Dominikanerinnen bieten Wohlfühlprogramm

Im Klosterurlaub ist Zeit fürs Ich

Einmal wieder tief durchatmen und sich entspannen. Zur Ruhe kommen und sich besinnen. Neue Kraft schöpfen für den Alltag. Warum nicht in einem Kloster? Viele Ordensgemeinschaften haben sich mittlerweile auf die Aufnahme von Gästen eingestellt. LW-Autorin Silke Bromm-Krieger stellt beispielhaft das Kloster Arenberg in Koblenz vor. Das Mutterhaus der Arenberger Dominikanerinnen steht seit 2003 allen Erholungssuchenden offen.

Kloster Arenberg liegt wie ein Lehnstuhl in der Sonne, an den westlichen Ausläufern des Westerwaldes hoch oben auf einem Berg. Nur fröhliches Vogelgezwitscher ist dort zu hören, ansonsten herrscht friedliche Stille.

Der Empfang im Kloster ist stets herzlich. Jeder Gast soll sich von Anfang an wie zu Hause fühlen und erhält beim Einchecken einen „Stundenplan“. Auf ihm sind die Veranstaltungen des Hauses vermerkt. „Alles kann, nichts muss. Unsere Gäste können den Tag völlig frei gestalten, so wie es ihnen gut tut“, betont Schwester M. Gertrud und setzt hinzu: „Wir sehen unser Selbstverständnis darin, jeden Menschen in seiner Persönlichkeit anzunehmen. Jeder Gast, gleich welchen Glaubens und welcher Lebenssituation, soll sich angenommen und aufgehoben wissen.“

Drei Mal am Tag treffen sich die Bewohner des Gästehauses im Speiseraum zum Frühstücks-, Mittags- oder Abendbüfett. In einem zweiten Speiseraum können diejenigen Platznehmen, die ihre Mahlzeiten schweigend einnehmen möchten.

Überwiegend Frauen mittleren Alters fühlen sich von dem Angebot des Klosters angesprochen. Doch auch Ehepaare oder kleinere Gruppen schätzen die besondere spirituelle Atmosphäre. Viele der Gäste kommen für eine Kloster-Auszeit ganz bewusst ohne Begleitung. Manche bewegen wichtige Le­bensfragen und sie hoffen, in der Abgeschiedenheit des Klosters eine angemessene Antwort zu finden.

So, wie Marianne S., die aus dem Ruhrgebiet angereist ist. „Mein Mann ist vor Kurzem gestorben. Ich trage schwer daran und hoffe, durch den Aufenthalt seelisch wieder in“ s Gleichgewicht zu kommen“, gesteht die 75-Jährige.

Eine Pastoralreferentin, die in einer Pfarrei in Franken arbeitet, ist schon zum zweiten Mal für Exerzitien da. „Ich habe in meinem Beruf sehr viel mit Menschen zu tun, hier kann ich neue Kraft und Ruhe tanken.“

Im Klosterpark zur Ruhe kommen

Ihre freie Zeit verbringen die Hausgäste gerne im idyllischen Klosterpark. Er wird von drei Gärtnern in Ordnung gehalten. Der weitläufige Kräutergarten ist jedoch das Reich von Schwester M. Josefa. Hier befinden sich ein Apothekergarten, ein Duft- und Aromagarten, eine Kräuterspirale und ein Teegarten. Wer Freude daran hat, darf bei den unterschiedlichsten Arbeiten gerne stundenweise mithelfen.

Schwester M. Josefa verarbeitet die Ernte des Kräutergartens beispielsweise zu Tee, Duftsäckchen, Heilsalbe oder Kräuteröl. Die Produkte werden später im Klosterladen zum Verkauf angeboten.

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Der Klosterpark mit einem Feuchtbiotop, einem Pavillon und Wildblumen- und Streuobstwiesen erstreckt sich über viele Hek­tar. Überall laden Bänke, Liegestüh­le und Sitzecken zum Innehalten und Verweilen ein. Eine Herde Schafe hält den Rasen kurz. Jeden Morgen ab sieben Uhr bietet eine Ordensfrau auf der Wiese vor dem Kloster Tautreten mit Walking an. Anschließend findet in der schlichten Kapelle im siebten Stock des Klostergebäudes der tägliche „Morgenimpuls“ statt. Elke Lackmann, Diplom-Sozialpädagogin und Therapeutin, stimmt die Anwesenden mit biblischen Heilsgeschichten und gemeinsamen Gesang und Gebet auf den Tag ein. Zum „Impuls in die Nacht“ begleitet meist Schwester M. Andrea die Gäste in die Kapelle.

