Mehr als nur Berieselung

Filme und Hörbücher für Kinder und Jugendliche

Die Auswahl an DVDs und Hörbüchern für Kinder und Jugendliche ist in den letzten Jahren enorm angewachsen. Doch welche Filme und Audio-CDs eignen sich wirklich für den Nachwuchs. LW-Autorin Karin Vorländer gibt wertvolle Tipps.

Ein Kinobesuch ist für viele Kinder und Jugendliche heute keine seltene Ausnahme mehr wie noch für die Generation ihrer Eltern oder Großeltern. Kindergeburtstage werden ins Kino verlegt, die neuesten Kinofilme sind Gesprächsthemen in der Klicke, ein gemeinsamer Kinobesuch gehört in vielen Familien zu den Höhepunkten im Familienleben, und die Verabredung zum gemeinsamen Kinobesuch am Wochenende mit Freunden ist ein untrügliches Zeichen fürs beginnende Flüggewerden.

Weil Kinofilme aber kein billiges Vergnügen sind, verlegen sich manche Familien aufs kostengünstigere Heimkino. In den Herbstferien plant Niklas (11) eine Filmacht. Die Eltern, die sonst in Sachen Film- und Fernsehkonsum sehr zum Bedauern von Niklas eher zurückhaltend sind, haben zugestimmt: Am Freitagabend räumen sie Wohnzimmer und Küche. Niklas und seine Freunde dürfen sich ganz nach Gusto den Pizzateig belegen, den Niklas selbst anrühren wird. Softdrinks, und selbst geröstetes Popcorn sorgen fürs Kinofeeling und dann: Leinwand, sprich Bildschirm, frei für Filme bis zum Abwinken. „Wer zuerst einschläft, hat verloren“, schmunzelt Niklas“ Vater.

Altersbegrenzung bei Filmen

Für reichlich „Filmkost“ ist dank DVDs gesorgt. Jeder Gast darf einen Film mitbringen, die Reihenfolge wird ausgelost. Dabei müssen die Filme gar nicht neu sein. Lukas (13) etwa wird den Nostalgie-Klassiker „Michel aus Lönneberga“ mitbringen, Marcel hat den Zeichentrickfilm „Findet Nemo“ im Gepäck, Yannick hat Wall-E, den einsamen Müll sammelnden Roboter angekündigt, irgendjemand wird „Tintenherz“ beisteuern, und dann sind da noch die „Wilden Hühner“ und „Der Brief für den König“.

Niklas und seine Freunde haben eine riesige Auswahl – selbst wenn sie sich strikt an die Altersbegrenzung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmin­dust­rie (FSK) halten. Was allerdings die wenigsten Eltern wissen, ist, dass das FSK-Siegel kein pädagogischer Tipp, sondern ledigliche eine untere Schutzgrenze sein soll. Eine Empfehlung ab sechs Jahren garantiert keineswegs, dass Sechsjährige einen Film auch wirklich verkraften und verstehen. Kommerzielle Interessen der Filmindustrie gibt es eben. „Wir brauchen dringend ein neues Kinder- und Jugendfilm-Siegel“, fordert deshalb etwa Eva Bürgermeister, Leiterin des Rem­scheider Kinder- und Jugendfilmzentrums in der Bundesrepublik Deutschland (KJF). Die Eltern von Niklas können da nur zustimmen. Sie fanden etwa die Altersfreigabe des vorletzten „Harry Potter“-Filmes viel zu niedrig angesetzt, aber als sie das merkten, saßen sie mit Niklas und seiner jüngeren Schwester schon im Film.

Eltern, die sich beim Kauf oder Leihen einer DVD nicht allein am Verkaufserfolg eines Films oder an den Empfehlungen der Filmindustrie orientieren, sondern sicher gehen wollen, dass sie einen altersgerecht qualitativ hochwertigen Film kaufen oder leihen, können sich an den regelmäßig aktualisierten Empfehlungen der Top-Videonews orientieren, die das Kinder- und Jugendfilmzentrum herausgibt. Hier finden sie „eine gute Richtlinie, die die Spreu vom Weizen trennen hilft“, so Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen (Mehr Informationen dazu im Kasten unten auf der Seite).

Anspruchsvolle Filme

Neben den kommerziellen Kinofilmen, die es häufig schnell als DVD auszuleihen oder zu kaufen gibt, gibt es eine breite Palette von künstlerischen und pädagogisch hervorragend inszenierten Produktionen jenseits des Mainstreams. Zu sehen sind sie auf internationalen Kinderfilmfestivals wie in Berlin, Frankfurt, Chemnitz oder Augsburg.

