Ein gutes Jahr für den Winterroggen

LSV-Ergebnisse Winterroggen 2018/2019

Die hessischen Landessortenversuche mit Winterroggen erzielten mit 99,7 dt/ha eine ähnlich gute Leistung wie im letzten Jahr. Die Ergebnisse unterstreichen die Leistungsfähigkeit der aktuellen Sorten und die Anbauwürdigkeit der Kultur. Der Züchtungsfortschritt hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung von Ertrag und weiteren, für den Anbau relevanten Eigenschaften geführt, so dass Roggen mittlerweile auf den besseren Standorten ertraglich auf einem ähnlichen Niveau liegt wie Winterweizen und Triticale.

Am Standort Bad Hersfeld beispielsweise übertraf Winterroggen im aktuellen Jahr die Ertragsleistung des Winterweizen-LSV um zirka 3 dt/ha. Auch in der Praxis dürften die Roggenerträge auf einem erfreulich hohen Niveau liegen. Vorläufigen Schätzungen des Statistischen Landesamtes zufolge wurde in Hessen ein Rekordergebnis von 66,6 dt/ha eingefahren. Dazu dürfte beigetragen haben, dass die Roggenanbaufläche in Hessen im Vergleich zum Vorjahr um 4300 ha auf aktuell 16 658 ha ausgedehnt wurde, da Raps im letzten Herbst aufgrund der Trockenheit vielerorts nicht zur Aussaat kam, und Roggen somit auch auf etwas besseren Böden stand.

Roggen trotzt der Frühsommertrockenheit

Die guten Ertragsergebnisse belegen auch, dass Winterroggen in Jahren mit knapper Wasserversorgung, besonders bei Frühsommertrockenheit, hohe und sichere Erträge bringt. Er ist noch stresstoleranter als Gerste, die aufgrund ihrer frühen Abreife Vorteile besitzt, und beide reagieren weniger sensitiv auf Wassermangel als Triticale und Weizen.

Die Stresstoleranz von Roggen zeigt sich auch daran, dass die Temperatur des Bestandes unter Trockenstress weniger stark ansteigt als bei den anderen Getreidearten. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf das gut ausgebildete, tief reichende Wurzelsystem des Roggens, das die Wasserverdunstung über den Blattapparat lange aufrechterhält und somit den Bestand kühlt. Auch die frühe Bestockung und lange Kornfüllungsphase von Roggen trägt zur Stresstoleranz bei. Angesichts der im Rahmen des Klimawandels vorhergesagten Zunahme der Häufigkeit von Frühsommertrockenheit werden die positiven Eigenschaften des Roggens künftig steigende Bedeutung erlangen.

Dr. Antje Herrmann, LLH, Landwirtschaftszentrum Eichhof  – LW 36/2019