Internationale deutsche Molkereibranche

Die Molkereibranche bleibt in Bewegung: Wenn in der kommenden Woche die Vertreterversammlungen der skandinavi­schen Molkereigenossenschaft Arla, der Milch-Union Hocheifel (MUH) sowie der britischen Milk Link zustimmen, wird durch deren Fusion Europas größtes Molkereiunternehmen mit einem Milchaufkommen von mehr als 12 Mrd. kg entstehen.

Die MUH ist auf Milchfrischprodukte spezialisiert, die seit längerer Zeit unter starkem Preisdruck stehen. Vom ehemaligen Preisführer unter den Großmolkereien ist das Unternehmen mittlerweile im Milchpreisranking nach hinten gefallen –  die MUH musste handeln. Für die Fusion mit Arla spricht der offensichtliche Vorsprung der Vermarktungsaktivitäten vor allem in China. Dort ist ein starkes Wachstum im Verbrauch zu erwarten, was in den Heimatmärkten nicht mehr der Fall ist.

Der Absatz auf dem Weltmarkt wird immer wichtiger, weil die Milchmenge hierzulande mit dem Wegfall der Quote weiter ansteigen wird und die Genossenschaften ihren Mitgliedern eine Abnahme garantieren. Für Arla spricht auch der Milchpreis, der immer noch über 30 Cent liegt.

Dennoch hätte sich auch ein Zusammengehen mit der benachbarten Molkerei Hochwald angeboten. Auch diese setzt auf den Weltmarkt, insbesondere auf afrikanische und arabische Länder. Vor allem wären wegen der stark überlappen­den Erfassungsgebiete beider Unternehmen schnelle Rationalisierungsgewinne möglich gewesen. Für die Forderung nach einer möglichst nationalen Fusion gibt es allerdings keine plausiblen Argumen­te. Arla und die MUH sind Genossenschaften, und die Erzeuger können mitbestimmen, wenn auch der Einfluss des Einzelnen immer kleiner wird. Und schließlich sind auch die deutschen Erzeuger bei der niederländisch geprägten Friesland-Campina bislang nicht schlecht gefahren.

Cornelius Mohr