Mit den Ordnensfrauen zum Gebet

Wer mit den Ordensfrauen in ihrer Mutterhauskirche die Laudes, die Eucharistiefeier, die Mittagshore, den Rosenkranz oder die Vesper erleben möchte, ist hier­zu ebenfalls herzlich eingela­den. Die zehn Schwes­tern des Klosters, die noch aktiv in den Gäs­­tebetrieb eingebunden sind, unterbrechen regelmä­ßig ihre Arbeit, um zu beten und zu singen. Insgesamt leben im Arenberger Mut­ter­haus der Dominikanerinnen 62 Ordensfrau­en. Ihr Durchschnittalter beträgt 74 Jahre. Jeden Morgen dreht Schwester M. Annuntiata ihre Runde durch den Speiseraum. „Geht es Ihnen gut? Haben Sie noch einen Wunsch?“, erkundigt sie sich bei jedem Gast und setzt sich eine Weile dazu. Für alle scheint sie die richtigen Worte zu finden, ob Zuspruch, Ermunterung oder Trost. Jederzeit stehen auch Seelsorger für Beratung und Begegnung zur Verfügung.

Allen Gästen, die mehr über die Motivation einer Frau, ins Kloster zu gehen, erfahren wollen, wird der wöchentliche Vortrag „Feuer und Flamme – Gottsucherinnen suchen Gott“ von Schwester M. Jo­sefa empfohlen. In ihrem weißen, frisch gestärkten Habit und modi­scher roter Brille steht sie am Laptop und hält lebendig ihren Powerpoint-Vortrag. Der technische Fortschritt hat auch im Kloster Einzug gehalten. „Hauptberuflich bin ich Ordensfrau“, sagt die gelernte Erzieherin und Gesundheitspädagogin selbstbewusst und berichtet, wie das war, als sie vor 29 Jahren, gerade einmal 22 Jahre alt, Ordensschwester werden wollte. „Kommt nicht in Frage“, habe die Mutter gesagt. „Du bist alt genug, um zu wissen, was du tust“, der Vater. „Mittlerweile hat sich meine Mutter aber mit meiner Entscheidung, ins Kloster zu gehen, versöhnt“, so die Schwester.

Entspannen im Vitalzentrum

Auch für ihre körperliche Gesundheit können die Gäste im Kloster Arenberg eine Menge tun. Im angeschlossenen Vitalzentrum, das von Schwester M. Andrea geleitet wird, ist es möglich auf Rezept seines Hausarztes Krankengymnastik oder Fangopackungen zu nehmen.

Aromaöl-Massagen, Kneippsche Anwendungen und die Teilnahme an Gymnastikgruppen sind gegen Entgelt zu buchen. Im haus­eigenen Schwimmbad wird Wassergymnastik angeboten. Sauna, Solarium und ein Raum für Gerätetraining runden das Angebot ab. Bei Bedarf steht ein Arzt zur Verfügung. Ein Notrufschalter am Bett gibt älteren oder behinderten Gästen Sicherheit.

Im Vitalzentrum wird, wie im gesamten Kloster, mit viel Gespür auf die Gäste eingegangen. Auch hier kommt niemals Hektik auf. Physiotherapeutin Rosalinde S. erzählt, dass sie schon 22 Jahre im Kloster tätig ist, bis 2001 im angeschlossenen Kneipp-Sanatorium. Als Sanierungen am Gebäude anstanden, schloss man das Sanato­rium. Die Ordensfrauen eröffneten 2003 nach Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen ein neues behindertengerechtes Gästehaus mit einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept unter dem Motto: erholen – begegnen – heilen.

„Die Achtsamkeit, die Spiritualität und die stille Heiterkeit der Ordensfrauen und „weltlichen“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich tief beeindruckt. Ich habe hier im Kloster gelernt, langsamer zu werden, einfach mal einen Gang runterzuschalten. Und es geht mir gut dabei! Ich komme auf jeden Fall wieder“, resümiert ein zufriedener Gast.

Kloster Arenberg in Koblenz

Neben Einzelpersonen und Paaren sind auch Gruppen bis zu 20 Personen im Gäs­tehaus willkommen. Es stehen drei Tagungsräume für acht bis zehn Personen und ein Tagungsraum mit 20 Plätzen zur Verfügung. Ganzjährig werden Seminare und Kurse zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Für Familien mit kleinen Kindern ist der Aufenthalt weniger zu empfehlen, weil im Innengebäude und Außengelände Ruhe und Stille erwünscht sind. Kontakt: Kloster Arenberg, Cherubine-Willimann-Weg 1, 56077 Kob­lenz, 0261/6401/0, In­ter­net: www.kloster-arenberg.de, E-Mail: info@kloster-aren berg.de. sbk

 

Auszeit im Kloster

In vielen Klöstern sind Gäste mittlerweile willkommen. Adressen unter www.orden.de/klosteraz/index.php. Unter info@orden.de kann die Broschüre „Atem holen – Stille, Nachdenken, Gemeinschaft im Kloster“ angefordert werden. In dem Heft findet sich eine Auswahl von klösterlichen Niederlassungen zahlreicher Männer- und Frauenorden, die Urlauber für Einkehrzeiten aufnehmen. Unter www.kloster-aktuell.de gibt es weitere Hinweise und Lese-Links. Einen Buchtipp „Klosterführer“ finden Sie hier auf der LW-Homepage. sbk