Landwirtschaft und Landleben

Dreitägiges Erntefest in Frankfurt am Main

Ziel des dreitägigen Erntefestes des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins (FLV) mitten in Frankfurt am Main sei es, der städtischen Bevölkerung die Landwirtschaft und das Landleben nahezubringen. Dies sagte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch bei der Eröffnung des Erntefestes, das in der vergangenen Woche stattfand.

Nach der Eröffnungsveranstaltung führte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch (3.v.l.) die Ehrengäste über das Erntefestgelände. Am Stande der Landesvereinigung Milch stärkten sie sich ihm mit einem Glas Milch (v.l.) HBV-Vizepräsident Armin Müller, Milchkönigin Svenja I., Rapsblütenkönigin Nadine I., FLV-Ehrenvorsitzender Karl Heinz Bär, der Vorsitzende des RBV Wetterau-Frankfurt am Main, Herwig Marloff, und (vorn r.) die stellvertretende Landjugendvorsitzende Lisa Kamm.

Foto: Jörg Rühlemann

Die landwirtschaftliche Atmosphäre auf dem Erntefest fördere den Dialog und damit das Verständnis zwischen der städtischen Bevölkerung und den Erzeugern und Verarbeitern landwirtschaftlicher Produkte, sagte Gritsch bei der Eröffnung. Lebensmittel seien heute anonyme Produkte, die im Supermarkt gekauft würden, ohne jeglichen Bezug zu ihrer landwirtschaftlichen Herkunft. Kaum jemand wisse heute noch, wie sie produziert werden und wie Nutztiere gehalten werden. Umso wichtiger sei eine Veranstaltung wie das Erntefest, bei dem die neue „Lust aufs Land“ mitten in der Stadt erlebbar werde. Den Besuchern sei so eine Entdeckung rund um die heimische Landwirtschaft und die Vielfalt kulinarischer Spezialitäten aus der Region möglich. Historische und besonders auch moderne landwirtschaftliche Arbeitsabläufe und Arbeitsgeräte würden ebenso anschaulich präsentiert wie die Veredelung landwirtschaftlicher Produkte.

Das Erntefest sei mehr als ein herkömmlicher Bauernmarkt, so Gritsch. Das Thema „Landwirtschaft“ werde hier durch zahlreiche Probierstände, Vorführungen und ein Infoprogramm und nicht zuletzt durch etliche Tierausstellungen näher gebracht.

Verbände aus dem Bereich Landwirtschaft informieren

Auf dem Roßmarkt informierten Verbände aus dem Bereich Landwirtschaft über ihre Arbeit: Hessischer Bauernverband, Landesvereinigung Milch, Amt für den ländlichen Raum Bad Homburg, Landfrauenverband Hessen, AG Urlaub auf dem Land, die Vereinigung hessischer Jagdverbände, der Regionalpark Rhein-Main sowie die hessischen Waldbesitzer waren mit Informationsständen vertreten. Am Stand des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins war es möglich, sich durch Fachleute in pflanzenbaulichen Fragen und über gartenbauliche Probleme beraten zu lassen. Außerdem werde das Projekt Lernbauernhof Rhein-Main vorgestellt. „Besonders die Kontaktpflege zu Jugendlichen und Kindern liegt uns am Herzen. Wir wollen mit dem Erntefest das Interesse zur Natur und zur Landwirtschaft wecken“, sagte Gritsch. Aus diesem Grund wurden wieder über 450 Schulen und Kindergärten aus Frankfurt eingeladen. Für die rund 4 000 Kinder wurde eine ganze Reihe von Aktionen angeboten. Für die jungen Besucher wurden wieder zusammen mit den Landfrauen Frühstücksbeutel mit Schulmilchtüten, Joghurt, Regionalmarkenbrötchen und Taunusäpfeln gepackt.

Dialog mit der städtischen Bevölkerung suchen

Bei der Eröffnungsveranstaltung begrüßte der FLV-Vorsitzende HBV-Vizepräsident Armin Müller, die Präsidentin des Hessischen Landfrauenverbandes, Hildegard Schuster, die stellvertretende Vorsitzende der Hessischen Landjugend, Lisa Kamm, die Hessische Milchkönigin, Svenja I.,und die Hessische Rapsblütenkönigin, Nadine I., die in Grußworten auf die Bedeutung des Erntefestes und die Situation der Landwirtschaft eingingen. Armin Müller betonte, dass das Erntefest ein wichtiges Instrument sei, im Dialog mit der städtischen Bevölkerung Verständnis für die Landwirtschaft zu erreichen. Dabei könnten die regionale Erzeugung und die Versorgung mit frischen Lebensmitteln hervorgehoben werden. Die Landfrauenpräsidentin wies auf den Arbeitsschwerpunkt Wissensvermittlung ihres Verbandes hin. Wie und wo Nahrungsmittel erzeugt werden, könne beim Erntefest dargestellt werden. Dabei sei es auch ideal möglich, dazu beizutragen, dass bei der städtischen Bevölkerung das Gefühl für saisonale Zeitabschnitte nicht verloren geht. Auf die Bedeutung der Präsentation der Produktvielfalt der Landwirt­schaft wies die stellvertretende Landjugendvorsitzende hin.

Zahlreiche weitere Ehrengäste konnte der FLV-Vorsitzende bei der Erntefesteröffnung und einem anschließenden Rundgang über das Veranstaltungsgelände willkommen heißen. Zuvor ging Kreislandwirt und FLV-Vorstandmitglied Dr. Matthias Mehl auf die diesjährige Erntesituation in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet ein. Nach einem Winter, der keiner gewesen sei und einem sehr trockenen Frühjahr hätten die Getreidebestände dank den Niederschlägen in der Hauptentwicklungsphase den Grundstein für eine gute Ernte gelegt. Mit rund 2,21 Mio. t liege die Getreidemenge 2014 in Hessen 6,4 Prozent über dem Mittel der Jahre 2007 bis 2013.

Markt steht unter Druck, Qualitätsware aber gesucht Das gute Ergebnis der Getreideernte 2014 habe allerdings erneut zu einem starken Preisdruck geführt. Die Preise hätten sich seit Ende Mai teilweise um rund ein Drittel verringert. Dabei wirke sich auch das von Russland verhängte Importverbot für Agrarerzeugnisse aus. Der Markt sei geprägt durch ein großes Angebot an Futterweizen, während Qualitätsware mit hohem Pro­tein­anteil gesucht sei.

Rü  – LW 40/2014