Schmerzmittel und ihre Anwendung

Unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit berücksichtigen

Schmerzen sind ein weit verbreitetes Thema in der Bevölkerung. Besonders bei harter Arbeit, wie es in der Landwirtschaft nun einmal an der Tagesordnung ist, stellt sich häufig auch ein chronischer Schmerz ein. So verschieden Menschen sind, so verschieden gehen sie mit Schmerzen um. Mancher nimmt bei dem kleinsten Schmerz schon ein starkes Schmerzmittel, ein anderer erleidet die stärksten Schmerzen ohne Klagen. Gerade chronische Schmerzen führen oft zu einem Dauergebrauch an Schmerzmitteln, was einen Teufelskreis verursacht. Welche Möglichkeiten, Schmerzen zu behandeln, gibt es?

Mit einem krampflösenden Schmerzmittel, kann man leichte Bauchschmerzen in den Griff bekommen. Eine gute Alternative sind naturheilkundliche Mittel.
Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio

Machen Schmerzen einen Sinn? Ja, aber hauptsächlich akute Schmerzzustände, denn der Schmerz dient dem Körper als Warnsignal. Ein einfaches Beispiel kann dies verdeutlichen: Beim Kochen fasst die Bäuerin versehentlich auf die heiße Herdplatte. Der starke Schmerz in der Handfläche wird ihr sofort vermitteln, dass hier etwas verändert werden sollte. Sie wird ohne zu zögern ihre Hand wegnehmen. Wenn sich also ein Mensch versehentlich oder bewusst entgegen den Bedürfnissen seines Körpers verhält, wird dieser früher oder später mit Schmerzen reagieren, damit der Mensch sein Verhalten ändert. Ebenso können Kopfschmerzen entstehen, wenn jemand zu wenig trinkt. Die Kopfschmerzen vergehen wieder, sobald diese Person mehr trinkt. Bei zu wenig Flüssigkeit im Körper können größere Folgeschäden entstehen, denn die Stoffwechselfunktionen können dann nicht mehr richtig ablaufen, was zu verschiedenen Krankheiten führen kann.

Schmerzgedächtnis des Körpers

Manchmal ist es schwierig he­rauszufinden, was der Körper braucht. Es kann auch einfach fehlende Ruhe sein, vielleicht auch eine falsche Art, sich zu bücken oder zu tragen oder Überlastungen aller Art, die zu Schmerzen führen. Problematisch wird das Schmerzgeschehen, wenn die Ursache nicht gefunden oder beseitigt wird. Dann entsteht der sogenannte chronische Schmerz, der ständig wiederkehrend oder andauernd belastet und die Lebensfreude aufzehrt. Da der Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis besitzt, entsteht hier ein Teufelskreis. Durch die Schmerzen wird der Körper sozusagen schmerzempfindlicher. Es kann soweit kommen, dass Schmerzen vorhanden sind, ohne dass es noch eine Ursache dafür gibt. Um hier einen Ausweg zu schaffen, hat sich die Einnahme eines bestimmten Schmerzmittels, dem Flupirtin, bewährt.

Subjektiv unterschiedlich empfundener Schmerz

Wie Schmerzen bewertet werden, ist sehr unterschiedlich. Ein objektiv gleicher Schmerz kann beim einen stärkstes Schmerzempfinden auslösen, beim anderen kaum spürbar sein. Ein für das Schmerzempfinden entscheidendes Kriterium ist die Menge an Endorphinen, die im Körper vorhanden sind. Diese unterdrücken die Wahrnehmung des Schmerzes ebenso, wie sie uns Zufriedenheit und Glück vermitteln. Durch Arbeit auf dem Feld, im Stall, im Weinberg oder durch Sport können solche körpereigenen Botenstoffe verstärkt produziert werden. Durch die Einnahme von morphinähnlichen Schmerzmitteln, sogenannten Opiaten, werden dem Körper von außen Endorphine zugeführt.

