Maiszünsler in den Griff bekommen

DMK-Pflanzenschutztagung: Fungizideinsatz im Mais sinnvoll?

Ein Befall mit Maiszünslern mindert nicht nur die Erträge von Silo- oder Körnermais, es kann auch zu Fusariuminfektionen kommen, in deren Folge sich Mykotoxine bilden. Die Pflanzenschutztagung des Deutschen Maiskomitees (DMK) befasste sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Maiszünslerbekämpfung sowie der Frage, ob ein Einsatz von Fungiziden im Mais sinnvoll ist.

Dr. Elisabeth Oldenburg betrachtete die Auswirkungen von Fusarium im Mais auf die Futter- und Lebensmittelsicherheit.
Foto: Brammert-Schröder

Der Maiszünsler ist der bedeutendste Schädling im Mais. Geknickte Maispflanzen, abgebrochene und violett gefärbte Fahnen oder Bohrmehl in den Blattachseln ­– immer häufiger zeigen sich die typischen Schäden des Maiszünslers in erntereifen Beständen. Der Schädling ist mittlerweile in fast allen Maisanbaugebieten Deutschlands bis nach Schleswig-Holstein und den Mittelgebirgsregionen anzutreffen. Durch die Fraßtätigkeit der Larven werden die Leitbahnen zerstört und die Nährstoffzufuhr unterbunden. Neben Ertrags- und Qualitätsverlusten ist der sekundär auftretende Fusariumbefall, insbesondere im Körnermais, von besonderer Bedeutung. Die Schadensschwelle liegt im Körnermais bei 25 bis 30 Prozent befallener Pflanzen und ist im Silomais bei 35 bis 45 Prozent befallene Pflanzen anzusetzen.

Maisstoppeln konsequent zerkleinern

Dr. Marco Schneider vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) machte auf der Pflanzenschutztagung des DMK kürzlich in Darmstadt deutlich, wie wichtig eine Maisstoppelzerkleinerung vor allem bei pfluglosen Bodenbearbeitungsverfahren ist. Denn durch das Zerkleinern der Stoppeln wird das Winterquartier der Larven zerstört. Versuche des LLH mit verschiedenen Mulch- und Zerkleinerungsgeräten zeigten nach den Worten von Marco Schneider eine gute Wirkung.

Der LLH- Herbizidfinder

Eine schnelle und praktische Lösung zur Auswahl von optimalen Herbizidlösungen im Mais, Getreide, Raps und Grünland haben Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes und des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen entwickelt: Der Herbizidfinder ist unter www.llh.hessen.de/pflanzenproduktion/ackerbau/951-herbizidfinder.html online, für Smartphones unter www.psm-finder.de/m. Fotos erleichtern die Bestimmung verschiedener Unkräuter. Nach Auswahl der Verunkrautung erhält der Nutzer Lösungsvorschläge mit umfangreichen Beschreibungen zu den Produkten.

Vorteile:

  • Schnelles Herausfinden von Herbizidlösungen auf den Betrieb und Standort abgestimmt
  • Detaillierte Infos zu den Pflanzenschutzmitteln
  • Aktuelle Infos zu Anwendungsbestimmungen, Auflagen, Zulassung
  • Information über Wirkstoffgehalte und HRAC-Klassen
Brammert-Schröder

„Am Ende einer Bewertung der Arbeitsverfahren zur Stoppelzerkleinerung ist entscheidend, wie viele Maiszünslerlarven im folgenden Frühjahr vorhanden sind. Mit den Schlegelmulchgeräten kann unabhängig vom Arbeitswerkzeug der Ausgangsbefall um 90 Prozent gesenkt werden. Das ist ein gutes Ergebnis fast auf dem Niveau von Insektiziden. Aber auch der Sichelmulcher reduziert deutlich den Ausgangsbefall des Maiszünslers. Die Quetschwalze bringt etwa 50 Prozent Wirkungsgrad. Auf steinigen Böden ist sie eine Alternative zum kostenintensiven Mulcharbeitsgang“, so Schneider.

Als Ergebnis aus den Versuchen leitete Schneider folgende Empfehlung ab: „In Regionen mit einem Befall von bis etwa 30 Prozent geschädigter Maispflanzen reichen die vorbeugenden Strohzerkleinerungs- und Bodenbearbeitungsmaßnahmen aus, wenn sie konsequent von allen Betrieben durchgeführt werden. Bei stärkerem Befall ist dauerhaft der Einsatz von Insektiziden oder Trichogramma-Schlupfwespen in Betracht zu ziehen.“

Maiszünsler-Bekämpfung mit Trichogramma

Dass die Maiszünsler-Bekämpfung mit Trichogramma gut funktionieren kann, machte Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst Hessen in seinem Vortrag deutlich. Höhere Flächenleistungen seien durch die Ausbringung der Trichogramma mittels Multikopter möglich, sie schaffen 5 bis 10 ha in 15 bis 20 Minuten.

