Zuckerrübenanbauer stellen sich dem Wettbewerb

Trockenjahr bringt nur Durchschnittsernte

Zum 16. Wetterauer Rübentag am 28. Januar in Florstadt konnte Dr. Matthias Mehl, Vorsitzender des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer, von einer Durchschnittsernte im Trockenjahr 2015 berichten. Beim Zuckermarkt zeichne sich seit dem Herbst 2015 eine Trendwende ab, die Weltmarktpreise steigen langsam von 300 auf knapp 400 Euro je Tonne an. Die Zuckerpreise in der EU stagnieren allerdings noch auf niedrigem Niveau und lassen derzeit keinen Spielraum für steigende Erlöse für die Rübenanbauer zu, so Mehl.

„Es ist erstaunlich, was die Zuckerrüben trotz Trockenheit noch an Ertrag gebracht haben“, resümierte Dr. Mehl.
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Eine frühe Aussaat ab Mitte März, eine für die Rüben noch ausreichende Wasserversorgung durch die Bodenvorräte und gesunde Rübenbestände bis zur Ernte waren die Gründe für den noch erzielten Durchschnittsertrag von 68,4 Tonnen Rüben je Hektar, so Mehl. Dieser liegt zwar fast 20 Tonnen je Hektar unter dem Rekordertrag im Jahr 2014, es fehlten allerdings auch 200 Liter je Quadratmeter Regen zum Normalniederschlag.

Im Schnitt 68,4 Tonnen Rüben trotz Trockenheit

„Es ist erstaunlich, was die Zuckerrüben trotz Trockenheit noch an Ertrag gebracht haben“, resümierte Dr. Mehl. Durch niedrigere Erträge und eine Flächenreduzierung um 13 Prozent war auch die Verarbeitungskampagne 2015 in den Zuckerfabriken Wabern und Offstein deutlich kürzer. Der Zuckergehalt lag mit 18,5 Prozent über dem Durchschnitt und glich den geringeren Rübenertrag etwas aus.

Mit Sorge sieht der Verbandsvorsitzende das anhaltende Preistief beim EU-Quotenzucker. Im Oktober habe der mittlere Abgabepreis für Quotenzucker in der EU bei nur 417 Euro je Tonne gelegen. Das lässt nach Auffassung von Dr. Mehl derzeit keine Preisaufschläge für die Rüben zu und belaste das Ergebnis des Unternehmens Südzucker AG, an dem die Rübenanbauer mehrheitlich beteiligt sind.

Positive Signale vom Welt-Zuckermarkt

Die Lage am Welt-Zuckermarkt hat sich zum Vorjahr verbessert, seit Oktober steigt der Zuckerpreis, aktuell wird Weißzucker mit knapp 400 Euro je Tonne gehandelt. „Wir hoffen, dass die Trendwende am Welt-Zuckermarkt Bestand hat. Dafür spricht, dass weltweit der Zuckerverbrauch kontinuierlich ansteigt und die Zuckererzeugung stagniert“, so Mehl.

Manfred Kröhl erläuterte das künftige Bezahlsystem.
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Es gibt keine Quotenrüben mehr

Der von der EU-Kommission beschlossene Wegfall der Zuckerquoten und die Streichung des Rübenmindestpreises ab Oktober 2017 werden zu weitreichenden Veränderungen im Zucker- und Rübensektor führen, sagte der Vorsitzende. Neue vertragliche Rahmenbedingungen für den Zuckerrübenanbau in Süddeutschland seien daher erforderlich.

Mehl teilte den Rübenanbauern mit, dass die Gespräche der Anbauerverbände mit Südzucker Ergebnisse für ein Vertragsangebot der Südzucker für den Rübenanbau ab 2017 AG gebracht haben. So soll unter anderem die Kontraktmenge ab 2017 aus einer Basis- und einer Mehrrübenmenge bestehen, die am Zuckerbedarf des Unternehmens ausgerichtet ist. Die Basismenge entspricht den Zuckerrübenlieferrechten des Landwirtes, ohne die auch zukünftig kein Rübenanbau erfolgen soll.

Südzucker zahlt 75 Prozent der Frachtkosten

Jeder Anbauer kann bis zu 40 Prozent Mehrmenge bezogen auf seine Basismenge kontrahieren. Die Frachtkosten zur nächsten Fabrik werden zu 25 Prozent vom Rübenanbauer individuell getragen, 75 Prozent trägt Südzucker.

Über eine Treueprämie sollen die Anbauer von einem mehrjährigen Anbau profitieren. Der Rübenpreis wird aus den Zuckererlösen jährlich neu abgeleitet. Die Kontrahierung der Ernte 2017 soll bis Mitte 2016 erfolgen.

