Mit dem Viehwaggon ins Arbeitslager

Die Nobelpreisträgerin Herta Müller – kurz vorgestellt

Die rumäniendeutsche Herta Müller ist die Preisträgerin des Nobelpreises für Literatur 2009. In ihrer Würdigung hieß es, die Autorin zeichne in ihren Werken „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“.

Die Schriftstellerin Herta Müller auf der Buchmesse in Frankfurt.
Foto: imago

Herta Müller wurde 1953 in Nitzkydorf, Rumänien, geboren, studierte deutsche und rumänische Philologie in Temeswar und arbeitete dann als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, zeitweise auch als Deutschlehrerin und begann schriftstellerisch tätig zu werden. Ihr erstes Buch „Niederungen“ wurde in Rumänien jedoch nur zensiert veröffentlicht. Da Hausdurchsuchun­gen und Verhöre durch den ru­mä­nischen Geheimdienst in der Folgezeit zunehmend das Leben der Schriftstellerin bestimmten, wurde die Notwendigkeit der Ausreise immer deutlicher.

Ausreise nach Deutschland

Im Jahr 1987 verließ Herta Müller schließlich zusammen mit ihrem damaligen Mann Rumänien. In Deutschland schrieb sie weiter – mit Erfolg, denn sie erhielt für ihre Bücher, die überwiegend von ihren Erfahrungen mit einem totalitären System geprägt sind, zahlreiche Auszeichnungen. Eine besondere Überraschung für sie war nun die Verleihung des Literaturnobelpreises für ihr Werk. Als aktuelles Buch ist in diesem Jahr der Roman „Atem­schaukel“ im Carl Hanser Verlag erschienen.

Das Buch „Atemschaukel“

Der Hintergrund des Buches „Atemschaukel“ ist Rumänien im Jahr 1945. Dort lebende Deutsche zwischen 17 und 45 Jahren werden zur Zwangsarbeit in Lager der damaligen Sowjetunion ausgeliefert. Sie müssen für die NS-Verbrechen Deutschlands büßen und Wiederaufbauarbeit leisten.

Herta Müller beschreibt in ihrem Buch das Schicksal eines jungen Deutschen, den sie Leo Auberg nennt. Er wird als Siebzehnjähriger in einer Winternacht 1945 in einem Viehwaggon aus Hermannstadt (Rumänien) in ein solches Arbeitslager gebracht und muss dort die ganze Grausamkeit des Lagerlebens erfahren – Hunger und den täglichen Kampf ums Überleben.

Geschichte des Oskar Pastior

Informationen über die damaligen Geschehnisse erhielt die Autorin von Überlebenden, unter anderem von dem befreundeten Lyriker Oskar Pastior, mit dem zusammen sie ursprünglich das Buch schreiben wollte. Oskar Pastior verstarb jedoch 2006 überraschend, und so entschied sich Herta Müller, das Buch anhand ihrer Aufzeichnungen von Gesprächen mit dem Freund alleine zu schreiben. Das Ergebnis ist eine überaus ergreifende Darstellung geschichtlicher Realität und menschlicher Schicksale. LW

„Atemschaukel“

Auf ihrer Lesereise durch Deutschland kommt Herta Müller unter anderem auch nach Hessen und Rheinland-Pfalz:

  • Frankfurt: 19. November 2009, Ort: Literaturhaus Frankfurt e. V.
  • Edenkoben: 16. Mai 2010, Ort: Künstlerhaus Edenkoben
  • Remagen: 18. Mai 2010, Ort: Bahnhof Rolandseck

Weitere Informationen und Stationen ihrer Lesereise erhalten Sie auf der Seite des Carl Hanser Verlages: www.hanser.de.