Kosten senken, Flexibilität erhöhen

Südzucker will durch Kostenführerschaft im Markt bestehen

Die Südzucker AG ist optimistisch, auf einem Markt ohne Quoten erfolgreich bestehen zu können. Der Wettbewerbsdruck, der ab 2017 mit dem Wegfall der EU-Mengenregelung massiv ansteigen wird, erfordert noch mehr Flexibilität und Kostensenkung, insbesondere in der Logistik und beim Transport. Hierfür seien große Anstrengungen nötig, insbesondere in fabrikfernen Anbauregionen wie der Wetterau, wie Dr. Thomas Kirchberg, Südzucker-Vorstand, auf dem Rübentag vergangene Woche in Florstadt deutlich machte. Dorthin waren viele Wetterauer Rübenanbauer gekommen, um zu erfahren, wie es mit ihrer Anbauregion weitergeht.

Das größte Problem für die Anbauregion Wetterau sei der weite Weg der Rüben zu den Zuckerfabriken und die damit verbundenen hohen Transportkosten, sagte Kirchberg. Doch die Wetterau habe auch ihre Vorteile, wie der Südzucker-Vorstand hervorhob: beständig hohe und kontinuierlich steigende Ertragsleistungen, eine gute Infrastruktur sowie eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Akteuren bei Ernte, Transport und Verarbeitung.

Ab 2017 gibt es nur noch einen Süßungsmittelmarkt

Im Jahr 2016 wird das letzte Mal nach den bisherigen Zuckermarktregeln produziert, ab dann sind Rübenmindestpreise und Quoten für Zucker und Isoglukose Vergangenheit. Dann gebe es nur noch einen Markt für Süßungsmittel, so Kirchberg. Er rechnet mit einem Produktionsanstieg bei Isoglukose, die aus Mais oder Weizen hergestellt wird, und damit einen zusätzlichen Druck auf den Rübenzucker. In den USA habe der Süßstoff einen Anteil von 40 Prozent, hierzulande geht Kirchberg von einem Anteil zwischen 20 und 40 Prozent aus.

Chancen und Risiken des offenen Marktes

Der Export von Zucker aus der EU wird künftig frei sein. Hierin sieht Kirchberg Chancen wegen des steigenden Zuckerbedarfs einer wachsenden Weltbevölkerung.

Allerdings sieht es auf dem Weltzuckermarkt derzeit nicht rosig aus, wie der Vorstand schilderte. Die Zuckerpreise notieren dort derzeit mit 297 Euro pro Tonne auf dem niedrigsten Stand seit Jahren. Zugleich gebe es hohe Preisschwankungen. Der Weltmarkt werde darüber hinaus beherrscht von wenigen großen Akteuren, neben Brasilien als größter Erzeuger, Australien, Thailand und Indien. Diese Dominanz sei für einen Markt nicht gesund, so Kirchberg.

Zur gleichen Zeit liegt der Preis in der EU bei knapp 660 Euro. Der Außenschutz gegenüber Nichtpräferenzländern bleibt bestehen mit Zöllen für Weißzucker von 419 Euro pro Tonne. In der EU besteht derzeit bei einer Erzeugung von 18,6 Mio. Tonnen Zucker und Isoglukose und einem Verbrauch von 18,8 Mio. Tonnen eine fast ausgeglichene Bilanz. Durch die Importe von 3 Mio. Tonnen aus den AKP- und LDC (Entwicklungs-) Ländern entsteht jedoch bereits heute ein Überschuss. Kirchberg befürchtet, dass aufgrund der bestehenden und künftigen Freihandelsabkommen mit der Ukraine, den Mercosur-Staaten sowie den USA der Druck auf den EU-Markt noch zusätzlich steigt.

Hoher Kostendruck wird Anbau verlagern

Um dem Druck der Märkte zu begegnen und die Kosten zu senken, müsse dort angebaut werden, wo die Rüben beziehungsweise der Zucker am wirtschaftlichsten zu erzeugen sind. Der Südzucker-Vorstand geht davon aus, dass in den Randlagen und schwächeren Regionen in Europa der Rübenanbau eingeschränkt werden muss. Mit Sorge sieht Kirchberg deshalb die Bestrebung einiger EU-Länder, insbesondere Ungarn, im Rahmen der GAP-Reform den Rübenanbau mit den Prämien zu koppeln. Dies würde zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Darüber wie sich künftig Rübenpreise und die Mengen für den einzelnen Erzeuger gestalten, gibt es laut Kirchberg noch keinen Beschluss im Unternehmen. Allerdings sollen die bisherigen Lieferrechte Basis für neue Kontrakte der Erzeuger mit dem Südzuckerkonzern sein. Vertragspartner sind die bisherigen Rechteinhaber. Die lange Zeit, die zwischen Anbauplanung und der Zuckerherstellung und -vermarktung liegt, macht eine Kalkulation äußerst schwierig. Denn unterdessen können Mengen und Preise auf dem Weltmarkt erheblich schwanken. „Wir werden schwierige Zeiten miteinander haben“, so Kirchberg. „Aber wir haben Optimierungspotenzial.“ Südzucker setze auf Kostenführerschaft und Flexibilität.

