BigData und Bodenhaftung

Gold- und Silbermedaillen auf der Agritechnica

Von den über 320 Neuheitenanmeldungen, die beim Agritechnica-Veranstalter DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in diesem Jahr eingegangen sind, wurden 29 mit dem Innovation Award in Silber und zwei mit Gold ausgezeichnet. 16 Silbermedaillen wurden bereits in der letzten Ausgabe vorgestellt, 13 weitere und die beiden Gold-Gewinner folgen in diesem Heft.

Die Verleihungen der Gold- und Silbermedaillen zur Agritechnica stellen eine gute Orientierung hinsichtlich der Trends im Ackerbau dar. In diesem Jahr schreitet die Digitalisierung weiter voran, aber auch Innovationen auf mechanischer Basis können nach wie vor preiswürdige Verbesserungen bewirken. Die 13 weiteren Silbermedaillen sind:

Bodenschonend dreschen ohne Überbreite

AGCO International GmbH, Halle 20, Stand A26

In Bezug auf ein weiteres Größenwachstum von Mähdreschern der obersten Leistungsklassen zur Leistungs- und Effizienzsteigerung entwickelt sich die zulässige Straßentransportbreite immer mehr zum entscheidend limitierenden Faktor. Dies gilt insbesondere bei der Nutzung von Fahrwerkstechnik mit bodenschonenden großen Aufstandsflächen. Der neu entwickelte Mähdrescher IDEAL von AGCO ist der einzige Oberklasse-Mähdrescher, der bei Nutzung bodenschonender Fahrwerkstechnik die Transportbreite von 3,3 Metern nicht überschreitet. Dies wird durch eine Dreschkanalbreite von 1,4 Metern erzielt. Es werden zwei 4,85 m lange Axialrotoren mit besonders langen Dresch- und Abscheidewegen mit einem Durchmesser von 0,6 m und Motoren mit bis zu 480 Kilowatt Leistung verbaut. Für kleinere Leistungsklassen ist der IDEAL Mähdrescher mit einem Axialrotor verfügbar. Der IDEAL-Mähdrescher von AGCO ist seit Jahren der erste neu konstruierte Mähdrescher mit besonderen technischen Merkmalen. Weitere besondere, auszeichnungswürdige Merkmale des IDEAL Mähdreschers sind die vollautomatische Koppelung der Erntevorsätze mit Erkennung, um die letzten Einstellungen des Vorsatzes zu laden. Seitenhangneigungen bis zu 15 Prozent werden durch neuartige, segmentierte Vorbereitungs- und Rücklaufböden kompensiert. Eine neue Sensorik zur Erkennung der Abscheideverläufe an Dresch- und Trennkörben sowie Reinigung ist die Basis für eine automatische Maschineneinstellung.

Vorgewende-Management für den Rübenroder

Holmer Maschinenbau, Halle 24, Stand A24 gemeinsam mit Reichhardt Steuerungstechnik, Halle 15, Stand F45

An Traktoren bieten Vorgewende-Managementsysteme die Möglichkeit, wiederkehrende Vorgänge aufzuzeichnen und als automatisierte Folge auf Knopfdruck oder ortsbezogen, GNSS-basiert (Globales Navigationssatellitensystem) ablaufen zu lassen. Gemeinsam mit der Firma Reichardt hat Holmer nun eine integrierte Software-Lösung für den vollautomatischen Wendevorgang eines Rübenroders am Vorgewende entwickelt. SmartTurn führt sowohl das Ausheben und Einsetzen des Rode-Aggregats als auch die nötigen Lenkmanöver aus. Hierzu wurde das vorhandene mechanische Reihenlenksystem mit Vorgewende-Management von Holmer exxact mit der GNSS-gesteuerten Version von Reichardt kombiniert und erstmals auf einen selbstfahrenden Köpfrodebunker – hier den Holmer Terra Dos T4 – angepasst. Das innovative System optimiert somit Wendevorgänge im Vorgewende und letztendlich die Beet-Einteilung eines zu rodenden Schlages. Dadurch werden Fahrstrecken auf der Erntefläche minimiert, was schließlich Bodendruck, Ernteverluste, Nebenzeiten und Kosten reduziert. Das Wesentliche liegt aber in der Fahrerentlastung – und das nicht nur bei der Nachtarbeit.

Leistungsverdoppelung für Kartoffelroder

Grimme Landmaschinenfabrik Halle 25, Stand F13

Wie in anderen landwirtschaftlichen Bereichen auch, ist es bei leistungsfähigen Kartoffelrodern die schiere Größe, die weiteren Leistungs- und Effizienzsteigerungen Grenzen setzt. Insbesondere die Breite von 3,5 m ist hier ausschlaggebend. Grimme hat beim Kartoffelroder Ventor 4150 erstmals das äußerst knollenschonende und sehr leistungsstarke Schrägelevator-Erd- und -krauttrennsystem in eine vierreihige, selbstfahrende Kartoffelerntemaschine unter Einhaltung einer Transportbreite von 3,5 m integriert. In den beiden je zwei Reihen aufnehmenden Siebkanälen schließt sich an die aus zwei getrennten Gurten bestehende erste Siebkette eine durchgehende, steil ansteigende zweite Siebkette, die von einer weitmaschigen Krautkette mit Mitnehmern umschlungen wird, an. Der geteilte Gutstrom wird dann am Ende rechts beziehungsweise links aus dem jeweiligen Siebkanal geführt und an die beidseitig folgende Beimengungstrenneinrichtung übergeben, deren Dimensionierung und stufenlose Verstellbarkeit einen leistungsorientierten Durchsatz bei hoher Produktschonung sicherstellen. Durch den zum Patent angemeldeten Klappmechanismus können die beiden Beimengungstrenneinrichtungen so in die Maschine eingeschwenkt werden, dass die Transportbreite des Roders 3,5 m nicht übersteigt.