Leichte, rezeptfreie Schmerzmittel

Ein Schmerzmittel unterdrückt immer nur die Empfindung des Schmerzes, nicht dessen Ursache. Kurzfristig ist gegen den Gebrauch von leichten Schmerzmitteln nichts einzuwenden. Manchmal ist an die erforderliche Ruhe für den Körper einfach nicht zu denken, wenn beispielsweise die Ernte eingeholt werden muss. Es sollte jedoch mit Bedacht ausgewählt und eingesetzt werden. Häufiger als drei Mal die Woche sollte man nicht zum Schmerzmittel greifen, sofern es nicht ärztlich angeordnet und überwacht wird. Sonst kann man sich ernstliche Schäden, besonders an den Nieren zuziehen. Außerdem unterbindet der häufige Gebrauch leichter Schmerzmittel deren Wirksamkeit. Sie verursachen eine vermehrte Einlagerung von Säuren im Gewebe. Das führt zu erhöh­ter Schmerzempfindlichkeit und zum Wirkverlust der Schmerzmittel. Abhilfe schafft eine Entsäuerungskur, bei der über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen Basenmittel eingenommen werden, die die eingelagerten Säuren aus dem Körper ausscheiden.

Eine weitere Empfehlung ist die Einnahme von Vitamin E und Vitamin C. Diese Vitaminkombination sorgt dafür, dass Schmerzmittel besser wirken. So kann man durch Vitamingaben den Medikamentenverbrauch senken. Man braucht 500 I.E. Vi­tamin E und 500 mg Vitamin C am Tag. Diese Dosierung ist beispielsweise im Präparat „Evina“ enthalten. Besonders bei häufiger Schmerzmitteleinnahme sind diese beiden Tipps hilfreich.

Eine Übersicht über die gebräuchlichen Schmerzmittel ist in der Tabelle aufgelistet. Für alle diese Schmerzmittel gilt, dass sie Allergien und Asthma auslösen und verstärken, Leber und besonders die Nieren schädigen, und alle, bis auf Paracetamol, die Magen- und Darmschleimhaut angreifen und dort zu Blutungen und Ge­schwür­en führen können. Außerdem haben sie ver­schie­dene Wech­selwirkungen mit anderen Arz­nei­mitteln. Zum Beispiel werden viele blutdrucksenkende Medikamente in ihrer Wirkung abgeschwächt, sobald man ein Schmerz­mittel einnimmt. Wenn andere Medikamente eingenommen werden, sollte in jedem Fall in der Apotheke zu den Wechselwirkungen nachgefragt werden.

Kombinationsschmerzmittel wie „Thomapyrin“, „Vivimed“ und andere gehören zu den beliebtes­ten Schmerzmitteln. Hier ist be­sonders die Beigabe von Coffe­in umstritten. Es wird vor verstärkter Abhängigkeit gewarnt, da Coffein Suchtpotenzial besitzt (wie starke Kaffeetrinker wissen). Andererseits hat sich die Coffein­beigabe besonders bei der Behandlung von Kopfschmerzen bewährt. Sind die Schmerzen krampfartig, zum Beispiel Magenkrämpfe oder Menstru­ationsbeschwer­den, kann das krampflösende Mittel Butylscopolamin eingesetzt werden. Es ist als Tabletten und Zäpfchen unter dem Namen „Buscopan“ im Handel.

Stärkere Schmerzmittel

Vor dem chronischen Gebrauch leichter Schmerzmittel sei nochmals ausdrücklich gewarnt. Hier empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt. Ebenso sollte man den Arztbesuch nicht scheuen, wenn leichte Schmerzmittel nicht oder nur unzureichend Abhilfe schaffen. Der Arzt wird das geeignete Schmerzmittel auswählen und verordnen.

Zu den wichtigsten gebräuchlichen Stoffen zählt das Novaminsulfon oder auch Metamizol genannt und als „Novalgin“ bekannt. Es hat den Vorteil, neben der schmerzhemmenden Wirkung die Muskulatur zu entkramp­fen. Ein besonderer Wirkstoff ist Flupirtin, das als „Katadolon“ vom Arzt verordnet werden kann. Es hemmt die Schmerzen ähnlich stark wie Novaminsulfon, besitzt aber außerdem Wirkung auf das Schmerz­gedächtnis. Es kann Informationen im Schmerzgedächtnis löschen und so einen chronischen Schmerz unterbrechen. Außerdem besitzt es eine muskelentspannende Wirkung.

Stärkere Mittel wie Tramadol und Tilidin sind die schwächsten Vertreter der Opiate. Sie stillen die Schmerzen zentral, das heißt im Gehirn. Sie haben einen dämpfenden Effekt, weshalb die Teilnahme im Straßenverkehr untersagt ist, ebenso der Konsum von Alkohol.

