Kinder in den Kuhstall

Der „Bauernhof-Effekt“ schützt vor Allergien

Heuschnupfen, Asthma und allergische Hauterkrankungen sind mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden. Für die Betroffenen ist das ein erheblicher Verlust an Lebensqualität. Allein an Asthma sind in Deutschland rund vier Millionen Menschen erkrankt. Die WHO schätzt, dass sich die Zahl der Asthmakranken in Westeuropa in den vorangegangenen zehn Jahren verdoppelt hat.

Halten sich Kinder in den ersten Lebensjahren häufig in der Natur auf, leiden sie seltener an Asthma und Allergien. Die Nähe zu Nutztieren schützt ebenfalls das Immunsystem.
Foto: Andris Daugovich.fotolia.com

Bereits Ende der 1980er-Jahre stellten Wissenschaftler fest, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren öfter banale Infekte durchgemacht haben oder sich häufig in der Natur aufhalten und daher Kontakt zu bestimmten Bakterien haben, seltener an Allergien und Asthma leiden. Das Aufwachsen mit älteren Geschwistern und der Besuch einer Kinderkrippe kann ebenfalls vor Allergien schützen. Zunächst ging man davon aus, dass alle Kinder, die auf dem Land aufwachsen, weniger Allergien bekommen.

Kontakt zu Nutztieren schützt

Inzwischen hat man festgestellt, dass nicht alle Landkinder von dem Schutz profitieren, sondern dass hauptsächlich Kinder, die auf traditionellen Bauernhöfen mit Milchwirtschaft aufwachsen, vor Allergien und allergischem Asthma geschützt sind. Man spricht daher auch vom „Bauernhof-Effekt“.

Die Expertin Professor Dr. Erika von Mutius hat in breit angelegten Studien den ländlichen Lebensstil untersucht und folgende Beobachtung gemacht: „Gewisse Örtlichkeiten auf dem Bauernhof sind besonders gut für Kinder. Vor allem, wenn Kinder in den ersten Lebensjahren in den Kuhstall mitgenommen werden. Wir haben außerdem den Eindruck, dass der Kontakt zu anderen Nutztieren wie Schweinen oder Geflügel diesen Schutzeffekt verstärkt.“

Ebenfalls wurde festgestellt, dass es sich günstig auf das Immunsystem von Kindern auswirkt, wenn sie die Milch direkt von der Kuh trinken, ohne dass sie weiterverarbeitet wurde. Auch der Kontakt zu bestimmten Futtermitteln und der Aufenthalt in Scheunen kann vor einer „Allergie-Karriere“ schützen. Warum das so ist, wird noch erforscht.

Untersuchungen an Mäusen belegen aber, dass die Nager nach einer Behandlung mit Staub, der aus dem Kuhstall stammt, eindeutig vor einer Allergieentwicklung geschützt sind. Möglicherweise kann dies ein erster Schritt in Richtung einer Impfung gegen Allergien sein. dgk