Homocystein ist schlecht für die Augen

Neues aus der Forschung der Makuladegeneration

Das Zellgift Homocystein galt bislang als ein mit dem Cholesterin ver-gleichbarer, wichtiger Risikofaktor für Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Neuere Untersuchung legen nun den Verdacht nahe, dass zu hohe Homocysteinwerte im Blut auch das Sehvermögen nachteilig beeinflussen und die Entwicklung der gefürchteten altersabhängigen Makuladegeneneration (AMD) fördern können. Die AMD ist die häufigste Ursache von Altersblindheit in Deutschland. Einen gewissen Schutz soll eine gute Versorgung mit den Vitaminen Folsäure, B6 und B12 bieten.

Homocystein-B-Vitamine sind hilfreich für die Sehkraft.
Foto: R. B./pixelio

Von der altersabhängigen Makuladegeneration sind allein in Deutschland schätzungsweise zwei Millionen Menschen betroffen, die meisten sind älter als 50 Jahre. Bei dieser chronischen Netzhauterkrankung gehen ausgerechnet jene Sehzellen zugrunde, die für das zentrale, scharfe Sehvermögen und die Wahrnehmung von Farben zuständig sind. Langfristig kann eine AMD zur Erblindung führen.

B-Vitamine und Folsäure unterstützen Entsorgung

Beim Homocystein handelt es sich um einen Stoff, der im menschlichen Körper ständig produziert wird, normalerweise aber auch schnell wieder abgebaut und unschädlich gemacht wird. Dies ist wichtig, weil Homocystein die Wände der Blutge­fäße angreift und so einer Arterienverkalkung mit all ihren negativen Folgen für Herz und Kreislauf Vorschub leisten kann. Für die Entsorgung des Homocysteins sind vornehmlich die Vitamine Folsäure, B6 und B12 verantwortlich.

Amerikanische Wissenschaftler hatten kürzlich entdeckt, dass sich bei Menschen mit AMD häufig überhöhte Werte an Homocystein im Blut finden. Zu viel Homocystein scheint also auch das Risiko für diese gefährliche Augenerkrankung zu erhöhen. Für AMD-Patienten und insbesondere für Menschen, die diesem Augenleiden vorbeugen wollen, ist aber eine neuere Untersuchung noch interessanter.

Forscher der renommierten Harvard Medical School in Boston hatten mehr als 5 000 Frauen, die bereits an einer Herz-Kreislauferkrankung litten, über rund sieben Jahre beobachtet. Ein Teil der Frauen wurde in diesem Zeitraum täglich mit einer Kombination der Vitamine B6, B12 und Folsäure versorgt. Der andere Teil erhielt nur ein Placebo, also ein Scheinmedikament ohne Wirkung.

Die Auswertung der Studie ergab, dass jene Frauen, die die spezielle Vitaminkombination eingenommen hatten, ein um 34 Pro­zent geringeres Risiko hatten, an AMD zu erkranken. Dieser schützende Effekt zeigte sich so deutlich allerdings erst nach einer Einnahmedauer von zwei Jahren, hielt dann aber bis zum Ende der Studie an. Die Einnahme von B-Vitaminen könne langfristig die Homocysteinwerte im Blut senken und damit einer Schädigung der Blutgefäße entgegenwirken, folgern die Forscher. Und offenbar hat dies auch positive Auswirkungen auf die Augengesundheit. Die vorliegenden Studien bestätigen damit frühere Erkenntnisse. So hatten deutsche Wissenschaftler von der Universität Jena bereits nachweisen können, dass sich erhöhte Homocysteinwerte allein durch die Gabe von Vitaminen erfolgreich senken lassen. Sie hatten dazu Versuchspersonen über einen längeren Zeitraum eine als Arzneimittel zugelassene Vitaminkombination verabreicht, die hochkonzentriert Folsäure, B6 und B12 enthielt.

Vor allem von der Folsäure nehmen die Bundesbürger deutlich zu wenig über die Nahrung zu sich. Das liegt einerseits daran, dass die meisten Deutschen nicht genügend folsäurereiches Gemüse und Obst essen, aber auch daran, dass Folsäure äußert empfindlich ist und schon durch zu langes Lagern und beim Erhitzen zerstört wird. Eine zusätzliche Versorgung mit diesen B-Vitaminen kann also sinnvoll sein. Wer wissen will, wie hoch der eigene Homocysteinspiegel ist, kann dies bei seinem Hausarzt messen lassen. dgk