Verstaucht, verrenkt oder gestoßen

Kleine Unfälle in Haus und Garten behandeln

Die meisten Unfälle passieren im eigenen Haushalt. Meist liegt ein Aufmerksamkeitsmangel oder nachlassende Konzentration zugrunde. „Das mache ich mal eben schnell“, ist ein typischer Gedanke, der zu mangelhafter Sorgfalt führt. Beim geringsten Zweifel, ob etwas gerissen oder gebrochen ist, sollte möglichst unverzüglich eine Untersuchung beim Arzt oder in der Klinik erfolgen. Für die Behandlung zu Hause aber gibt Uta Parzefall bewährte Tipps.

Schnell passiert: Ein folgenschwerer Unfall im Garten durch eine liegengebliebene Harke.
Foto: imago

Ist man in einen Unfall verwickelt, hat selbst einen erlitten oder auch nur einen mitangesehen, löst das auf psychischer Ebene immer Schockreaktionen aus. Manche Menschen tendieren dazu, diese zu unterdrücken oder zu ignorieren.

Erste Hilfe bei einem Schock

In einem solchen Fall ist das homöopathische Mittel „Arnica C30“ dringend zu empfehlen, da die subtilen Schock­reaktionen die Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht bringen. Hat eine verletzte Person einen „echten“ Schock und ist eventuell nicht ansprechbar, kann man mit „Aconitum C30“ eine gute Unterstützung gewähren. In beiden Fällen gibt man 5 Globuli unter die Zunge und lässt sie dort, bis sie sich auflösen. Auch wenn eine Person panisch, sehr ängstlich oder übertrieben auf einen Unfall reagiert, ist „Aconitum“ das beste Mittel, um die betroffene Person wieder zu sich zu bringen. Ein Mittel, das man immer im Haus haben sollte zur Beruhigung, Angstlösung und Auflösung von schockartigen Zuständen ist das „Rescue-Spray“ aus der Bachblüten-Medizin. Es kann innerlich eingesprüht werden und entfaltet so direkt seine Wirkung. Außerdem lässt es sich auch wunderbar äußerlich aufsprühen bei allen Arten von Verletzungen, egal ob es sich um eine Verstauchung, Prellung, offene Wunde oder Verbrennung handelt. Anfangs sollte man es öfter benutzen, bei innerlicher sowie äußerlicher Anwen­dung, in kurzen Zeitabständen, die dann länger werden. Innerlich werden immer vier Sprühstöße eingesprüht, direkt auf die Mundschleimhaut und Zunge. Nach der ersten Anwendung lässt man etwa fünf Minuten vergehen, bevor man eine zweite Dosis eingibt, beziehungsweise äußerlich aufsprüht. Dann werden die Zeitabstände allmählich größer – eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden. Es kommt nicht auf eine exakte Einhaltung der Zeitabstände an, sondern auf den Bedarf. Bei einer Brandwunde geht man zum Beispiel so vor, dass immer dann wieder aufgesprüht wird, wenn man das Brennen wieder spürt. Das ist anfangs häufiger. Dann spürt man längere Zeitintervalle der Schmerzfreiheit. Es ist bei allen äußerlichen Verletzungen empfehlenswert, die Behandlung mit dem Rescue-Spray immer innerlich und äußerlich vorzunehmen.

Offene Wunden behandeln

Wenn durch eine Verletzung die Haut so beschädigt wurde, dass es blutet, sollte sie zunächst gut gereinigt werden, vorzugsweise mit klarem Wasser. Ist die Wunde vom Dreck befreit, desinfiziert man sie, wodurch Infektionen vorgebeugt werden. Dazu verwendet man ein Desinfektionsspray wie „Octenisept“ oder eine jodhaltige Lösung wie „Betaisodona“. Bei kleinen Kindern ist von Jodlösungen abzuraten, da sie Einfluss auf die kindliche Schilddrüse haben können. Nun kann man die Wunde verpflastern, damit kein Dreck hineingelangt, oder ein Gelpflaster aufkleben, das für die optimale Wundheilung sorgt. Dabei darf man kein jodhaltiges Desinfektionsmittel vorher benutzen und sollte das Pflaster so lange auf der Wunde belassen, bis es von selbst abfällt oder eine starke Eiterung oder viel flüssiges Wundsekret unter dem Pflaster sichtbar wird. In diesem Fall wird mit einer antibiotischen Salbe oder einem Spezialpflaster vom Arzt weiterbehandelt. Stoppt die Blutung nicht, da jemand blutverdünnende Medikamente einnimmt oder von Natur aus dünnes Blut hat, kann mit blutstillender Watte oder dem sogenannten „Wiesenpflaster“, das sind gequetschte Spitzwegerichblätter, Abhilfe geschaffen werden. Spitzwegerich enthält nicht nur blutstillende Gerbstoffe, sondern auch Aucubin, das als antibiotisch wirkende Substanz die Infektionsgefahr minimiert. Um die Wundheilung zu fördern, kann „Bepanthen Salbe“ auf die geschlos­sene Wunde gecremt werden oder „Bepanthen Antisept“ auch auf die noch offene Wunde. Bei Blutungen aller Art helfen auch „Arnica D12“-Globuli innerlich eingenommen, die Blutung schnell zu stillen. Man nimmt zehn Gobuli stündlich, ab dem zweiten Tag nur noch dreimal täglich.

