Freud und Leid mit der Getreidevermarktung

Laut dem Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind Hessen und Rheinland-Pfalz bei der Getreideernte mit einem leichten Rückgang gegenüber den Erträgen im Vorjahr und im Vergleich zu den anderen Bundesländern noch einmal gut weggekommen. Und da sich der Erlös aus Menge mal Preis berechnet, können die hiesigen Bauern davon bei der jetzigen Hochpreisphase besonders profitieren.

Dies gilt natürlich nicht für diejenigen, die Getreide verfüttern müssen. Bei dem extremen Kursanstieg in den letzten Wochen sind auch die Schmerzen der Getreideanbauer größer, die – aus heutiger Sicht – zu früh vermarktet haben. Hier sind dem Erzeuger zwischen 30 und 40 Euro pro Tonne entgangen.

Ganz übel stellt sich die Situation für diejenigen dar, die bestimmte Qualitäten kontrahiert haben, die aber aufgrund des Regens nicht mehr vorhanden sind: Abgeschlossen in der Niedrigpreisphase, müssen die Bauern jetzt bei hohen Getreidepreisen ihren Vertrag erfüllen und für den Ersatz der nicht vorhandenen Qualitätsware aufkommen. Gespräche mit dem Handel, wie man die Situation lindern kann, laufen derzeit.

Trotz manch schlechter Erfahrung in diesem Jahr ist die vertragliche Preisabsicherung in dem mittlerweile freien Getreidemarkt unbedingt notwendig. Anders ist das Risiko der Kursschwankungen kaum in den Griff zu bekommen.

Notwendig dafür sind die Warenterminbörsen und natürlich auch die Spekulation, ohne die eine Börse nicht zustande käme. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner warnt deshalb richtigerweise vor politischen Schnellschüssen, vor allem der Franzosen, mit neuen Richtlinien für Warenterminbörsen. Gleichwohl ist es auch richtig, beim Handel im Rohstoffbereich die gleichen Anforderungen zu stellen wie bei Finanzprodukten.

Cornelius Mohr