„Die Wetterauer Anbauer haben ab 2017 die Chance, den Anbau um etwa ein Drittel auszuweiten und damit den Rübenanbau in ihren Betrieben abzusichern. Dies wird gelingen, wenn sich der Zuckermarkt positiv entwickelt und damit der Rübenpreis einen wettbewerbsfähigen und attraktiven Deckungsbeitrag im Vergleich zu anderen Kulturen ermöglicht“, so die optimistische Einschätzung von Dr. Matthias Mehl abschließend.

Südzucker will mehr Rüben

Die Südzucker habe aufgrund der schlechten Zuckerpreise zwar in diesem Segment Verluste gemacht, diese aber durch andere Unternehmenssparten mehr als ausgleichen können, stellte Manfred Kröhl, Leiter der Rübenlogistik bei Südzucker, klar. Mit Spezialitäten, Fruchtzucker und vor allem Bioethanol habe man 2015 gute Ergebnisse eingefahren.

Wir wollen dem langfristigen Trend folgend in Zukunft mehr Zuckerrüben anbauen, um den wachsenden Markt beliefern zu können“, so Kröhl. Dieses Konzept beinhalte die Auslastung aller Südzuckerwerke über eine kontinuierliche Kampagne von 120 Tagen hinweg. Dazu werde den Anbauern ein „All-Inclusive“ Preis angeboten, und zwar für bis zu 140 Prozent des Lieferrechts. In Verbindung mit der Treue- und einer Kontraktprämie will die Südzucker die Anbauer so bei der Stange halten.

„Wir wissen nicht, was 2017 sein wird, aber wir wollen alle Potenziale ausschöpfen und auf alles vorbereitet sein,“ brachte es Dr. Thomas Kirchberg, Vorstandsmitglied der Südzucker AG, auf den Punkt. Um dies zu erreichen, müssten Produktivität und Flächen weiter steigen und das Know-how der Betriebsleiter durch Schulungen immer auf dem neuesten Stand sein. Er verwies diesbezüglich erneut auf den Südzucker Rohstoff-Service (SRS), der den Anbauern online viele zahlreiche Hilfestellungen gebe.

In der Diskussion wurde betont, dass die Regelungen zur Treue- und zur Kontraktprämie durchaus flexibel gehandhabt werden sollen, beispielsweise wenn Betriebe aus Fruchtfolgegründen nicht mehr als die 100 Prozent Lieferrecht anbauen können, oder wenn witterungsbedingt der Kontrakt nicht voll erfüllt werden kann.

Versuchstechniker Harald Bauer stellte die aktuellen Sorten vor.
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Dr. Thomas Kirchberg setzt auf das Know-how der Rübenanbauer.
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Peter Fecke, Südzucker AG, Rübenabteilung Wabern/Warburg, stellte die Zahlen der abgelaufenen Kampagne vor.
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Südzuckergebiet geprägt von der Trockenheit

Wie die Südzucker an den Winterversammlungen mitteilte, führten Trockenheit und Hitze in vielen Regionen der Südzucker-Gruppe zu reduzierten Erträgen von durchschnittlich 69 (Vorjahr: 84) Tonnen je Hektar. Im Westen der Südzucker-Gruppe (Belgien und Frankreich) waren die Zuckererträge dank rechtzeitiger Niederschläge im August noch auf hohem Niveau. In Deutschland, Polen, Österreich und Tschechien lagen die Rübenerträge deutlich unter dem 5-jährigen Durchschnitt. Die Witterung hat den Zuckergehalt positiv beeinflusst, wodurch der Zuckergehalt in der Südzucker-Gruppe mit 17,5 Prozent über dem Vorjahr (16,5 Prozent) lag.

Im Einzugsgebiet der neun deutschen Werke der Südzucker konnte ein Rübenertrag in Höhe von durchschnittlich 68,2 Tonnen je Hektar und einem Zuckergehalt von 18,7 Prozent erzielt werden.

Prognose der Südzucker für 2015/16 unverändert

Für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 wird nach wie vor von einem Konzernumsatz in Höhe von 6,3 bis 6,5 (2014/15: 6,8) Milliarden Euro ausgegangen. Dabei wird ein deutlicher Umsatzrückgang in den Segmenten Zucker und CropEnergies, ein leichter Umsatzanstieg im Segment Spezialitäten sowie ein Umsatz im Segment Frucht mindestens auf Vorjahresniveau erwartet. Das operative Ergebnis wird unverändert in einer Bandbreite von 200 bis 240 (2014/15: 181) Mio. Euro gesehen. Im Segment Zucker wird ein deutlicher Ergebnisrückgang erwartet. In den Segmenten Spezialitäten und CropEnergies wird von einer deutlichen Ergebnisverbesserung ausgegangen. Für das Segment Frucht wird ein Ergebnisrückgang erwartet. Damit ist die Prognose seit der Konkretisierung vom 19. November 2015 weiter unverändert.

KB – LW 5/2016