Käferholz dominiert weiterhin den Holzmarkt

Heimische Sägewerke bunkern Fichten

Im Rahmen des Waldgipfels vor einigen Wochen wurde von 105 Mio. Festmetern Käferholz in Deutschland gesprochen. Da auch die benachbarten Länder von Trockenheit und Borkenkäferbefall betroffen sind, fließen die Übermengen nur in weit entfernte Regionen ab. Dazu zählen China und Korea. Containerweise werden so 11,5 m lange Stammabschnitte per Schiff in das Reich der Mitte transportiert. Schätzungen zufolge verteilt sich der Absatz je zur Hälfte auf die heimischen Sägewerke und die Asiaten.

Fichtenholz ohne Ende – bis in zwei Wochen rechnen die Waldschutzexperten mit kühleren Temperaturen und damit mit einem Ende der Borkenkäferaktivitäten für dieses Jahr.
Foto: Setzepfand

Im Gespräch mit Benjamin Krug, Holzmarktexperte von HessenForst zeigte sich, dass einzig das Chinageschäft für Bewegung am Holzmarkt sorge. Die Preise liegen derzeit bei 55 Euro/fm für frisches Käferholz und bei 35 Euro/fm für älteres und trockeneres Käferholz, das dann D-Qualität aufweist. Oft sind die Lagerbestände der heimischen Sägewerke ausgereizt, sodass das Holz an der Waldstraße liegen bleibt.

Nun erst mal für die Abfuhr des Käferholzes sorgen

Um nicht noch mehr liegendes Holz zu produzieren, hat HessenForst kürzlich beschlossen, die Käferholzaufarbeitung ab der 42. Woche zu stoppen. Man rechne damit, dass die Borkenkäferentwicklung der zweiten Generation in Anbetracht der Witterung abbreche und sich in die Bodenstreu zurückziehe. Im kommenden Jahr werde man sich dann weiter der Aufarbeitung des Käferholzes widmen. Im Sog der Fichte kam der Markt für Kiefern in Hessen zum Erliegen. Während in Südhessen im Ried die Kiefern aufgrund der Trockenheit und des niedrigen Grundwasserniveaus durch Diplodia absterben, werden im Rest des Landes keine Kiefern aufgearbeitet, da diese durch günstige Käferfichten ersetzt werden, die Preise lehnen sich an die Fichten an. Einzig Douglasie und Lärche werden laut Krug weiterhin in kleinem Rahmen aufgearbeitet. Beide Baumarten weisen kaum Schäden durch Trockenheit oder Borkenkäfer auf. Sie werden gesucht und es werden gute Preise bezahlt: Bei Douglasie 2b 100 Euro/fm und bei Lärche 2b noch 90 bis 92 Euro/fm.

Seit das Buchensterben akut ist, werden bei HessenForst neben dem Käferholz noch geschädigte Buchen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht eingeschlagen. Mehr Einschlagkapazitäten stehen nicht zur Verfügung. Doch wenn Waldbesitzer gesunde erntereife Buchen schlagen wollen, der Markt nimmt diese gerne auf.

Versuche laufen, geschädigte Buchen als Zellstoff zu nutzen

In den Export gelangen derzeit kaum Buchen, da die Container mit Käferfichten geflutet werden. Denn während vom Käfer befallene Fichten immer noch als Bauholz in China verwendet werden können, ist diese Möglichkeit bei den von Pilzen geschädigten Buchen nicht mehr der Fall. Oft seien 80 Prozent der geschädigten Buchenstämme nicht mehr zu verwenden.

Derzeit laufen Versuche mit der Zellstoffindustrie, in denen untersucht werde, ob eine Verwendung der geschädigten Buchen in der Papierproduktion noch möglich ist. Als schwierig erweisen sich bereits die technischen Voraussetzungen.

Denn bisher wurde vor allem Buche aus Durchforstungen für die Zellstoffproduktion verwendet. Mit den geschädigten Buchen, oft in Dimensionen über der Stärkeklasse 3 sind die vorhandenen Maschinen überfordert. Die Preise für Buche B-Qualität in den Stärkeklassen 4, 5 und 6 liegen bei rund 120 Euro/fm. C-Qualitäten der Stärkeklassen 4, 5 und 6 liegen zwischen 70 bis 80 Euro/fm.

Douglasie und Eiche – Lichtblicke am Holzmarkt

Käferholzaufarbeitung

Tödliche Unfälle im Forst erschreckend hoch

Der Vorstand der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) forderte anlässlich des Nationalen Waldgipfels am 25. September in Berlin mehr Unterstützung für die Arbeitssicherheit.