Versteckte Wildtiere vor dem Mähtod bewahren

Pöttinger Landtechnik GmbH, Halle 27, Stand C39

Mit Beginn der Mähsaison leben Rehkitze und andere Wildtiere besonders gefährlich, denn die Erntezeit des ersten Grasaufwuchses ist in den meisten Regionen auch die Setzzeit des Reh- und Niederwildes. Alle bisher entwickelten Hilfsmittel und Techniken blieben bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Mit dem direkt am Mähwerk installierten Sensorbalken Sensosafe können versteckte Wildtiere nun über optische Infrarotsensoren mit integrierter LED-Beleuchtung während des Mähens erkannt und somit vor dem Mähtod bewahrt werden. Sobald die Infrarotsensoren ein verstecktes Tier erkennen, wird ein Signal an die Mähwerkshydraulik gesendet und das Mähwerk automatisch ausgehoben. Das entdeckte Wildtier bleibt ohne Schaden, und auch das zu erntende Futter ist nicht verschmutzt. Durch die eigens für diese Anwendung entwickelten Infrarotsensoren detektiert das System versteckte Rehkitze auch bei vollem Tageslicht und hoher Sonneneinstrahlung optimal, während andere Hindernisse, wie beispielsweise Maulwurfshügel, unterschieden werden.

Luftkissen zur vollständigen Siloentleerung

GSI Hungary Kft, Halle 20, Stand A26j, und Halle 6, Stand E33

Getreidesilos mit flachem Boden enthalten bei gleicher Höhe gegenüber Silos mit Auslauftrichter mehr Lagerkapazität. Nachteil bei der Entleerung sind die Restmengen, die trotz Austragstechnik keil- oder trichterförmig im Silo verbleiben. Zur restlosen Entleerung werden deshalb häufig zusätzliche Austragsschnecken eingebracht, wobei auch dort Restmengen von Hand an die Schnecken herangebracht werden müssen. Das bedeutet staubige, körperlich schwere und zeitintensive Handarbeit, die zudem durch gleichzeitig laufende Schnecken unfallträchtig ist. Das Flexwave Grain Silo Unloading System besteht aus zwei Luftkissen, die zunächst leer beidseitig der Austragstechnik in das Silo eingebaut werden. Sie bedecken den Boden und die Wand bis zur Höhe des Kegels, der sich bei der Entleerung typischerweise einstellt. Nach dem Befüllen mit Getreide liegen die Luftkissen flach auf dem Boden beziehungsweise an der Wand an. Bei der Entleerung des Silos rieselt das Getreide anfangs per Schwerkraft in die Austragstechnik. Sobald das Getreide nicht mehr selbst nachströmt, wird das erste Luftkissen gezielt mit Luft gefüllt. Dadurch drückt es den Getreidekegel nach und nach von der Wand zur Silomitte. Nachdem die erste Seite restlos entleert ist, beginnt auf der zweiten Seite der gleiche Prozess. Zuvor wird aus dem ersten Luftkissen die Luft abgelassen. Die luftleeren Kissen werden durch beschwerte Zugbänder wieder in die Ausgangsposition gezogen. Der Entleerungsprozess wird von außen automatisch überwacht. So kann das Silo ohne zusätzliche Handarbeit, und ohne dass Personen das Getreidesilo zum Entleeren betreten müssen, wieder befüllt werden. Das Flexwave Grain Silo Unloading System bietet somit eine sehr einfache Lösung an, die auch in bereits vorhandene runde Getreidesilos ohne Auslauftrichter eingebaut werden kann. Diese können trotz flachem Boden anschließend ohne zeitintensive und gefährliche Handarbeit komplett entleert werden.

Maisbestand besser überblicken

Maschinenfabrik Bernard Krone Halle 27, Stand G21

Da die modernen Maissorten immer ertragreicher werden, sind inzwischen deutlich größere Wuchshöhen von 4 m und mehr durchaus an der Tagesordnung. Der Fahrer des Häckslers ist dann täglich mit einer hohen beweglichen „Maiswand“ konfrontiert. Bei der Krone LiftCab wird die Kabine auf Knopfdruck um 70 cm angehoben, so kann der Fahrer diese anstrengenden Einsatzzeiten entschärfen und zudem einen komfortablen Überblick über Bestand und Abfuhrgespanne erreichen. Der sich ergebende Zwischenraum unter der Kabine lässt außerdem viel Platz für Service- und Wartungsarbeiten. Beim Feldhäcksler ist ein solcher Kabinenlift bislang einzigartig am Markt. Für den Fahrer bedeutet es eine deutliche Entlastung, wenn er nicht mehr den ganzen Tag gegen eine sich im gesamten Sichtfeld kontinuierlich bewegende „Maiswand“ fahren muss. Hinzu kommt ein Sicherheitsvorteil durch die Möglichkeit, Gefahren frühzeitig erkennen zu können.

LW – LW 45/2017