Die Schlupfwespen sind in kleinen Kugeln aus Maisstärke oder Zellulose enthalten. Der Vorteil der Ausbringung mit den kleinen unbemannten Flugsystemen: die Multikopter sind im Kofferraum zu transportieren und schnell einsatzbereit. Die Anwendung ist bei nahezu jedem Wetter möglich und die Trichogramma-Kugeln werden durch GPS-positionierte Abwurfpunkte exakt und gleichmäßig verteilt.

Michael Lenz machte aber auch deutlich, dass für einen guten Erfolg der Maiszünslerbekämpfung durch Trichogramma der richtige Ausbringungstermin entscheidend ist. „Die Schlupfwespen müssen da sein, wenn die Eier des Zünslers frisch abgelegt sind. Dann bekommt man auch parasitierte Eigelege.“ Die Parasiten befallen die Eigelege des Falters und verhindern dadurch die Entwicklung zu Larven. Die Kosten für die Anwendung bezifferte Lenz auf 60 bis 85 Euro/ha, 15 bis 20 Euro/ha entfallen dabei auf die reinen Ausbringungskosten für den Multikopter. Damit seien die Kosten mit einer Insektizidanwendung vergleichbar, so Lenz.

Nützlinge mit dem Multikopter ausbringen

Fuchsrote Borstenhirse

Bekämpfung schwierig

Die Fuchsrote Borstenhirse (Setaria pumilla) könnte zu einem neuen schwer zu bekämpfenden Unkraut im Mais werden. Günter Klingenhagen von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellte im Rahmen der Pflanzenschutztagung des DMK in Darmstadt einen Herbizidversuch vor, bei dem die Fuchsrote Borstenhirse aufgefallen ist.

2013 wurden verschiedene Hirsen nebeneinander ausgedrillt und mit den gängigen Mais­herbiziden behandelt. „Die Fuchsrote Borstenhirse reagierte im Vergleich zu den anderen Hirsearten weniger empfindlich auf die Boden- und Gräserherbizide“, sagte Klingenhagen. Daraufhin wurden im Jahr 2014 im Rahmen eines Resistenzmonitorings Samenproben von verschiedenen zufällig ausgewählten Standorten zur FH Bingen gesandt. Hier wurden die Proben im Biotest mit Herbiziden aus der Gruppe der ALS- und ACCase-Hemmer behandelt.

Neben vier Proben von Setaria pumilla waren auch sechs Proben von Echinochola crus-galli (Hühnerhirse) dabei. Sowohl gegen die Rote Borstenhirse als auch gegen Hühnerhirse wurde ein durchschnittlicher Wirkungsgrad von 85 Prozent erreicht.

Inzwischen ist die Fuchsrote Borstenhirse auch auf einigen Maisschlägen im Münsterland gefunden worden. „Sie wächst meist an den Einfahrten der Schläge und fällt auf, nachdem die Herbizidbehandlungen abgeschlossen sind. Bei einem Landwirt fiel auf, dass Setaria pumilla auf drei Feldern, aber nur in den Feldrandstreifen, wuchs. Diese Streifen waren ein Jahr zuvor als Blühstreifen angelegt worden“, berichtete Klingenhagen.

Brammert-Schröder

Für Flächen mit stärkerem Befall und bei verzetteltem, lang anhaltendem Maiszünslerflug empfahl er die zweimalige Ausbringung. „Auch im Körnermais sichert eine zweimalige Ausbringung einen hohen Wirkungsgrad“, erklärte Lenz. Hinweise zum richtigen Ausbringungszeitpunkt liefern in Hessen der Pflanzenschutzdienst und die Pflanzenproduktionsberater des LLH.

Rund 700 ha Maisfläche seien in Hessen in diesem Jahr bereits mit Trichogramma bestückt worden, davon 490 ha mit Multikoptern. „Hauptkoordinationsstelle in Hessen ist der Maschinenring Wetterau“, so Lenz. Neben gut ausgebildeten und erfahrenen Piloten zur Steuerung der Multikopter sind vor allem Flächendaten notwendig, um eine reibungslose Ausbringung zu gewährleisten. Für die Ausbringung müssen die Flächenkoordinaten bei der Ausbringungsfirma in ein Computersystem eingegeben werden, worauf dann Flugroute und Abwurfpunkte der Fläche berechnet werden.

Bei der Ausbringung wird der Multikopter vom Piloten an den Startpunkt der Fläche geflogen und von dort erfolgt der Flug automatisch nach den GPS-Geodaten, ebenso das Auslösen und Abwerfen der Tricho-Kugeln. „Damit alle Rädchen funktionieren, ist für die Umsetzung des Verfahrens eine gute Koordination zwischen Landwirt, Trichogramma-Produzenten, Ausbringungsfirma, Handelsstufe, Maschinenring und Pflanzenschutzdienst/LLH notwendig“, schloss Lenz.

