Keine Unruhe im Lager aufkommen lassen

Kritische Kartoffelpartien frühzeitig vermarkten

In den aktuellen Berichten zum Kartoffelmarkt wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Kartoffeln bei guter Qualität „ruhig im Lager liegen“. Erste Rückmeldungen von Betrieben, die jetzt schon wieder auslagern und aufbereiten, zeigen aber kein so ein­heitliches Bild.

Der Stoffwechsel der Kartoffeln bleibt auch im Lager aktiv.

Foto: agrar-press

Die Kartoffeln sind auch im Lager noch ein lebender Organismus, dessen Aktivität vor allem von der Lagerungstemperatur beeinflusst wird. Die geringsten Stoffwechselaktivitäten stellen sich bei etwa 4 °C ein. Sinkt die Lagertemperatur noch weiter ab, steigt die Atmungsrate wieder an, weil sich die Knollen vor einem möglichen Frostschaden durch die vermehrte Einlagerung von Zuckern zu schützen. Gleichzeitig bekommen die Kartoffeln je nach Sorte einen süßeren Geschmack.

Optimale Lagertemperatur liegt bei 4 °C

Um dieses Süßwerden zu vermeiden, werden Speisekartoffeln in vielen Fällen bei 5 bis 6 °C gelagert. Damit gehen aber auch höhere Stoffwechselaktivitäten einher, die sich in einer stärkeren Atmungsrate und einer früheren Keimung widerspiegeln. Hier gilt es, sortenspezifische Kompromisse zu finden, die aber in großen, nicht unterteilten Lagerhallen nur schwer zu realisieren sind.

Deutlich verstärkt wird die Unruhe der Knollen im Lager, wenn die Temperatur, auch in der Abkühlphase, immer wieder schwankt. Gleichzeitig steigt dann das Risiko von Kondensation auf den Knollen und damit die Ausbreitung von Lagerkrankheiten wie Silberschorf oder Nassfäule. In Lagerhäusern ohne maschinelle Kühlanlage sollten die Kartoffeln daher im Herbst nicht zu früh zu stark herunter gekühlt werden. Dabei scheint sich durch den Klimawandel der standortspezifische Erfahrungswert für das sichere Erreichen der Dauerlagerungstemperatur, in Dethlingen beispielsweise bisher Mitte November, nach hinten zu verschieben.

Lagerdruckstellen vermeiden

Muss die Lagertemperatur nach einem witterungsbedingten Anstieg wieder auf das alte Niveau gebracht werden, sind damit zusätzliche Belüftungszeiten verbunden. Diese ziehen gerade in den ersten Lagerwochen einen vermehrten Wasserverlust nach sich, da mit jeder Belüftung den Knollen Wärme und Wasser entzogen wird. Deutlich verstärkt wird dieser Effekt noch bei losschaliger Ware, da bis zur vollständigen Neubildung der Schale in diesen Bereichen vermehrt Wasser verdunstet.

Das Risiko von Lagerdruckstellen, das heißt Abflachungen und Vertiefungen auf der Knollenoberfläche, nimmt mit der Höhe der Wasserverluste deutlich zu. Bei den jetzt bereits beobachteten Lagerdruckstellen, auch bei Partien aus Kistenlagern, ist das darunter liegende Gewebe zumeist noch so intakt, dass sich die Vertiefungen wieder zurück bilden. Im Laufe der weiteren Lagersaison wird sich diese Fähigkeit aber schnell abschwächen und gleichzeitig die Schwarzfleckigkeitsneigung deutlich erhöhen.

Folgende Punkte sind für eine Optimierung der Kartoffellagerung zu beachten:

  • Abkühlung des Lagers an mehrwöchiger Wettervorhersage und Erfahrungen der letzten Jahre ausrichten, konsequente Nutzung der maschinellen Kühlung,
  • Bei Kondensation verstärkt Umluft fahren,
  • Die Erfrischungsbelüftung nicht vergessen,
  • Partien mit kritischer Schalenfestigkeit bei der Ernte früh vermarkten.
Versuchsstation Dethlingen, Munster – LW 46/2012