Stärkere Opiate wie Morphin oder Fentanyl fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und werden streng gehandhabt. Im Falle von starken chronischen Schmerzen empfehlen die heutigen Leitlinien zur Schmerztherapie eine vorbeugende Behandlung. Das bedeutet, dass die Schmerz­mittel kontinuierlich gegeben werden, bevor der Patient wieder in den schmerzhaften Zustand gerät. Dadurch wird einer Schmerzsensibilisierung vorgebeugt und die Lebens­qualität erhöht. Spezielle Schmerzmittel, zum Beispiel zur Behandlung von Migräne, Nervenschmerzen, Fibromyalgie, Rheuma und anderen Erkrankungen, können ebenso vom Arzt verordnet werden.

Naturheilkundliche Schmerzmittel

Man kann als Ersatz zu normalen Schmerzmitteln oder auch in Kombination zu diesen, um den Schmerz­mittelverbrauch zu senken, naturheilkundliche Mittel anwenden. Hier gibt es eine Vielzahl, je nach Schmerzursache, Art und Ort. Zunächst sei das Schüssler Salz Nummer sieben erwähnt, das bei allen Schmerzarten Einsatz findet. Man löst fünf bis zehn Tabletten in heißem Wasser auf und trinkt diese Zubereitung bei Schmerzen. Bei Bedarf kann die Einnahme mehrmals täglich wiederholt werden, falsch machen kann man dabei nicht viel. Die Wirkung tritt innerhalb von Minuten ein.

Ein weiteres allgemeines pflanzliches Schmerzmittel ist Mädesüßtee. Man sammelt die Blüten (wenn man sich damit auskennt) oder kauft sie in der Apotheke. Genommen wird ein Teelöffel pro Tasse, zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Davon trinkt man drei Tassen am Tag. Wirksam gegen Schmerz, aber milder, sind auch Lindenblüten und Holunderblüten. Ist der Schmerz rheumatischer Art, sind Brennesselblätter, Weidenrinde oder Teufelskralle als Tee oder gut dosiertes Präparat aus der Apotheke zu bevorzugen.

Bei krampfartigen Schmerzen sind „Spascupreel“-Tabletten, ein homöopathisches Komplexpräparat, angezeigt. Krämpfe im Magen können auch mit den pflanzlichen Tropfen „Iberogast“ behandelt werden, krampfartige Menstruationsbeschwerden mit Gänsefingerkraut und Frauenmantel. Bei Kopfschmerzen kann man Pfefferminz-, Lavendel-, oder Rosmarinöl äußerlich auf Schläfen und Stirn auftragen. Nervenschmerzen behandelt man am besten mit Johanniskraut­öl (innerlich und äußerlich) und B-Vitaminen wie zum Beispiel dem „Neuro Stada“. Zahnschmerzen kann man mit purem Nelkenöl, das auf das Zahnfleisch aufgetragen wird, in den Griff bekommen.

Bei Schmerzen durch Verletzungen ist „Traumeel“ als Tabletten innerlich und als Salbe äußerlich das Mittel der Wahl. Bei Schmerzen durch Knochenbrüche eignet sich zusätzlich Beinwell als Salbe oder Paste äußerlich aufgetragen, die Qual zu verringern und die Heilung zu beschleunigen.

Hat jemand Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe, ist die tägliche Einnahme von Magnesium unerlässlich, sowie eine Entsäuerungskur. Bei Migräne gilt das gleiche, nur muss die Magnesiumdosis sehr hoch gewählt werden. Bei Muskelkrämpfen nimmt man täglich 300 mg, bei Migräne täglich 600 mg vorbeugend ein. Zur äußerlichen Anwendung bei Schmerzen hat sich das „Aconit Schmerzöl“ sehr gut bewährt. Noch ein Gedanke zum Schluss: Die Akzeptanz von Schmerzen hat sich im Lauf der Geschichte sehr verändert. Heutzutage ist kaum jemand bereit, Schmerzen zu ertragen. Früher hingegen nahm man Schmerzen eher bereitwillig als gottesgegebene Probe, Schicksal oder Herausforderung an. Uta Parzefall