Vorbeugen ist der beste Schutz gegen Schädlinge

Auch der Vorratsschutz muss dokumentiert werden

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das Getreidelager zu überprüfen, denn mit steigenden Temperaturen werden die Vorratsschädlinge aktiv. Über die konkreten Maßnahmen gegen verschiedene Schädlinge informiert Heinz Gengenbach vom LLH Öko-Beratungsteam.

Vielerorts liegt noch Getreide im Lager, während die nächste Ernte bereits heranwächst. Und auf die warten vielleicht schon die Mehlmotten und Kornkäfer. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Schädlingsmonitoring im Lager. Wer in den vergangenen Jahren mit der Dörrobst- der Mehlmotte oder mit dem Kornkäfer zu kämpfen hatte, sollte jetzt nachprüfen, ob diese Schädlinge vorhanden sind. Ab etwa 13 °C sind die Kornkäfer aktiv und legen ihre Eier in das zuvor angebohrte Getreidekorn.

Monitoring mittels verschiedener Fallen

Mithilfe von Käfersieben mit einer Maschenweite von 1,8 x 1,8 mm kann man leicht überprüfen, ob ein Insektenbefall vorliegt. Dazu gibt man Getreideproben auf das Sieb und schüttelt. Die Käfer richten sich beim Schütteln auf und fallen durch das Sieb in das Fach darunter. Dort kann man sie leicht erkennen. Auf glattbezogenen und geharkten Oberflächen im Getreidelager haben sich auch verschiedene Fallen aus bruchfestem Kunststoff bewährt. Das Getreide sollte rund um die Falle leicht angehäufelt werden. Bei der Suche nach dem höchsten Punkt fallen die Käfer in das Gefäß. Probleme mit Lagerschädlingen haben ihren Anfang meist in mangelhafter Hygiene. Pilze und Staubpartikel, in Kombination mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von unter 65 Prozent, bieten ideale Lebensbedingungen für Milben und Staubläuse.

Ein guter Lagerraum...

  • ist trocken, sauber und gut belüftet,
  • ist trocken, sauber und gut belüftet,
  • hat möglichst glatte Wände und verfügt über einen glatten Fußboden aus gut zu reinigendem Material,
  • weist keine offenen Spalten und Ritzen in Böden und Wänden auf.

Mäuse sind typische Hygieneschädlinge

Im Lager können Langschwanz­mäuse, zu denen auch die Haus- und Wanderratten zählen, großen Schaden anrichten. Hausmäuse (Mus musculus) ernähren sich von allem, was auch für den Menschen essbar ist. Sie sind Vorrats- und Hygieneschädlinge und verursachen durch Verschmutzung (Kot, Harn, Mäusehaare) große Schäden. Einem Befall durch Hausmäuse kann man durch dichtschließende Abfallbehälter sowie eine regelmäßige Abfallbeseitigung vorbeugen. Den tatsächlichen Befall ermittelt man durch eine Vorköderung mit giftfreien Futterködern. Hausmäuse werden mit mechanischen Schlagfallen oder Fraßködern (Blutgerinnungshemmern) bekämpft. Die Blutgerinnungshemmer müssen in verschleppungssicherer Formulierung (Pastenbeutel, Blocks) und in stabilen, geschlossenen Köderboxen angeboten werden.

Wander- oder Hausratte? Die Bestimmung ist wichtig

Die Wanderrate (Rattus norvegicus) und die Hausratte (Rattus rattus) werden oft miteinander verwechselt. Um den Rattenbefall zu prüfen und sie zu bekämpfen, ist allerdings eine exakte Bestimmung der Art nötig. Die Wanderratte ist größer als die Hausratte und hat kleinere Ohren sowie einen gedrungenen Kopf. Die Wanderratte mag es feucht, während die Hausratte trockene Plätze bevorzugt. Ratten sind Allesfresser. Um Ratten fernzuhalten, empfiehlt es sich, Kanal- und Gullydeckel, Bodenentwässerungen, Kellerfenster, Schächte und andere mögliche Zugangswege zu vergittern, dabei sollte die Maschenweite unter 1 cm liegen. Türen sollen mit Blech oder Gitter, bodenseitig 25 cm hoch, gesichert werden. Türen müssen dicht schließen.

Eine Rattenbekämpfung ist zu dokumentieren

Wenn Ratten da sind, muss man sie sachgerecht bekämpfen, dazu dienen mechanische Fallen oder formulierte Blutgerinnungshemmer in Köderboxen, die verschleppungssicher ausgebracht werden müssen. Die Köderboxen nummeriert man durch und dokumentiert alle Maßnahmen mit Datum und weiteren Angaben in einem Schadnagerbekämpfungsprotokoll. Die Köderstationen sind in eine Skizze eines Gebäudelageplans einzuzeichnen. Beim Einsatz von Ködern gegen Schadnager ist darauf zu achten, dass die Köder getrennt vom Erntegut und unzugänglich für Kinder und Haustiere, ausgelegt werden. Mit der Rattenbekämpfung beauftragt man am besten eine Fachfirma. Bei der Bekämpfung von Ratten und Mäusen (Wirbeltiere) ist das Tierschutzgesetz zu berücksichtigen. Rattenbefall ist laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die zuständige Gemeinde nimmt die Meldung auf. Die Schadnagerbekämpfung im Lager erfordert einen Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Jeder, der beruflich Pflanzenschutzmittel anwendet, muss seit dem 26. November 2015 den bundeseinheitlichen Sachkundenachweis im Scheckkartenformat besitzen. Wenn die Schadnagerbekämpfung an eine fachkundige Firma vergeben wurde, ist dieser Nachweis jedoch nicht notwendig.