Aufarbeitung geschädigter Bäume besonders gefährlich

Besorgt äußerte sich der Vorstand in seiner letzten Sitzung über die erschreckende Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle im Privat- und Kommunalforst. „In den ersten acht Monaten des Jahres 2019 hatten wir mehr Tote bei der Waldarbeit zu verzeichnen als im gesamten Jahr 2018. 25 tödliche Unfälle sind die Spitze einer alarmierenden Entwicklung, der wir im Hinblick auf die drastischen Klimaschäden im Wald ausgesetzt sind und die wir nur gemeinsam mit der Politik und den Forstverwaltungen in den Griff bekommen können“, so SVLFG-Vorstandsvorsitzender Martin Empl.

In einem Schreiben an Bundesministerin Julia Klöckner und ihre Amtskollegen in den Ländern forderte die SVLFG dazu auf, beim Waldgipfel auch die Arbeitssicherheit als wichtiges Ziel in den Blick zu nehmen, wenn es um die Maßnahmen zur Beseitigung der Klimafolgen geht.

Zeitnot und wirtschaftlicher Druck wirken sich negativ auf die Arbeitssicherheit aus und gefährden täglich Leben und Gesundheit von Menschen. Trockenheit und Schädlingsbefall führen zu anderen Herausforderungen und Gefährdungen beim Fällen der Bäume. Hier sind besondere Vorsicht und sichere Arbeitsverfahren notwendig, die das Abbrechen von Ästen oder das Aufplatzen der geschädigten Bäume beim Fällen vermeiden.

„Insbesondere müssen die Schulungskonzepte weiterentwickelt werden. Mobile Waldbauernschulen haben vor allem im Saarland und in Hessen bewiesen, dass sie effizient dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Dazu braucht es die politische und finanzielle Unterstützung in den Bundesländern. Die SVLFG ist bereit, ihre Erfahrung und Unterstützung einzubringen“, so Empl.

svlfg

Neben Douglasie ist auch die Eiche weiterhin ein Lichtblick am Holzmarkt. Sie läuft gut als Stammholz, ist sehr gefragt und immer noch „in“. Wann dieser Trend ein Ende nimmt, wagt keiner zu beantworten. Denn alle Waldbesitzer sind froh, dass es noch Hölzer gibt, die Geld in die Kassen bringen mit Preisen von 400 bis 600 Euro/fm für Eichenstammholz, B-Qualität in den Stärkeklassen 4, 5, und 6. C-Qualität der gleichen Stärkeklassen bringe derzeit 180 bis 240 Euro/fm und D-Qualitäten liegen bei 90 bis 102 Euro/fm. Bei HessenForst wurde dennoch derzeit wenig Eiche eingemacht. Auch andere Laubhölzer, darunter die Esche, laufen gut am Markt. Den phytosanitären Hieben in der Buche werde man sich nun bei HessenForst widmen. Dabei wird weiteres Industrieholz anfallen, das derzeit für 45 bis 47 Euro/fm für Buche verkauft wird. Das Nadelindustrieholz geht zwischen 12 und 15 Euro/Rm an die Kundschaft.

Klaus Dunkel, Abteilungsleiter Produktion und Vertrieb bei Landesforsten Rheinland-Pfalz verdeutlichte, dass die Waldschäden durch Trockenheit und Borkenkäferbefall in Rheinland-Pfalz weit weniger stark ausgeprägt sind als in Hessen. Beim Borkenkäferbefall sind die rechtrheinischen Landesteile deutlich stärker betroffen als die linksrheinischen. Spürbare Trocknisschäden bei Kiefer und Buche gibt es nur in den Forstämtern Pfälzer Rheinauen, Donnersberg und Koblenz. Fichtenfrischholz werde keines geschlagen, es würde 63 Euro/fm kosten, was den Sägewerken unter den momentanen Bedingungen zu teuer ist. Für Käferholz gemischter Qualität werden 43 bis 48 Euro/fm bezahlt. Hier wurden Abschlüsse in nennenswerten Mengen getätigt. Den gleichen Preis zahlen auch die Chinesen für das Käferholz. Dunkel sprach von einer leichten Entspannung durch das Chinageschäft, da die Abschlüsse diese Woche besser ausfielen als vor zwei Wochen. Doch noch seien nicht alle Abschlüsse in trockenen Tüchern.

Im Gegensatz zu Hessen, gibt es in Rheinland-Pfalz einen kleinen Markt für Kiefern. Wenn Waldbesitzer Kiefernstammholz von guter Qualität haben, am besten der Stärkeklasse 4, dann seien Preise von 91 bis 94 Euro/fm mit einseitigen Beulen oder von 115 bis 118 Euro/fm ganz ohne Beulen möglich, so Dunkel. Der Einschlag kann nur auf vorhandene Lieferkontingente erfolgen, um nicht zu viel Menge zu liefern, denn es sei eine Nische, dieser Kiefernmarkt. Die reguläre Winterkiefer bringe Preise von knapp 60 Euro/fm in BC-Qualität, werde aber auch in Rheinland-Pfalz überwiegend durch die Käferfichten ersetzt.