Mit ein bisschen Recherchearbeit können Eltern gemeinsam mit ihren Kindern gute Filme „ausgraben“, die altersgemäß verpackt Themen wie Zivilcourage, Trauer und Tod, Vertrauen, Alter, Glaube, Freundschaft und Liebe anspruchsvoll inszenieren. Hier lohnt ein Blick auf die Preisträgerliste der Gläsernen Bären bei der Berlinale, der verschiedenen Kinderfilmfestivals und/oder auf die Preisträger des Deutschen Kinderhilfswerkes bei Generation Kplus. Filme wie„Ich schwör“s, ich war“s nicht“ oder „Die Blindgänger“ sehen auch Erwachsene mit Vergnügen und Gewinn. Auszuleihen sind solche Filme unter anderem bei katholischen oder evangelischen Medienzentralstelle.

Dabei sollten Eltern beachten: Anspruchsvolle Filme sind wie Nugat: Sie sind am besten verträglich in kleinen Dosen. Wo Filme von Eltern mit allzu deutlich spürbarem pädagogischem Impetus ins Spiel gebracht werden, verlieren die Kinder möglicherweise den Appetit. Für Kinder und Jugendliche dürfen Filme bleiben, was sie sind: Unterhaltungsmedium.

Der Hörbuchmarkt boomt

Auch im Bereich Hörbücher gibt es ein beneidenswertes gutes und breites Angebot. Hörbücher erleben einen ungeahnten Boom. Es wird wieder vorgelesen, und zwar von Schauspielern: Von Märchen, über den Zauberer von Oz bis Oliver Twist und Kästners Fliegendes Klassenzimmer ist vieles auf CD zu haben und als MP3 tragbar zu hören:

Kinder und Jugendliche hören vielfach nebenbei: Im Bus oder Zug, abends vor dem Einschlafen, bei langen Autofahrten oder in den Pausen – stets gibt's Stoff für die Ohren. Natürlich gibt es bei Hörbüchern und Kassetten auch schnell produzierte, aber nichtsdestotrotz beliebte Serien von „Benjamin Blümchen“ bis „Bibi Blocksberg“, von „TKKG“ und „Drei ???“.

Gelegentlich sorgen Massenproduktionen mit schlich­ten Sprechern, dürftigen Texten und Rollenklischees eher dafür, dass den jungen Konsumenten Hören und Sehen vergeht oder dass sich kaum ein Gefühl für Qualität entwickelt. Und wie bei allen Medien gilt: Nicht jedes Hörbuch ist für jedes Kind in jedem Alter geeignet! Je jünger das Kind ist, desto besser ist es, wenn Eltern sich die Hörbücher mit den Kindern gemeinsam anhören. Dann können sie sofort auf Fragen eingehen. Zumindest aber sollten Eltern Hörbücher kennen, um einschätzen zu können, ob diese für ihr Kind geeignet sind. Als Ersatz fürs Vorlesen oder zum Ruhigstellen bei Langeweile sollten sie nicht verwendet werden.

Wo Eltern sich bei der Auswahl Mühe machen, können sie auf wahre Schätze stoßen. Etwa bei den CDs aus der Reihe Radio Tyrus. In fiktiven Reportagen, Augenzeugenberichten und Expertenmeinungen berichten Hörfunk-Journalisten „live“ aus der biblischen Vergangenheit. Sie lassen die Welt der Bibel taufrisch in einer wunderbar unverkrampften Mischung aus Bibelkunde und Historie lebendig werden. Hier werden biblische Themen informativ, historisch fundiert und hörspieltechnisch so gekonnt in Szene gesetzt, dass das Zuhören für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ein Vergnügen ist.

Tipps im Internet

Informationen zu Filmen und Hörbüchern

www.kinderfilm-online.de - Kinderfilm online stellt neue und empfehlenswerte Kinofilme für Kinder und Familien vor und bietet Hintergrundinformationen für den Kinospaß zu Hause.

www.bayern.jugendschutz.de/kinderundkino/index.aspx - Die Internetseite bietet eine Liste mit empfehlenswerten Kinderfilmen, Informationen zur Alterskennzeichnung von Filmen durch die freiwillige Selbstkontrolle und Hinweise zu altersspezifischen Verstehensmöglichkeiten von Filmen.

www.kjf.de - Das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland informiert auf ihrer Internet-Seite www.kjf.de über sehenswerte Kinder- und Jugendfilme.

www.eine-welt-medien.de/Service/verleiher.htm - Auf dieser Seite finden sich Ad­res­sen von Landesverleihstellen, evangelische und katholische Medienzentralen und sonstige Verleiher.

www.berlinale.de - präsentiert die Preisträger des Gläsernen Bären.

www.vorleser.net - weist auf kostenlose Hörbücher zum Downloaden und weitere Adressen für kostenlose Hörbücher hin.

www.radiotyrus.de - bietet einen Überblick über die Hörspielreihe zu biblischen Themen.

www.ifak-kindermedien.de - gibt Hörbuch-Tipps nach dem Alter der Kinder sortiert. KV/LW