Schlepper für ISOBUS nachrüsten – lohnt das?

Leistungspotenziale der Anbaugeräte ausschöpfen

Der Einsatz moderner Anbaugeräte mit elektronischen Komponenten zum zielgerichteten Einsatz von zum Beispiel Dünger und Pflanzenschutz verspricht interessante Einsparmöglichkeiten. Was aber tun, wenn die Kommunikation unter den Geräten via ISOBUS auf dem Hof noch nicht richtig Einzug gehalten hat? Die Investition in einen modernen Düngerstreuer, der teilflächenspezifisch arbeiten kann, scheint eine vergleichsweise geringe Hürde zu sein. Ist zusätzlich aber auch ein neuer Schlepper notwendig, schiebt man möglicherweise die Pläne zur Einführung des „Precision Farming“ insgesamt weiter in die Zukunft. Muss das sein?

Seit langem spricht die Praxis über den ISOBUS, einen technischen Standard, der die Kommunikation zwischen Schleppern und Geräten verschiedener Hersteller erst möglich macht. Mit der branchenweiten Umsetzung dieses Standards gewann die Entwicklung elektronischer Lösungen in der Landtechnik für den Landwirt einen enormen Schwung.

Die Hersteller präsentieren seit dem besonders zur Agritechnica regelmäßig neue, spannende Anwendungen. Dabei gilt aber in der Landtechnik genauso wie auch im richtigen Leben: Das schwächste Glied in der Kette (aus Schlepper und Anbaugerät) gibt das Leistungspotenzial im Verfahren des Gespannes vor. Das bedeutet konkret: Neue Hardware Lösungen und neue Software Updates können nur dann ihr volles Leistungsspektrum entfalten, wenn Schlepper und Anbaugerät auf gleichem Stand arbeiten, also mit gleicher „Funktionalität“ und gleicher Version ausgestattet sind.

Ist der Schlepper also mit einem alten Terminal unterwegs oder hat er womöglich noch gar keinen ISOBUS an Bord, dann nützt der neue Düngerstreuer mit „Variable rate“ oder „Section Control“ wenig: Schlepper und Gerät verstehen sich nicht, man kann das System einfach nicht zielgerichtet einsetzen und deren mögliche Vorteile nicht ausschöpfen.

Welchen Nutzen bringt Precision Farming?

Bleiben wir beim Beispiel des modernen Düngerstreuers, dann wird das Potenzial deutlich: Ohne Teilschlag-spezifische Technik wird der gesamte Schlag weitgehend einheitlich gedüngt, obwohl möglicherweise Unterschiede im Leistungsvermögen des Ackers vorliegen. Einfache Einstellmöglichkeiten von Mehr- oder Mindermengen bieten dazu schon eine gewisse Anpassungsmöglichkeit, brauchen aber das ständig aufmerksame und fachkundige Auge des Betriebsleiters. Je heterogener der Boden im Schlag, desto größer der Vorteil, wenn man die kleineren Teilschläge wechselnder Bodengüte zum jeweiligen Leistungsvermögen passend düngen könnte.

Ein einfaches Beispiel soll das erläutern: Hat ein Schlag ein durchschnittliches Ertragspotenzial bei Weizen von 80 dt/ha über die gesamte Fläche hinweg, dann kann bei wechselnden Bodengüten die Spanne im Leistungsvermögen zwischen 60 und 100 dt/ha schwanken. Das bedeutet, dass die ausgebrachte Menge N-Nährstoff, die ja für durchschnittlich 80 dt/ha einheitlich bemessen wurde, auf den schwachen Teilflächen (zum Beispiel hoher Sandanteil) eigentlich überzogen ist, denn die schwache „Teilfläche“ gibt nicht mehr her. Der Einsatz ist vergeudet. Diese „verlorene“ Menge hätte aber im Bereich der 100 dt/ha Potenzialzone möglicherweise 105 dt/ha bringen können. Zumindest hätte man diese Nährstoffmenge aber einsparen können.

Ähnliches gilt genauso für die Grunddüngung. Wieviel an Düngermenge einzusparen ist oder durch passende Umverteilung an Mehrertrag produziert werden kann, hängt zunächst vom Ausmaß der Bodenunterschiede an der Fläche des Gesamtschlages und dann auch des gesamten Betriebes ab. Je größer das Potenzial, desto eher ist eine Investition in Teilschlagtechnik lohnend.