Wenn Leben ins Getreide kommt

Ganz zu vermeiden ist die Einschleppung von Schadinsekten nur in gasdichten Silozellen oder Kammern ohne jegliches Restgetreide. Bei trocken eingelagertem Getreide mit einer Temperatur unter 10 °C entwickeln sich keine Insekten. Milben vermehren sich dann nur sehr langsam – ausreichende Feuchtigkeit vorausgesetzt. Das Problem beginnt mit dem für Schaderreger förderlichen Mikroklima. Deshalb muss man die drei Faktoren Staub, Wärme und Feuchtigkeit im Auge behalten. Eine regelmäßige Temperaturkontrolle ist unerlässlich. Ansteigende Temperaturen im Lagergut deuten auf einen Befall durch Käfer, Milben oder Schimmelpilze hin. Kommt es trotz aller vorbeugen­- der Maßnahmen zu einem Befall, stehen verschiedene Bekämpfungs­verfahren zur Verfügung. Es gibt physikalische, biologische und chemische Maßnahmen.

Bekämpfung von Vorratsschädlingen

Wenn ein Befall festgestellt wurde, kann das Insektizid SilicoSec eingesetzt werden. Es besteht aus Kieselgur, das heißt fossilen Kieselalgen. Vorratsschädlinge wie Kornkäfer, Larven, Motten und andere stäuben sich damit ein und trocknen aus. Wer Kieselgur einkaufen und verwenden möchte, muss einen gültigen Sachkundenachweis Pflanzenschutz besitzen. Eine SilicoSec-Anwendung sollte vorab mit dem Abnehmer abgesprochen werden, da das Mittel Schüttdichte, Fließverhalten, Mahlverhalten und Oberflächenbeschaffenheit des Getreides verändert. Behandeltes Getreide sollte gegebenenfalls gebürstet werden, um Kieselgurreste zu entfernen. Anwendung: 10 bis 20 g/qm zur Leerraumbehandlung; vorbeugend in Getreide: 1 kg/t Getreide. Bei Befall: 2 kg/t Getreide, am besten beim Umlagern in ein anderes Silo mittels eines Dosiergerätes oder per Hand.

Es geht auch biologisch

Speziell der Einsatz von Nützlingen zum biologischen Vorratsschutz wurde in den letzten Jahren weiterentwickelt. Beispielsweise stehen Schlupfwespen gegen verschiedene Käfer und Motten zur Verfügung. Sofern biologische Nützlinge oder chemische Präparate im Leerraum eingesetzt werden sollen, ist auf die entsprechende Indikation der Mittel zu achten.Die Lagererzwespe Lariophagus distinguendus parasitiert Kornkäferlarven und andere Lagerschädlinge. Sie sucht aktiv nach Larven im leeren Lager, auch in Ritzen und Verstecken. Die Wespe kann bis etwa vier Meter tief in das Lagergetreide eindringen. Untersuchungen der FU Berlin haben gezeigt, dass dies mit einer außerordentlichen Präzision geschieht. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Lagererzwespe im Getreidesilo mit Kornkäferlarven befallene Körner zwischen 230 000 gesunden Körnern identifiziert. Die Umgebungstemperatur nach dem Aussetzen der Wespen muss dauerhaft mindestens 15 °C betragen. Bei einer prophylaktischen Behandlung von eingelagertem Getreide werden zwei Wespen pro Tonne benötigt. Für die Leerraumbehandlung empfehlen die Wissenschaftler insgesamt 30 Weibchen pro 100 qm. Wenn Lagererzwespen ausgesetzt werden, ist kein SilicoSec anzuwenden.

Einsatzzeitpunkte:

  • Im Frühjahr, wenn der Käfer aus dem Winterschlaf kommt,
  • im Leerlager gegen Larven in Verstecken,
  • vier Wochen nach der Getreideeinlagerung, wenn sich neue Käfer einnisten.

Dokumentation nicht vergessen

Sowohl für den Landwirt als auch für den Abnehmer ist es wichtig, nachvollziehen zu können, was von der Ein- bis zur Auslagerung mit dem Getreide passiert ist. Im eigenen Interesse sollte man dokumentieren, wie die Qualitätssicherung im Lager erfolgt ist. Dazu gibt es Vorlagen in elektronischen Schlagdateien. Besonders in Situationen, in denen in der Vergangenheit Mängel aufgetreten sind, können die Daten die Grundlage für Verbesserungen sein. Landwirte sind verantwortlich für die Erzeugnisse, die sie in den Verkehr bringen oder verfüttern. Um späteren Problemen aus dem Weg zu gehen, sollte man mit geeigneten Hygienemaßnahmen vorbeugen. Unter anderem gilt es, folgende Verunreinigungen zu vermeiden:

  • Besatz mit mikrobiell geschädigten Körnern durch Feld- und Lagerpilze und deren hochgiftigen Stoffwechselprodukten (Toxine). Zu den bekanntesten Feldpilzen zählen Mutterkorn und Ährenfusarien. Im Lager können besonders Schimmelpilze zum Verderb führen
  • Schmutz, Schadstoff- und toxinhaltige Stäube, Fremdkörper (Sand, Glas, Erde), tote Insekten und Exkremente von Schadnagern, Vögeln, Katzen, Hunden und anderen Tieren;
  • Befall mit Schädlingen wie Käfern, Milben, Motten und Nagern.
 – LW 20/2017