Farbenlehre im heimischen Garten

Das passt zusammen

Im Sommer, wenn alles blüht, ist die beste Zeit, sich Anregungen für die eigene Gartengestaltung zu holen. Haben Sie dabei auch schon einmal bewundernd vor einem sommerlich bunten Staudenbeet gestanden oder waren von der Farbwirkung von Balkonkästen überwältigt, die ganz klassisch nur mit roten Geranien bepflanzt waren?

Die Komplementärfarben Gelb und Lila der Iris werden durch das Rosa der Pfingstrose variiert.
Foto: Eva Morgenstern

Beim Blick in den eigenen Garten stellt dann mancher fest, dass die Rose zwar wunderschön blüht, aber irgendwie doch nicht so der Blickfang ist und das Beet mehr unruhig als bunt wirkt. So stellt sich dann die Frage: „Was kann ich hier verbessern, wie eine optimale Wirkung erzielen?“

Welche Faktoren bestimmen die Wirkung?

Dabei sollte man sich zunächst klarmachen, dass sich die Gesamtwirkung aus mehreren Faktoren zusammensetzt, die man sich bewusst ansehen sollte: Farbe, Form und Anordnung. Bei der Farbe wiederum ist auf die Farbzusammenstellung, Farbmengen und Kontraste zu achten. So kann ein Balkonkasten, der mit Petunien in den Farben Rot, Blau und Weiß bepflanzt ist, sehr unterschiedlich wirken, je nachdem ob die Farben in dem gleichem Mengenverhältnis vertreten sind oder eine Farbe dominiert.

Der Kasten wird sehr unruhig wirken, wenn beispielsweise von drei Pflanzen jede eine andere Farbe hat, während die gleichen Farben ein sehr harmonisches Bild ergeben können, wenn zwei blaue mit einer rot-weiß-gestreiften Pflanze kombiniert werden. Kompakte Blüten wie eine Dahlie werden in der gleichen Menge ebenfalls stärker wahrgenommen als filigrane Blüten wie Schleierkraut.

Spannung kommt in die Farbe auch durch Hell-Dunkel-Kontraste. Diese können sich innerhalb der gleichen Farbe ergeben, indem man beispielsweise rote Rosen mit einem rosafarbenem Schleierkraut kombiniert. Ein starker Kontrast ist aber auch das klassische Blau-Weiß, was sich bei einer Pflanzung von Rittersporn und Margeritten ergibt.

Unterschiedliche Blatt-, Blüten- und Wuchsformen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Geschickt eingesetzt können sie auch farblich zurückhaltende Arrangements sehr beleben. Umgekehrt wirkt ein farbenfrohes Beet, das sehr viele unterschiedliche Blüten-, Blatt- und Wuchsformen aufweist, schnell sehr unruhig. Ähnlich verhält es sich mit der Anordnung: Klar abgegrenzte, geometrische Flächen in einer einheitlichen Bepflanzung sind ruhiger in ihrer Wirkung als gemischte Beete. Hier gilt es also ein Gleichgewicht herzustellen.




Wird es bei der Farbauswahl lebhaft, sollte man sparsamer bei der Formenauswahl sein und vielleicht eine symetrische Anordnung wählen. Setzt man neben den Blütenpflanzen Gräser oder Pflanzen mit auffälligem Blattwerk ein, ist es ratsam, sich auf wenige Farben zu beschränken. Als Faustregel sollte gelten: maximal drei Farben gegebenenfalls in verschiedenen Farbtönen und eventuell eine unbunte Farbe wie Weiß, Grau oder Schwarz. Je farbenfroher das Arrangement, desto zurückhaltender sollte man bei Form und Anordnung sein.

Welche Farben passen zusammen?

Hier gibt es viele Möglichkeiten. Sehr starke Farbkontraste erzielt man bei Komplementärfarben. Es handelt sich dabei um die Farben, die sich auf dem Farbkreis gegenüber liegen, wie beispielsweise Rot und Grün. Daher kommen rote Rosen vor grünem Hintergrund besonders gut zur Geltung und auch rote Geranien mit üppig dunkelgrünen Blättern haben eine sehr intensive Wirkung.

