„Die Zahnpasta muss schmecken!“

Über perfekte Mundhygiene informiert Zahnarzt Dr. Norbert Jahr

Von einer optimalen Mundhygiene, die Kariesbakterien in Schach und das Zahnfleisch gesund hält, profitiert der gesamte Körper. Diese wissenschaftliche Erkenntnis wird insbesondere am 25. September, dem Tag der Zahngesundheit, hervorgehoben. Das LW hat bei Zahnarzt Dr. Norbert Jahr aus Friedrichsdorf nachgefragt, was eine gesunde Mundhygiene ausmacht.

LW: Wie sieht die Grundausstattung für die perfekte Mundhygiene aus?

Dr. Norbert Jahr: Da ein Großteil der Menschen zu ungeschickt ist, sich mit einer normalen Zahnbürste die Zähne zu putzen, empfehle ich den Einsatz einer elektrischen Zahnbürste. Diese Bürsten sind heutzutage so gut, dass man damit die Zähne gut geputzt bekommt. Zwei bis drei Minuten sollte man für das Putzen investieren. Nach jedem Essen wäre das übrigens empfehlenswert. Doch das schafft nicht jeder. Daher sollte es zumindest Pflicht sein, die Zähne zwei Mal täglich, morgens und abends, zu putzen.

Von Zahnbürsten mit Naturborsten rate ich ab. Die Borsten splittern schnell auf und sind ein Nährboden für Bakterien. Wenn nicht mit elektrischer Zahnbürste geputzt wird, dann mit einer, die Kunststoffborsten hat. Die Bürsten sollten alle zwei bis drei Monate, nach einer Erkältung oder Herpes sofort, um den Bakterienherd zu beseitigen, gewechselt werden.

LW: Welche Zahnpasta empfehlen Sie?

Jahr: Grundsätzlich rate ich gerne: Die Zahnpasta muss schmecken! Zum Glück gibt es wenig schlechte Pasten. In der Regel enthalten sie Fluor, das den Zahnschmelz festigt und ihn widerstandsfähiger vor Säureangriffen macht. Eine zusätzliche Fluoridzahnpasta für Erwachsene wird daher nicht benötigt, wohl aber für Kinder.

Abzuraten ist von sogenannten abrasiven Pasten gegen Zahnbelag, die auch als Whitening-Pasten im Regal stehen. Sie sollen zum Beispiel Raucherzähne aufhellen. Dabei sind die da­rin enthaltenen Schleifkörper für die Zähne auf Dauer schädigend.

LW: Was kann man gegen Zahnbelag tun?

Jahr: Ein bis zwei Mal im Jahr sollte man eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt machen lassen. Dabei werden Zahnstein und Beläge entfernt, Zahnzwischenräume gesäubert, und anschließend werden die Zähne fluoridiert. Je nach Praxis und Aufwand kostet das 60 bis 120 Euro.


LW: Was gehört noch zur Grundausstattung?

Jahr: Nicht zu vergessen ist die Benutzung von Zahnseide. Sie ist erfahrungsgemäß technisch etwas schwieriger zu handhaben als eine Bürste. Dennoch sollte man sie täglich einsetzen, um die Zahnzwischenräume zu säubern und so der Kariesentstehung vorzubeugen.

Für ältere Patienten lohnt sich außerdem der Gebrauch von medizinischen Zahnstochern. Sie sind meist aus weichem Rosenholz, brechen nicht und können auch mit Medikamenten, wie beispielsweise Fluor, beschickt sein. Erhältlich sind sie in Apotheken.

Dr. med. dent. Norbert Jahr praktiziert in einer zahnärztlichen Gemeinschafts­praxis in Friedrichsdorf.
Foto: Lehmkühler

LW: Was halten Sie von Mundspülungen und -duschen?

