Schmutz nutzt!

Neues aus der Forschung: Stallstaub kann Asthma vorbeugen

Die Nase läuft, der Hals kratzt, die Augen jucken: Millionen von Menschen leiden unter Allergien, die zu Asthma führen können. Aktuelle Studienergebnisse machen nun Hoffnung auf mehr Lebensqualität.

Schon seit den späten 1990er-Jahren ist bekannt, dass Kinder, die im ländlichen Umfeld aufwachsen, Geschwister haben und Rohmilch trinken, seltener an Allergien und allergischem Asthma erkranken als „Stadtkinder“. Ihr Immunsystem ist besser trainiert, weil es von Anfang an vielen verschiedenen Keimen ausgesetzt ist (siehe LW-Ausgabe 20/2008 zum positiven „Bauernhof-Effekt“ oder hier).

Keime in Kuhställen gesucht und gefunden

Doch auch auf dem Land stellen Forscher Unterschiede fest: Kinder, die auf Bauernhöfen mit Tieren aufwachsen, sind noch weniger allergie- und asthmaanfällig als ihre Spielkameraden, die im selben Ort leben, aber nicht auf dem Bauernhof aufwachsen. Das lässt vermuten, dass Staub und Schmutz, den die Bauernkinder täglich inhalieren, Inhaltsstoffe haben, die vor Allergien schützen. Ein Team von Wissenschaftlern aus Borstel, Marburg, München und Bochum untersuchte Schmutz an den Wänden von Kuhställen und fand zwei besonders häufig vorkommende Keime mit den exotisch klingenden Namen Acinetobacter Iwoffi und Lactococcus lactis.

Um zu beweisen, dass diese für den Schutz vor Allergien zuständig sind, ließ man Mäuse die beiden isolierten Keime aus dem Kuhstall inhalieren. Eine andere Gruppe von Mäusen tat das nicht. Danach wurden beide Gruppen allergieauslösenden Stoffen ausgesetzt. Die Mäuse, die vorher die Keime aus dem Kuhstall inhaliert hatten, zeigten keine Krankheitszeichen und waren gesund. Die Gruppe, die zuvor keine Stallpartikel in die Nase bekommen hatte, litt unter allergischen Reaktionen.

Immunisierung ist möglich

Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass es möglich ist, den Körper gegen Allergien zu immu­nisieren. Neu ist, dass die Forscher herausgefunden haben, welche der vielen Keime für den Schutz vor Allergien verantwortlich sind. Derzeit arbeiten Wissenschaftler unter der Leitung der Professoren Erika von Mutius (München) und Harald Renz (Marburg) an der praktischen Nutzung dieser Erkenntnisse. Möglicherweise wird es in einigen Jahren eine Art Impfung gegen Allergien geben. Juckende Augen, laufende Nasen und kratzende Hälse aufgrund von Allergien könnten dann der Vergangenheit angehören. dgk