Lärchen werden am Holzmarkt in geringen Mengen gehandelt, stellte Dunkel fest. Sie wurden in Rheinland-Pfalz zu einem sehr geringen Prozentsatz vom Borkenkäfer befallen. Der Hauptgrund für diese Feststellung liege in der zerstreuten Bereitstellung. „Immer wieder taucht ein Lärchenstamm auf zwischen Fichten oder Kiefern. Doch zur Verarbeitung müssen die Sägewerke ihre Maschinen umstellen. Sie hätten am liebsten eine Woche nur Lärche, um diese dann aufzuarbeiten und nicht jede Fuhre zwei Stämme davon“, erklärt Dunkel. Wer Lärche im Paket anbieten kann, gewinne Freunde, meint Dunkel. Die Preise für frische Lärche 2b liegen bei 88 bis 89 Euro/fm BC-Qualität.

Ganz unbeirrt des übrigen Nadelholzmarktes hat die Douglasie ihren Preis für 2b von 100 bis 104 Euro/fm BC-Mischqualität behalten. Man sei in einem nicht unerheblichen Lieferrückstand bei der Douglasie, den Landesforsten Rheinland-Pfalz bis Jahresende abbauen möchte.

Dies gilt auch für den Laubholzmarkt, der in Rheinland-Pfalz aufgrund der Aufarbeitung der Käferfichten ins Schattendasein geriet. Bei den Buchen in Rheinland-Pfalz zeigen sich nur geringe Trockenschäden. Aufgearbeitet werde bei Landesforsten RLP, was die Verkehrssicherungspflicht verlangt.

Frische gesunde Buche ist gefragt

Man habe sich vorgenommen, den größten Teil der frischen Bucheneinschläge bis Ende des Jahres durchzuführen. Das sei auf Wunsch der Kunden erfolgt, mit denen die Verträge bereits abgeschlossen sind. Folgende Preise konnten für das Inland vereinbart werden: B-Qualität: Stärkeklasse 4, das bedeutet BHD von 40 bis 49 cm erzielt Preise von 115 bis 123 Euro/fm, Stkl. 5 erzielt 130 bis 139 Euro/fm und Stkl. 6 erzielt 135 bis 145 Euro/fm. In C-Qualität ergeben sich für die Stkl. 4 Preise von 74 bis 83 Euro/fm, in Stkl. 5 von 78 bis 87 Euro/fm und in Stkl. 6 von 82 bis 90 Euro/fm. Bei CD-Mischqualität wurden überwiegend die Preise des vergangenen Jahres fortgeschrieben 3b für 58 Euro/fm, Stkl. 4 für 64 Euro/fm, Stkl. 5 für 66 Euro/fm und Stkl. 6 für 68 Euro/fm. Die Exportpreise für BC-Qualität mit weißem Holz ohne Kerne liegt bei 3b bei 70 bis 75 Euro/fm, in der Stkl. 4 bei 100 bis 105 Euro/fm , in der Stkl. 5 bei 104 bis 110 Euro/fm und in der Stkl. 6 bei 106 bis 115 Euro/fm. Für die aktuellen Eichenpreise ist es noch zu früh, bemerkt Dunkel. Doch man könne davon ausgehen, dass die schwächeren Dimensionen unter Druck geraten, während die starken Dimensionen sehr gefragt sind. Das liege daran, dass die Parketthersteller schwächeln.

In beiden Bundesländern werde versucht Fichtenabschnitte auch in den Brennholzmarkt zu lotsen. HessenForst hat eine Aktion gestartet 20 Euro/fm für Fichtenbrennholz. Leider komme das Angebot nicht bei den Verbrauchern an.

Fichte als Brennholz leider nicht gefragt

„In Hessen brennt nur Buche“, gab Krug zu verstehen. Dass Österreich und Bayern mit Fichte heizen, beindrucke nicht. Bei Buchenbrennholzpreisen von 60 bis 65 Euro/fm sei dies selbst unter Berücksichtigung des Brennwertes nicht nachvollziehbar. In Rheinland-Pfalz hat man keine neuen Abschlüsse für Industrieholz getätigt, sondern den Forstämtern freie Hand zum Verkauf an Brennholzkunden gegeben, um noch vorrätige Polder aus dem Wald zu schaffen. Teils werde das Holz für 10 Euro/Rm abgegeben.

zep – LW 42/2019