Jahr: Mundspülungen kann man unterstützend zur Zahnpflege einsetzen. Mundduschen waren früher einmal sehr im Trend. Ihre Aufgabe erledigen heute die elektrischen Bürsten. Bei Menschen mit größeren Zahnlücken oder festem Zahnersatz ist ihr Einsatz jedoch immer noch angebracht.


LW: Muss die Zunge geputzt werden?

Jahr: Zur optimalen Mundhygiene gehört auch die Zungenreinigung. Ein Zungenbelag kann zur Karies führen sowie Ursache für Mundgeruch sein. Mit einem speziellen Zungenreiniger, der auf der einen Seite einen Schaber und auf der anderen kleine Borsten hat, sollte der Zungenrücken geputzt werden. Bei regelmäßi­ger Reinigung kann sogar das Geschmacksempfinden verbessert und Zahnbelag deutlich verringert werden. Wie die Zahnbürste sollte der Zungenreiniger regelmäßig gewechselt werden.


LW: Welche Fehler werden häufig bei der Zahnpflege gemacht?

Jahr: Zum einen sind tatsächlich manche Menschen manuell zu un­geschickt beim Putzen. Zum ande­ren wird auch mal zu wenig oder un­vollständig geputzt. Dies gilt insbesondere für Kinder. Ein beeindruckender Test kann Groß und Klein dies zeigen: Besorgen Sie sich in der Apotheke dazu Testtabletten, mit denen man Plaques anfärben kann. Wer die Beläge sieht, putzt danach meist gründlicher.

Man kann jedoch auch zu viel putzen, sei es durch aggressive Zahnpasta oder mit zu viel Druck. Die Zähne nehmen es ferner übel, wenn nach starkem Säuregenuss geputzt wird. Der Zahnschmelz wird durch die Säu­re etwas aufgeweicht. Wer dann putzt, schädigt die Zahnober­flä­che. Man sollte mit dem Putzen warten, bis der Speichel das Mund­milieu wieder regeneriert hat.

LW: Was raten Sie Menschen, die Angst vor dem Zahnarzt haben?

Jahr: Eine Angst vor dem Zahnarzt ist heute eigentlich unbegründet. Jedem wird vor der Behandlung genau erklärt, was gemacht wird. Mit einer örtli­chen Betäubung bekommt man außerdem heute jede Art von Schmerz in den Griff. Wen das Bohrergeräusch stört, der kommt einfach mit Kopfhörer und Musik und lenkt sich damit ab. Und vielleicht hilft es Angstpatienten auch, zu wissen, dass man als Zahnarzt Zähne in erster Linie erhalten und nicht ziehen möchte!

Wer wirklich an einer Phobie leidet, der kann als Angstpatient unter Vollnarkose behandelt werden. Diese kann in Zahnarztpraxen mit einem Aufwachraum durchgeführt werden. Kostenpunkt für die Narkose: rund 300 Euro, die der Patient in der Regel selbst trägt. In begründeten Fällen springt gegebenenfalls auch die Krankenkasse mit ein.

LW: Inwieweit können sich kranke Zähne auf den gesamten Körper auswirken?

Jahr: Unbehandelte Karies und Parodontitis können zu Zahnverlust führen. Das sieht nicht nur unschön aus. Es kann zu funktionellen Beeinträchtigungen kommen. Parodontitis ist mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden. Wer unter Entzündungen am Zahnhalteapparat leidet und die­se nicht behandeln lässt, riskiert Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus und andere Erkran­kun­gen. Die Bakterien können über das Blut an jede Körperstelle gelangen. Bei Schwangeren kann es zu Fehl- und Frühgeburten kommen.

Außerdem sind die beiden bakteriellen Infektionen auch auf andere Menschen übertragbar. Zum Beispiel beim Küssen! Man führt dem Partner oder seinem Baby durch Küsse die krank machenden Bakterien zu. Kurzum: Eine Mundgesundheitsvorsorge und -pflege ist für den Allgemein­zustand der Gesundheit unerlässlich.
Das Interview führte
Stephanie Lehmkühler