Dirk Schmidt, Geschäftsführer der Firma Dialogis UG aus Freilassing, berichtete über die praktischen Erfahrungen mit dem Agri-Copter, der im Juni erstmals auf Maisfeldern in Ostbayern zur Ausbringung von Trichogramma gegen den Maiszünsler erfolgreich eingesetzt wurde. Von seiner Firma wurde ein computergesteuerter Abwurfmechanismus entwickelt, der die Kugeln auf drei Verteilbahnen gleichzeitig exakt ausbringt. Die Computersteuerung ermöglicht nach Schmidts Aussage außerdem eine sehr flexible Anpassung an unterschiedliche Verteilmuster, unterschiedliche Windverhältnisse und die positionsgenaue Dokumentation der erbrachten Dienstleistung.

Körnermais mit Fungiziden behandeln?

Die Fusariumtoxinkonzentrationen in Mais sind im Durchschnitt der Jahre gering. Im vergangenen Jahr allerdings sind zahlreiche Maisproben mit hohen Mykotoxingehalten aufgefallen. Dr. Elisabeth Oldenburg vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig nahm eine Einschätzung vor, wie die in den befallenen Maisorganen gebildeten Fusariumtoxine in Bezug auf ihr Risiko für die Futter- und Lebensmittelsicherheit je nach Nutzungsform des Maises zu bewerten sind. Dafür fasste die Wissenschaftlerin zusammen, wie und zu welchen Zeitpunkten es zu Fusariumerkrankungen des Maises kommen kann.

Das Risiko für Stängelfäulen schätzte sie als gering ein, weil die meisten Silo- und Körnermaissorten dagegen als gut widerstandsfähig eingestuft sind. Anders sehe es mit Infektionen des Kolbens aus. Hier wirkten anhaltende Feuchtigkeit in der Blüte begünstigend, ebenso wie Insektenfraß, vor allem durch Maiszünsler.

„Die zum Teil hohen Toxingehalte in den Kolbenanlagen von Silomais werden aufgrund des sehr geringen TM-Anteils dieser Organe als unbedeutend bei Verfütterung an Wiederkäuer angesehen“, erklärte Oldenburg. „Da bei Auftreten der Kolbenfusariose die Spindel in der Regel deutlich höher mit Fusarientoxinen belastet ist als die anhaftenden Körner, ist von Spindel-haltigen Futtermitteln wie CCM, insbesondere bei Verfütterung an Schweine, von einem erhöhten Risiko auszugehen.“ Die Wissenschaftlerin verwies auf einen Versuch am Julius Kühn-Institut, in dem Natriumsulfit als Toxinbinder an Schweine mit gutem Erfolg verfüttert wurde.

Michael Lenz, Pflanzenschutzdienst, erläuterte die Trichogramma-Ausbringung per Multikopter.
Foto: Brammert-Schröder

Vor allem die Spindel durch Fusarium belastet

„Auch eine Reinigung könnte bei betroffenem Körnermais eine Lösung sein, denn hier sind in der Regel nur die Spindel und die oberen Körner befallen“, so Oldenburg. Für die generelle Anwendung eines Fungizids im Körnermais sah sie keine Notwendigkeit, in Silomais sind Fungizide ihrer Meinung nach gar nicht erforderlich, da für die Verfütterung an Rinder durch den Verdünnungseffekt keine Gefahr ausgeht.

Rechtzeitig für diese Saison wurde für das Fungizid Retengo Plus die Notfallzulassung für die Bekämpfung von Fusarium in Körnermais erteilt. Dr. Tobias Erven von BASF erläuterte das Potenzial von Fungiziden im Körnermais. „Durch die Anwendung besteht die Möglichkeit, die Verursacher von vielen Mykotoxinen in Mais zu bekämpfen und somit die Qualität des Erntegutes zu verbessern“, sagte er in Darmstadt. Retengo Plus kombiniere eine Bekämpfung von Myzel in der Pflanze mit einer effektiven Unterdrückung der Keimung von Fusariumsporen.

Erven zeigte auf, dass in zahlreichen Versuchen eine Wirksamkeit des Fungizids von zirka 50 Prozent bei den Mykotoxinen DON und ZEA bestätigt wurde und die Toxingehalte unter den gesetzlichen Grenzwerten gehalten werden konnten. „Die beste Wirksamkeit wird erzielt, wenn die Behandlung bei einer Wuchshöhe von 1,0 bis 1,5 m durchgeführt wird. Diese Anwendung ist mit Standardtechnik möglich und schützt alle Blätter der Maispflanze inklusive dem Kolbenansatz“, fasste Erven zusammen.

Auch Bayer CropScience hat eine Zulassung ihres Fungizids Prosaro in Mais beantragt und hofft, diese für das nächste Jahr zu bekommen. „Versuche zeigen, dass ein Einsatz zur Reduktion von Mykotoxinen ab BBCH 32 eine Wirkung hat, Einsatztermine ab BBCH 55 aber deutlich sicherer in der Wirkung sind“, so Jürgen Beutel, Bayer CropScience Deutschland.

Imke Brammert-Schröder – LW 32/2015