Potenzial neuer Sorten kann nicht ausgeschöpft werden

Pflanzenzüchter enttäuscht vom EuGH-Urteil

Enttäuscht vom Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu neuen Züchtungs­methoden hat sich der Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) gezeigt. Die Rechtsprechung werde „große Probleme in der praktischen Umsetzbarkeit“ bereiten, erklärte der BDP am 18. Dezember in seinem Jahresrückblick.

Der EuGH hatte Ende Juli geurteilt, dass Organismen, die durch Mutagenese gewonnen werden, den Verpflichtungen aus der Gentechnik-Richtlinie der EU unterliegen. Laut BDP stellt sich die Frage, wie die Zulassungsvoraussetzung eines eindeutigen Nachweis- und Identifizierungsverfahrens bei mit den neuen Methoden veränderten Pflanzen erfüllt werden könne. Ohne ein derartiges Verfahren könnten die Überwachungsbehörden ihren Aufgaben nicht nachkommen.

Gesetzgebung nach wissenschaftlichen Grundsätzen

Ungeklärt ist dem Verband zufolge auch, wie in Zukunft mit Produkten aus Drittländern verfahren werden kann, in denen Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingestuft sind. „Um eine Anwendung diese und zukünftiger Verfahren für alle Pflanzenzüchtungsunternehmen zu ermöglichen, fordern die Züchter Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung dazu auf, die Gesetzgebung derart anzupassen, dass sie sich an wissenschaftlichen Grundsätzen orientiert und neuesten Entwicklungen in der Pflanzenzüchtung Rechnung trägt“, so BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer.

Die extreme Trockenheit 2018 hat nach Ansicht der Pflanzenzüchter demonstriert, wie wichtig neue Pflanzensorten für ein zukunftsfähiges Agrarsystem seien. Angesichts sich wandelnder klimatischer Einflüsse und abnehmender Verfügbarkeit von Pflanzenschutz- und Düngemitteln berge die Zucht ein großes Potenzial, Sorten bereitzustellen, die auch in extremen Umwelten Ertragsstabilität gewährleisteten.

Da die Entwicklung dieser Sorten von den meist mittelständischen Unternehmen „enorme“ Investitionen erfordere, sei eine „langfristige Forschungsförderung für die Branche und den Fortschritt unabdingbar“, betont der Verband. Er erwartet von der Bundesregierung, auch bei der Formulierung der Ackerbaustrategie bis zum Herbst 2019 aktiv in den Gestaltungsprozess sowie die Umsetzung einbezogen zu werden. Nur so würden Landwirtschaft und Gesellschaft von den Innovationen der Pflanzenzüchtung profitieren können.

age – LW 1/2019