Maisbestände müssen konkurrenzlos groß werden

Herbizid-Strategien für sauberen Mais in 2017

Rechtzeitiges Ausschalten der Schadpflanzenkonkurrenz, sicher und kulturverträglich – das ist einer der Grundsteine für gute Erträge im Maisanbau. Worauf beim Herbizd-Einsatz 2017 zu achten ist, erläutert im Folgenden Hermann Heidweiler vom DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Neustadt/Weinstraße.

In kaum einer anderen Kultur ist die Unkrautbekämpfung so wichtig wie im Mais! Bereits auf eine geringfügig verspätete Maßnahme kann Mais, je nach Art und Stärke des Besatzes, mit bis zu 30 Prozent Ertragseinbußen und mehr reagieren. Im 4- bis 10-Blatt-Stadium duldet Mais keine Schadpflanzenkonkurrenz. Dabei ist die Terminierung der Bekämpfung in Mais kein einfaches Geschäft. Im Mai kommt es immer wieder zu Phasen mit Bodenfrost oder hohen Schwankungen zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Mais reagiert dann auf Herbizide allgemein schnell unverträglich und dies umso mehr, je weiter er in der Entwicklung vorangeschritten ist.

Besonderheiten in Mulchsaat-Mais

Altverunkrautungen und Ausfallgetreide werden durch eine flache Saatbeetbereitung oft nicht erfasst und sind zum herkömmlichen Herbizid-Termin „Nachauflauf Mais“ dem Bekämpfungsstadium oft entwachsen. In Mulch- oder Direktsaatflächen wird daher häufig vor der Maisaussaat mit Glyphosat „reiner Tisch“ geschaffen. Diese Maßnahme erfasst dann zusätzlich ansonsten nur schwer bekämpfbare Wurzelunkräuter wie Quecken, Disteln, Ampfer oder Beifuß, soweit zum Applikationstermin mit ausreichender Blattmasse vorhanden. Die Anreicherung organischer Substanz an der Bodenoberfläche führt zu einer schnelleren Inaktivierung von Bodenwirkstoffen, auch ist eine flächige „Herbizid-Filmbildung“ oft nicht gewährleistet. Daher empfiehlt sich auf dauerhaft pfluglos bestellten Mulch- oder Direktsaatflächen der Einsatz vorwiegend blattaktiver Wirkstoff-Kombinationen im Nachauflauf. Ansonsten entspricht die Schadpflanzenbekämpfung im Mais nach Mulchsaat im Wesentlichen derjenigen der konventionellen Bestellung.

Glyphosat richtig anwenden

Beim Maisanbau im Mulchsaatverfahren ist eine Beseitigung von Altverunkrautung beziehungsweise dauerwurzelnden Schadpflanzen häufiger erforderlich. Aber auch in Pflug-Betrieben können nach im Frühjahr zu schnell beziehungsweise flach durchgeführter Bodenvorbereitung kräftige Pflanzen wieder Fuß fassen. Diese sind nach der Maissaat oft nicht mehr zu bekämpfen. Vor der Aussaat können Altunkräuter, Quecken oder Disteln mit einer Vielzahl von Glyphosat-Produkten bekämpft werden, wobei ein Zeitfenster von mindestens fünf Tagen (Samenunkräuter) bis zehn Tagen (Wurzelunkräuter) vor der Saat anzustreben ist. Schließlich soll auch bei nicht optimalen Anwendungsbedingungen gewährleistet sein, dass eine ausreichende Ableitung der Wirkstoffe in die Wurzelrhizome erfolgt und die Schadpflanzen sicher absterben.

Bis fünf Tage nach der Saat stehen für eine Behandlung ebenfalls einige Glyphosat-Produkte mit entsprechender Indikation zur Auswahl. Der Vorteil des exakten Anschlussfahrens nach den Säreihen kann jedoch schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn nach der Saat wegen Nichtbefahrbarkeit oder Wind keine Spritzarbeit möglich ist. Daher wird dieser Nachsaattermin auf Ausnahmesituationen beschränkt bleiben. Eine Anwendung darf nicht mehr erfolgen, wenn die Keimwurzel die Samenschale durchstoßen hat. Bei ausreichend feinkrümeligem Boden ohne Mulchauflage kann bei prognostizierten Niederschlägen ein Bodenherbizid (Gardo Gold, ein Spectrum-Pack o.a.) zugemischt werden.

Der Frühbezug ist oft zu unflexibel

Ein Herbizid-Frühbezug, wie beispielsweise in Rüben für 2 NAKs durchaus praktikabel, scheidet im Maisanbau oft aus. Zu groß ist die Ungewissheit, mit dem bodenwirksamen Produkt bei trockenen Auflaufbedingungen aufs falsche Pferd gesetzt zu haben beziehungsweise mit der blattstarken Wirkstoff-Kombination bei idealen, feuchten Bodenbedingungen dem Nachbarn zuzuschauen, wie dieser seinen kleinen Mais verträglich behandelt. Bei der Herbizidauswahl in Mais gilt es, nach dem Säen je nach Wetterprognose schnelle Entscheidungen zur Mittelwahl und Anwendung zu treffen. Für bestimmte Situationen sind jedoch im Vorfeld bereits einige Produkte je nach Schadpflanzenbesatz fest einzuplanen. So lassen sich Ackerfuchsschwanz, Ausfallgetreide, Flughafer und Quecke nur mit Sulfonylharnstoffen wie beispielsweise Cato, Nicosulfuron, MaisTer power und Prinzipal bekämpfen.

Zunehmend gibt es Regionen, in denen sich Storchschnabel zur Leitverunkrautung entwickelt hat. Gegen Storchschnabel (-Arten) wirken bei (sehr) früher Anwendung Terbuthylazin (TBA) + Metolachlor oder + Dimethenamid oder + Pethoxamid (siehe Wirksamkeits-Tabelle). Gegen größere Exemplare mit mehr als 2 cm Ø verbleibt nur Artett (TBA + Bentazon) mit 4 bis 5 l/ha. Bei Winden-Arten muss man deren ausreichende Trieblänge abwarten, um mit Dicamba-Wuchsstoff (in Mais-Banvel oder Arrat) erfolgreich zu sein. Diese Gegebenheiten haben zur Folge, dass frühe Einsätze mit Schwerpunkt Bodenwirkung bei Winden ausscheiden, will man nicht zwei Termine wahrnehmen, was niemand gerne tut. Auch bei Humusgehalten von mehr als 5 Prozent, Mulchauflagen oder zu grob liegendem Saatbeet scheiden frühe Maßnahmen mit Schwerpunkt Bodenwirkung aus, da die Wirkstoffe ihre Effektivität nicht voll entfalten können.

 – LW 15/2017