Mit frühen Weizensorten dem Klimawandel begegnen?

Landessortenversuche Winterweizen – frühes Sortiment

Die letzten beiden Anbaujahre mit außergewöhnlicher Trockenheit und Hitzeperioden haben einen Vorgeschmack auf das gegeben, was künftig im Zuge des Klimawandels zu erwarten ist: ein Temperaturanstieg, der begleitet wird von einer Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter. Frühsommertrockenheiten werden somit wohl häufiger auftreten, ebenso Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hitzewellen.

Frühen Sorten wird für Standorte, die regelmäßig unter Frühsommertrockenheit leiden, oder für Wärmelagen, wo der Weizen beschleunigt abreift, ein gewisser Ertragsvorteil zugesprochen.
Foto: Dr. Herrmann

Um die negativen Auswirkungen solcher Witterungsverhältnisse wie im aktuellen oder vergangenen Jahr abzumildern, stehen Weizenanbauern verschiedene pflanzenbauliche Maßnahmen zur Verfügung, wie der Einsatz bodenwasserschonender Bodenbearbeitungsverfahren, die Anpassung der Aussaatstärke und die Sortenwahl. Auch über die Möglichkeiten von Beregnung wird aktuell in verschiedenen Regionen Hessens diskutiert.

Im Hinblick auf die Sortenwahl wird frühen Sorten ein gewisser Ertragsvorteil zugesprochen für Standorte, die regelmäßig unter Frühsommertrockenheit leiden, oder für Wärmelagen, wo Weizen bedingt durch hohe Temperaturen beschleunigt abreift. Der zugrundeliegende Mechanismus besteht darin, dass frühe Sorten aufgrund ihrer schnelleren Entwicklung die Abreife weitgehend beendet haben, bevor starker Trocken- und/oder Hitzestress einsetzt, während spätere Sorten länger der Stresseinwirkung ausgesetzt sind.

Hitze während der Kornfüllung kostet Ertrag

Bei Weizen, wie auch bei den meisten anderen Kulturen, wirkt Stress am stärksten ertragslimitierend in der Entwicklungsphase, in der die Anzahl Körner und die Tausendkornmasse bestimmt werden. Optimale Temperaturen für die Phase der Kornfüllung sollen zwischen 19,3 und 22,1 °C liegen. Untersuchungen aus Frankreich zufolge führt jeder Tag in der Kornfüllungsphase, an dem die Tageshöchsttemperatur 25 °C überschreitet, zu einer Abnahme der Tausendkornmasse von 0,8 g und zu Kornertragsverlusten von 0,15 t/ha.

Eine frühere Blüte und Reife sind also effektive Mechanismen, um Stresseinwirkung in der Kornfüllungsphase zu vermindern. Die Eigenschaft Frühreife kann aber das Ertragspotenzial von Sorten einschränken, da diesen Sorten auch in normalen Jahren weniger Zeit für die Produktion von Assimilaten und die Kornfüllung zur Verfügung steht. Im Jahr 2017 beispielsweise, das zwar wärmer, aber auch feuchter war als das langjährige Mittel, konnte für frühe Sorten an keinem der hessischen LSV-Standorte ein Ertragsvorteil nachgewiesen werden, tendenziell brachten eher spätere Sorten einen höheren Ertrag. Im vergangenen Jahr, welches durch extreme Frühsommertrockenheit und Hitzestress geprägt war, zeigte sich lediglich am südhessischen LSV-Standort Griesheim ein Vorteil für frühe Sorten.

Im aktuellen Jahr war Wassermangel von Jahresbeginn an vorherrschend, und die Bestände waren auf eine regelmäßige Niederschlagsverteilung angewiesen. Die Hitzeperiode im Juni setzte die Bestände zusätzlich unter starken Stress und verkürzte die Kornfüllungsphase. Für den Standort Griesheim zeigte sich noch deutlicher als im Vorjahr eine Ertragsüberlegenheit von Sorten mit früher Abreife, an den weiteren Standorten war eine Tendenz erkennbar. Darüber hinaus war in Griesheim ein Ertragsvorteil für diejenigen Sorten feststellbar, die eine längere Kornfüllungsdauer aufweisen.

Dr. Antje Herrmann, LLH, Landwirtschaftszentrum Eichhof – LW 38/2019