Ohrfeigen für unser Gehör

Feuerwerkskörperlärm kann zu dauerhaftem Hörschaden führen

Bald haben Feuerwerkskörper, Raketen, Böller und Signalpistolen wieder Konjunktur. HNO-Ärzte allerdings auch. Nach altem Brauch wird an Silvester zünftig und auch lautstark gefeiert. Das soll böse Geister vertreiben und das neue Jahr willkommen heißen. Doch Vorsicht!

Foto: Marco Barnebeck/pixelio

Die lauten Explosionen können Ohrensausen oder gar dauerhafte Hörschäden verursachen. So sind zu Jahresbeginn die HNO-Praxen besonders voll: Rund 8 000 Innenohrverletzungen sind jedes Jahr nach Silvester zu beklagen. Silvesterböller erreichen eine Lautstärke, die höher liegt als die eines Presslufthammers oder einer Motorsäge. Tückischerweise wird das subjektiv gar nicht so laut empfunden. Doch wer den Knallern zu nahe kommt, schädigt sein Gehör. Knall- und Explosions­traumata durch Feuerwerkskörper werden durch Impulslärm, das heißt durch Lärm mit hohen Schalldruckspitzen, hervorgerufen. Schallimpulse von Feuerwerkskörpern – gezündet in einem Abstand von zwei Metern – können Spitzenpegel von 145 bis über 160 Dezibel (dB) erreichen (zum Vergleich: ein Düsenflugzeug liegt bei circa 150 dB). Bei öffentlichen Feuerwerken werden in unmittelbarer Umgebung Spitzenpegel von bis zu 190 dB und in weiterer Entfernung noch circa 150 dB gemessen. Signal- und Schreckschusspistolen erreichen Pegel bis maximal 181 dB. Solcher Impulslärm durch Knaller und Böller ist fürs Gehör gefährlicher als Dauerlärm, warnen Experten.

In einer Untersuchung an der Uni Tübingen wurden zum Jahreswechsel 1999/2000 deutschlandweit Daten von Patienten mit Gehörschäden durch Silvester-Feuerwerkskörper erhoben. Nach Hochrechnung der erfassten Daten schätzten die Mediziner eine Gesamtzahl von 8 160 hörgeschädigten Patienten in der Silvesternacht. Übrigens waren Männer drei Mal häufiger betroffen als Frauen, und fast 60 Prozent der Patienten waren unter 25 Jahre alt. In 84 Prozent aller Fälle war Tinnitus begleitendes oder Hauptsymptom. Jeder Zwanzigste trug einen Trommelfellschaden davon. dgk/LW

Gehör schützen

  • Lesen Sie die Anleitung der einzelnen Produkte gründlich durch und befolgen Sie die Warnhinweise genau. Halten Sie ausreichenden Abstand zu den Böllern.
  • Achten Sie darauf, dass keine Knallkörper oder Schreck­schusspistolen in Ohrnähe abgefeuert werden.
  • Verwenden Sie sicherheitshal­ber einen Gehörschutz – einfache Ohrstöpsel tun“s auch.
  • Und: Böller gehören nicht in die Hände von Kindern! Sie unterschätzen die Gefahr. Außerdem gefährden sie sich und andere, weil sie häufig unachtsam sind.