Wählt man die beiden Farben, die zu beiden Seiten der Komplementärfarbe liegen, so bezeichnet man dies als geteilt kompementär: Zu Rot nimmt man dann ein Gelbgrün und ein Türkisblau. So ergibt sich eine hübsche Farbkombination für die verschiedenen hellgrünblättrigen Strukturpflanzen, die in den letzten Jahren verstärkt angeboten werden. Aber auch Blau, Gelb und Grün ergeben, wie alle Farben, die gleichweit auf dem Farbkreis liegen, einen harmonischen Farbdreiklang. Die drei Farben, die nebeneinander auf dem Farbkreis liegen, die sogenannten farbtonvariable Zusammenstellung, ist eine weitere Gestaltungsmöglichkeit: So kann man Violett, Lila und Blau kombinieren, aber auch Blau, Türkis und Grün kann reizvoll sein.

Wer seinem Farbgefühl nicht traut, wählt meist Ton-in-Ton Bepflanzungen, nach dem Motto „das passt immer“. Hierbei bleibt man in einer Farbe und wählt nur verschiedene Helligkeitsstufen aus. Sind die Kontraste jedoch zu schwach und die Strukturen zu einheitlich, kann eine solche Farbauswahl langweilig wirken. Umgekehrt bietet sie viele Möglichkeiten, Pflanzen mit unterschiedlichem Wuchscharakter und Blattformen harmonisch im „blauen“, „rosa“ oder „gelben“ Beet zu vereinen.

Foto: Edelmann

Sicher ist Ihnen schon einmal eine „Allerweltspflanze“ richtig ins Auge gesprungen, die sie sonst eher als unauffällig übersehen haben. Dies liegt oft daran, dass sie vor dem richtigen Hintergrund in Szene gesetzt wird. Vor hellen Hauswänden „verschwinden“ helle, filigrane Blüten, während sie vor einer dunkel gestrichenen Fassade, vor einer roten Sandstein- oder Klinkermauer oder dem grünen Blattwerk einer Hecke gut zur Geltung kommen. Dies gilt natürlich entsprechend auch im umgekehrten Fall. So ist eine tief dunkelrote Stockrose sicher keine glückliche Wahl vor dem braun gestrichenen Gartenhäuschen. Hier wäre eine hellrosa blühende Sorte weit wirkungsvoller.

Neben den Farben von Wänden und Mauern sind meist noch weitere Farben im Umfeld vorgegeben, die man berücksichtigen sollte: Fensterläden, Zäune, Blumenkübel und -kästen, aber auch Markisen und Gartenmöbel können zusammen mit den Pflanzen ein farblich harmonisches Gesamtbild ergeben oder bei unglücklicher Farbwahl äußerst störend wirken.

In jedem Fall gilt: Weniger ist mehr

Grundsätzlich ist alles erlaubt, was gefällt. Vielfach ist man jedoch mit der Menge an Möglichkeiten überfordert. Hier hilft es oft, sich die Pflanzen genauer anzusehen. Meist sind die Blüten nicht einfach nur rot, blau, grün oder gelb, sondern haben verschiedene Schattierungen in der jeweiligen Farbe oder sind sogar mehrfarbig, beispielsweise rot mit gelbem Auge. Auch das Blattwerk kann neben dem Grün noch eine farblich auffällige Zeichnung, beispielsweise in einem Bordeaux-Ton, enthalten.

Greift man diese bereits vorhandenen Farben auf und wählt maximal noch eine weitere Farbe dazu, erzielt man einen bunten, aber harmonischen Eindruck. Bei den inzwischen wieder sehr beliebten Dahlien gibt es zum Beispiel halbgefüllte Sorten mit leuchtend gelber Mitte wie die orangenfarbige “Bouquet Deep Orange' oder die weiße “Bouquet White'. Pflanzt man diese beiden Sorten zusammen und ergänzt sie noch mit einer dritten Sorte im gleichen Gelb wie die ebenfalls halbgefüllte “Dahlietta Margareth' oder die gefüllte “Gallery Cezanne', so entsteht der Eindruck eines bunten, jedoch in sich harmonischen Dahlienbeetes.

Pastellige Rosa-, Violett- und Lila-Töne, wie man sie bei Lavendel, Scabiosen, aber auch Rosen findet, wirken eher edel zurückhaltend. Von kräftigfarbigen Partnern werden sie optisch schnell „erdrückt“. Ihren Charakter untersteichen dagegen silbrige Grautöne, wie wir sie auch in den Blättern des Lavendels selbst finden, aber auch beim Grauen Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus), Woll-Ziest (Stachys byzantina) und Ehrenpreis (Veronica spicata incarna “Silberteppich').

Probieren Sie das Ganze doch einmal beim Zusammenstellen eines sommerlichen Blumenstraußes aus, Sie können dabei ganz schnell feststellen, wie gut diese Farben harmonieren. Eva Morgenstern, Gartenakademie Rheinland-Pfalz