Der Vorsitzende des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer, Herwig Marloff, hatte zuvor das vergangene Anbaujahr und die Ernte erläutert. Wegen der um 15 Prozent verminderten Anbaufläche und der unterdurchschnittlichen Ertragserwartungen in anderen Anbauregionen begann die Kampagne im Einzugsbereich der Zuckerfabriken Wabern und Offstein zwei Wochen später. Durch den ergiebigen Regen seien die Erntearbeiten erheblich erschwert worden. Mehrfach habe die Rübenrodung eingestellt und die Abfuhrplanung geändert werden müssen. Dementsprechend groß sei der Druck auf die Maschinenkoordinatoren gewesen, denen Marloff Lob und Dank aussprach. Der Lohn für die Ernteerschwernisse sei eine wiederum sehr gute Rübenernte, so der Vorsitzende: „Wir haben 2013 die drittbeste Ernte in der Wetterau eingefahren.“

Höchster Zuckerertrag im Gebiet der Südzucker

Mit einem Ertrag von fast 77 Tonnen pro Hektar bei 17,7 Prozent Zuckergehalt sei die Wetterau der Anbauverband mit dem höchsten Zuckerertrag je Hektar im Südzuckergebiet. „Die Wetterauer Anbauer haben 2013 gezeigt, dass in unserer Region auch unter schwierigen Witterungsbedingungen nachhaltig hohe Erträge zu erzielen sind. Diese Stärke unseres Anbaugebietes wird auch nach 2016 Gewicht haben“, so Marloff.

Manfred Kröhl, Bereichsleiter Logistik bei der Südzucker AG, gab einen Überblick über das Unternehmen, das seinen Umsatz von insgesamt 7,9 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2012/2013 aus den Geschäftsfeldern Zucker (54 Prozent), Spezialitäten (24 Prozent), Bioethanol (8 Prozent) und aus dem Segment Fruchtzubereitungen (14 Prozent) erzielte. Mit einem operativen Ergebnis von 974 Mio. Euro erreichte das Unternehmen einen Rekord. Für das Geschäftsjahr 2013/2014 rechnet der Konzern mit einem Umatz von 7,6 Mrd. Euro und einem Ergebnis von 650 Mio. Euro. Die Südzucker AG betreibt europaweit derzeit 29 Zuckerfabriken. Sie werden beliefert von rund 42 000 Rübenanbauern, die auf knapp 398 000 Hektar im Schnitt 66 Tonnen Rüben pro Hektar ernten.

Auf dem Bioethanolmarkt habe das Unternehmen seine Stellung mit einer neuen Anlage in Zeitz für Neutralalkohol mit einer Kapazität von 60 000 Kubikmeter sowie mit der Übernahme des britischen Unternehmens Ensus mit einer Kapazität von 400 000 Kubikmeter gestärkt. Das zuvor angeschlagene Unternehmen Ensus werde man „mit unseren Einkaufsmöglichkeiten und unserem Knowhow hinkriegen“, so Kröhl. Die Südzucker AG wolle sich mit der Übernahme einen direkten Zugang zum britischen Bioethanolmarkt verschaffen, der nach Deutschland und Frankreich der drittgrößte in der EU ist. Schwierigkeiten im Bioethanolgeschäft könnten sich aus geplanten EU-Richtlinien ergeben, wonach mindestens die Hälfte der zehnprozentigen Ethanolbeimischung ins Benzin aus Reststoffen stammen solle und somit weniger konventionelles Ethanol beigemischt werden könne. Hinzu kommen die geplanten iLUC-Kriterien (indirekte Landnutzungsänderung durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe).

Peter Fecke, Leiter der Rübenabteilung Wabern/Warburg, beleuchtete die Kampagne, die mit der Ernte der Biorüben anfing. Die 93 Bioanbauer ernteten im Schnitt 44 Tonnen pro Hektar. Um die Zuckerfabriken optimal auszulasten, müssen die Rübenlieferungen auf einen Zielwert kommen. Dementsprechend würden die Lieferströme gegebenenfalls umgeleitet von einer Zuckerfabrik zu anderen, wie Fecke schilderte. In Wabern wurden vergangene Kampagne 497 500 Tonnen verarbeitet, in der Fabrik Warburg 354 600 Tonnen und in Offstein 1 554 200 Tonnen, bei einer Kampagnedauer von 77, 78 beziehungsweise 92 Tagen.

Gute innere Qualität der Rüben

Die innere Qualität mit einem durchschnittlichen Gehalt von rund 35 mmol Kalium, unter 5 mmol Natrium und zwischen 12 und 16 mmol Amino-Stickstoff seien ideal gewesen. Die Wetterau habe im vergangenen Jahr einen Spitzenplatz mit einem bereinigten Zuckerertrag von 12,15 Tonnen pro Hektar belegt.

Einen Ansatzpunkt für eine Effizienzsteigerung sieht Fecke in der Tatsache, dass die Erträge zwischen den einzelnen Standorten der Wetterau und zwischen den Landwirten zum Teil stark auseinanderliegen. In diesem Zusammenhang empfahl er das Internetportal Rübenprofi. Rübenanbauer können dort ihre Anbaudaten wie den Einsatz und die Kosten von Pflanzenschutzmitteln, Düngungs- und Arbeitskosten und so weiter eingeben. Das Progamm ermittelt die Arbeits- und direktkostenfreien Leistungen und stellt ein Ranking zwischen den Betrieben auf. Der Landwirt weiß, wo er steht, und was er gegebenenfalls besser machen kann. Gleichzeitig kann der Landwirt seine Eingaben als Schlagdokumentation nutzen. Diese soll, so Fecke auf Nachfrage, noch für die anderen Kulturen ausgeweitet werden, damit keine Zweitdatei geführt werden muss.

Nach Angaben des Geschäftsführers des Verbandes, Manfred Menz, liegt der Bruttoerlös beim Rübenanbau im Schnitt bei 3 927 Euro pro Hektar. Beim Deckungsbeitrag lag der Rübenanbau im Jahr 2013 mit 2 342 Euro weit vor dem Raps- (877 Euro) und dem Winterweizenanbau (755 Euro). Mit Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung wies Menz auf die Summe von 15 bis 20 Mio. Euro hin, die mit dem Rübengeld jährlich in die Region Wetterau fließe.

CM – LW 6/2014