Stumpfe Traumata kühlen

Handelt es sich bei der Verletzung um eine Prellung, Zerrung oder Quetschung, entsteht normalerweise eine Schwellung mit oder ohne Bluterguss. Einen Bluterguss behandelt man am besten mit einer Heparin-Salbe oder einem Gel. Die Salbe gibt es von verschiedenen Firmen in der Apotheke und in verschiedenen Stärken. Geeignet wäre eine 30 000er oder 60 000er Stärke. Nimmt man ein Gel, hat man den zusätzlichen Effekt einer Kühlung, was die Schmerzen geringer macht. Ist die Schwellung sehr schmerzhaft, kann mit einem Diclofenac-Gel die Stelle eingerieben werden. Das bekannteste und wohl auch effektivste ist das „Voltaren“-Gel. Man kann auch einen Gelverband damit machen, zum Beispiel über Nacht. Dazu trägt man das Gel dick auf und wickelt einen Verband darüber. Ein Mittel aus der Naturheilkunde ist hier alternativ „Trau­meel“. Man kann es als Creme äußerlich auftragen und gleichzeitig die „Traumeel“-Tabletten einnehmen. Am ersten Tag stündlich, ab dem zweiten Tag nimmt man dreimal täglich eine. Diese Kombination hat eine stärkere Wirkung, als wenn man nur Creme oder Tabletten benutzt. Die Schwellung geht schnell zurück und die Schmerzen lassen nach, außerdem wird die Heilung beschleunigt. Ein anderes Mittel zur Abschwellung bei stumpfen Verletzungen ist die Beinwellsalbe, zum Beispiel „Kytta Salbe“. Sie lindert auch die Schmerzen. Ist die Schwellung besonders dick oder unangenehm, kann man innerlich mit Enzymen schnelle Abhilfe schaffen. Hier eignen sich „Wobenzym“ oder „Bromelain POS“ besonders gut. Die Tabletten sind mit viel Wasser eine Stunde vor und zwei Stunden nach einer Mahlzeit einzunehmen, da sonst die Enzyme ihren Bestimmungsort im Körper nicht erreichen.

Grundsätzlich ist es wichtig, die schmerzende Stelle nach einer stumpfen Verletzung möglichst lange zu kühlen.

Beinwellpaste bei Knochenverletzungen

Ist bei einer Verletzung der Knochen beschädigt worden, wie etwa bei einem Knochenbruch oder einer Absplitterung, kann auch hier der Beinwell unterstützend helfen. Äußerlich natürlich nur, wenn kein fester Gips das Eincremen mit Beinwellsalbe verhindert. Besonders effektiv ist das Beinwellpulver, das getrocknet in der Apotheke gekauft wird. Mit ein wenig Wasser rührt man es zur Paste und trägt diese direkt auf die betroffene Stelle auf. Einmal täglich wird diese Prozedur gemacht und so lange auf der Haut gelassen, bis die Paste völlig getrocknet ist. Auch innerlich kann man Beinwell zur unterstützenden Heilung von Knochenverletzungen einnehmen. Hier eignen sich „Symphytum D12“-Globuli, dreimal täglich zehn Stück unter die Zunge, bis die Knochen wieder heil sind.

Schüssler-Salz bei Bänder- und Sehnenrissen

Bei Bänder- und Sehnenrisse, auch Anrissen oder Überdehnungen kann das Schüssler-Salz Nummer elf, „Silicea D12“ eingesetzt werden. Es fördert die Heilung der verletzten Bänder. Man nimmt dreimal täglich fünf Tabletten ein. Diese legt man sich entweder unter die Zunge, damit sie sich auflösen, oder löst sie in einem Glas warmen Wasser auf und trinkt die Zubereitung.

Schmerzmittel bei starken Schmerzen

Kurzfristig kann man starke Schmerzen von Verletzungen mit Schmerzmitteln lindern. Am günstigsten sind Ibuprofen oder Diclo­fenac. Sie sind ohne Rezept erhältlich und lindern Schmerzen sowie die Schwellungen. Bei länger anhaltenden Schmerzen sollte man jedoch nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen, um etwaige stärkere Verletzungen aus Unwissen nicht noch schlimmer zu machen. Auch wenn man gleich einen Arzt aufsucht, kann man die erste Hilfe vorher schon zu Hause leisten. Daher ist es ratsam, eine sinnvolle und aktuelle Notfallapotheke zu Hause zu haben und diese mindestens einmal im Jahr zu überprüfen, damit man das Wichtigste immer bei der Hand hat.

Wichtiger Hinweis

Wie bei allen naturheilkundlichen und (alternativ-)medizinischen Empfehlungen, sollte man insbesondere bei schweren Erkrankungen, bei geschwächtem Immunsystem, für Kinder und Schwangere mit dem zuständigen Arzt abklären, ob die Medikamention geeignet ist. LW