Zielgerichteter Einsatz spart Betriebsmittel ein

Der zielgerichtete Einsatz des teuren Mineraldüngers, zur Grunddüngung oder zur leistungssteigernden N-Düngung, erscheint als Argument sofort einleuchtend. Dazu muss aber vorab bekannt sein, wo die besseren und wo die schlechteren Parzellen im jeweiligen Schlag liegen. Also sollten zur Grunddüngung zunächst Bodenproben gezogen werden und (mehrjährige) Ertragsdaten ergänzend vorliegen, um das heterogene Bild der Potenziale in den Teilflächen deutlich zu machen.

Für die ertragssteigernde N-Düngung helfen auch aktuelle Satellitenbilder, die heute kostengünstig zu beschaffen sind und Leistungsunterschiede im Schlag aufzeigen können. Aus diesen Informationen lassen sich dann Applikationskarten erstellen, die vom Hofcomputer auf das Terminal im Schlepper übertragen und während der Düngerausbringung Fahrgasse für Fahrgasse „abgearbeitet“ werden.

Zur N-Düngung kann auch ein N-Sensor montiert werden, der während der Durchfahrt den Bestand „durchleuchtet“ und den kleinräumlichen Bedarf erkennt. Dieser Sensor bleibt aber aus Kostengründen eher dem Großbetrieb oder dem überbetrieblichen Einsatz vorbehalten.

Wie funktioniert das konkret?

Zurück zum Beispielbetrieb: Die Auswertung der Bodendaten und Satellitenbilder hat gezeigt, dass ein wirtschaftlich interessantes Potenzial für Teilschlagtechnik in den Bodenunterschieden des Betriebes steckt. Also könnte sich die Anschaffung eines modernen Düngerstreuers, der gezielt die Ausbringmenge anpasst, lohnen.

Der aktuelle Schlepper erfüllt allerdings noch keinen ISOBUS Standard – man muss also nachrüsten. Dazu wird zunächst ein ISOBUS Terminal auf dem Schlepper benötigt, um den Düngerstreuer vom Schleppersitz ansteuern zu können. Dieses Terminal greift über das Verbindungskabel (Steckverbindung und Kabel genormt gem. ISOBUS) gezielt auf die Steuerungselektronik des Streuers zu. Überspielt man jetzt die vorher am Hof-PC erzeugte Applikationskarte für den zu düngenden Schlag auf das Terminal, dann sorgt die Verbindung zwischen Terminal und Streuer für die Übertragung der Daten.

Geht es dann zur Düngung aufs Feld, ist die aktuelle Positionsbestimmung notwendig, denn der Düngerstreuer muss ja wissen, auf welcher Teilfläche er aktuell arbeitet, damit die geplante Teilmenge dort passend dosiert werden kann. Also braucht man auch einen Satellitenempfänger auf dem Kabinendach, der die Orientierung sicherstellt. Dieser Empfänger sollte die heute im All befindlichen Satellitensysteme GPS (USA), GLONASS (Russland), Galileo (EU) und möglicherweise auch schon BeiDou (China) empfangen können. Je mehr Systeme erreicht und verarbeitet werden, umso geringer ist das Risiko, dass bei Abschattungen durch Baumgruppen, Buschhecken oder Wälder die Verbindung zum Satelliten abreißt. Gängige Systeme können heute zumindest die ersten drei genannten Systeme empfangen und liefern so sehr sichere und korrekte Positionsangaben.

Traktor braucht genauere Positionsdaten als das Auto

Ein Wort auch zur Signalgenauigkeit: Mit der Satellitennavigation wird auch ein Korrektursignal notwendig, damit man präziser als die sonst üblichen +/- 5 m arbeiten kann. Damit kommt man bei üblichen Navigationssystemen im Auto klar, auf dem Acker sollte es aber exakter sein. Für den Beispielsbetrieb reicht der kostenfreie Korrekturdienst (Egnos) mit einer Genauigkeit von +/- 20 cm völlig aus.

Die Investition in den Satellitenempfänger kann neben der Düngung natürlich auch für ein ebenfalls nachgerüstetes Parallelfahrsystem genutzt werden. Während der Düngung braucht man das meist nicht, wenn die Fahrgasse die Richtung vorgibt. Aber bei anderen Arbeiten kann das spurgenaue Fahren sehr komfortabel und auch leistungsseigernd sein.

Für den Einsatz des neuen Düngerstreuers fehlt nun noch ein Geschwindigkeitssignal, damit die Anpassung der Streumenge an wechselnde Fahrgeschwindigkeiten funktionieren kann. Auch dafür ist das nachgerüstete Terminal vorbereitet. Es bietet Anschlussmöglichkeiten sowohl für das Geschwindigkeitssignal direkt vom Datenbus des Schleppers oder aber von einem zusätzlich montierten Sensor. Beides kann die Werkstatt des Landmaschinenhändlers mit vertretbarem Aufwand montieren.

