Eimeria zuernii in Rinderbeständen ermitteln sowie den Einfluss von Haltungs- und Hygienebedingungen auf das Infektionsgeschehen. An der Studie beteiligten sich 65 Betriebe, deren betreuende Tierärzte Einzeltierkotproben zum labordiagnostischen Erregernachweis einschickten. Die Untersuchungen bestätigten laut Rekitt eine starke Prävalenz für Eimeria bovis (76,9 Prozent) und Eimeria zuernii (83,1 Prozent) in den untersuchten Betrieben. Die Umstallung sowie das Zusammenführen von Tieren aus verschiedenen Beständen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Kokzidiose auch subklinisch, also ohne sichtbare Symptome verlaufen kann, aber dennoch zu Darmschädigungen führt. In der Praxis ist es deshalb schwierig, die richtigen diagnostischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Um bei Verdacht auf Kokzidiose sicher zu gehen, empfiehlt Bayer Bestandsuntersuchungen.

Haltungsbedingungen spielen wichtige Rolle

Die Studie berücksichtigte außerdem die unterschiedlichen Haltungsbedingungen der Kälber. Genauer analysiert wurde unter anderem der Einfluss des Rein-Raus-Prinzips, die Häufigkeit der Stallreinigung sowie die Reinigung und Desinfektion vor der Umstallung. Diese Faktoren wurden in Beziehung zur Höhe der Oozystenausscheidung gesetzt.

Die Häufigkeit der Stallreinigung ohne Desinfektion hatte keinen positiven Einfluss auf das Krankheitsgeschehen in der Herde. Hingegen lag der Infektionsdruck der Kokzidioseerreger unter Anwendung von Rein-Raus und bei fachgerechter Reinigung und Desinfektion der Ställe deutlich niedriger.

Insekten im Auge behalten

Trotz Blauzungenimpfung sollten die Tiere nach wie vor mit Repellentien behandelt werden. Durch eine gezielte Insektenbekämpfung können die Tiere auch vor anderen von Fliegen übertragenen Infektionen geschützt werden. Dazu gehört beispielsweise die als Holsteinsche Euterseuche bekannte Pyogenes-Mastitis. Fliegen übertragen die Mastitiserreger von Euter zu Euter, was zu einem seuchenhaften Verlauf führen kann. Außerdem schränkt massiver Fliegenbefall das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der befallenen Tiere stark ein. Untersuchungen belegen, dass bei Jungtieren die Futteraufnahme und damit die Gewichtszunahme bei starkem Fliegendruck spürbar zurückgehen. Jan-Gerd Ahlers