Datenrückfluss zum PC zur Auswertung

Während der Arbeit wird die tatsächlich ausgebrachte Düngermenge auf dem Terminal gespeichert. Diese Werte können dann, nach Beendigung der Arbeit, mit dem Datenträger (zum Beispiel USB Stick) wieder auf den Hof-PC, in die Schlagkartei, zurück übertragen werden. Auch bei der Managementsoftware, die die Übersicht über die Schläge sowie Auswertungen für einzelne Kulturen ermöglicht, ist auf die Kompatibilität des ISOBUS-Standards zu achten. Umso reibungsloser läuft der Datentransfer, und der Betriebsleiter kann mehr Zeit auf Auswertung und Interpretation der Daten verwenden und ärgert sich nicht an Problemen bei der Anwendung.

Der ISOBUS Standard (ISO 11783) ist dazu die alles verbindende Norm: Terminal und Düngerstreuer, Satellitenantenne, Ackerschlagkartei und Parallelfahrsystem verstehen sich. Die AEF, als herstellerübergreifende Institution, hat diesen Standard mit fast allen bedeutenden Herstellern umgesetzt, geprüft und zertifiziert. Für die Zertifizierung arbeiten in Deutschland zwei unabhängige Institute, das DLG-Testzentrum in Groß-Umstadt und das ISOBUS-Test-Center in Osnabrück. In der Datenbank der AEF (www.aef.org) sind dann alle geprüften Schlepper, Geräte, Terminals und Lösungen gelistet. Die Datenbank zeigt auch, welchen jeweiligen technischen Stand die Produkte der Hersteller bieten.

Welche Möglichkeiten bietet der Markt?

Soll der vorhandene Altschlepper für den ISOBUS fit gemacht werden, dann ist es hilfreich, die Werkstatt des Landmaschinenhandels einzubinden. Dort kennt man sich mit ähnlichen Fällen aus und hat daher auch die notwendige Erfahrung und den Kontakt zu möglichen Lieferanten für die erforderlichen Komponenten. Oft bieten die Gerätehersteller selbst schon optional das ISOBUS-Terminal und die Kabelsätze zur Erweiterung an. Dann kann der Kunde mit dem Kauf des neuen Düngerstreuers gleich das Terminal im Paket ordern. Die Werkstatt sorgt für den Einbau.

Terminals werden aber auch von Nachrüstern (zum Beispiel Firma Müller-Elektronik oder Firma Reichhardt) angeboten. Beide Hersteller liefern auch komplette Lösungen zur Nachrüstung, die dem ISOBUS-Standard (ISO 11783) entsprechen. Sämtliche Angebote, sei es Hard- oder Software, vom Landtechnikhersteller oder Nachrüster, müssen die Konformitätsprüfung der AEF durchlaufen, um das Zertifikat zu erhalten. Dann kommen diese geprüften Lösungen in die beschriebene Datenbank. Der Landwirt sollte nur geprüfte Ware kaufen, dann läuft es später reibungsloser.

Mit welchen Kosten ist das verbunden?

Die Kosten einer Nachrüstung bleiben überschaubar, wenn der Landwirt sich auf die notwendigen Funktionen konzentriert. Das Terminal muss natürlich dem ISOBUS Stand, also der Norm genügen, aber es kann trotzdem einfach aufgebaut und ausgestattet sein. Viele Hersteller bieten heute beides: Neben günstigen Einstiegsmodellen auch teure, aufwändigere Varianten mit zum Beispiel 2-Bildschirmlösungen. Kosten für Montage und Verkabelung sind direkt mit der Werkstatt beim Handel abzuklären. Ein Satellitenempfänger auf dem Kabinendach zur Positionsbestimmung ist notwendig, aber nicht teuer.

Wichtig ist, dass vorher umfassend Informationen zu den technischen Möglichkeiten und zum Thema der Teilflächentechnik gesammelt werden. Das bedeutet natürlich auch einen gewissen Zeitaufwand. Dieses persönliche Engagement ist dann auch nach der Investition nötig, denn die Daten aus der präzisen Düngung sollten in der Ackerschlagkartei entsprechend verarbeitet und ausgewertet werden. Erst dann wird der gesamte Nutzen des Systems deutlich.

Wird mit der Investition in eine moderne, exakte Düngungstechnik auch der Einstieg in ein passendes Farmmanagement System gewählt, dann können die Analysen und Erkenntnisse daraus für insgesamt mehr Effizienz und „Präzision“ auch in den betrieblichen Entscheidungen sorgen. Damit zahlt sich der Einstieg in die Teilflächentechnik gleich mehrfach aus.

Prof. Wolfgang Kath-Petersen – LW 26/2019