Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen

Tipps, was den Kleinen den Klinikaufenthalt erleichtert

Mandel- oder Blinddarmoperation, Lungenentzündung oder hohes Fieber: Fast jedes zweite Kind muss irgendwann einmal für einige Tage ins Krankenhaus. Wenn eine Operation geplant ist und ein mehrtägiger Klinikaufenthalt bevor steht, können Eltern ihre Kleinen rechtzeitig darauf vorbereiten und ihnen die Angst nehmen. Gut aufgeklärte Kinder kommen mit der medizinischen Routine besser zurecht. Die besten Tipps für Familien.

Leonie (3) ist mit Klumpfüßchen auf die Welt gekommen. Nach zwei Operationen im Babyalter muss sie in drei Wochen noch einmal auf den Operationstisch: Einige Sehnen werden von der Bein-Innenseite nach außen umgesetzt, vom Knöchel ein Stück Knochen abgesägt und auf die Außenseite zur Stütze gesetzt. Natürlich hat sie Angst vor der Operation – und ihre Mutter Stefanie Müller nicht weniger. „ Ich weiß, ich muss ihr jetzt Stärke und Zuversicht vermitteln, denn wir kommen ja um die Operation nicht herum. Es muss sein und wir sind in der Klinik in guten Händen“, macht sich die 36-Jährige Mut.

Angst vor dem Alleinsein

Mit ihren Ängsten sind Mutter und Tochter nicht allein: Die meisten Kinder haben Angst vor dem Krankenhaus, denn oft wissen sie nicht, was auf sie zukommt. Zu der Furcht vor der unbekann­ten Umgebung und den möglicherweise schmerzhaften Eingriffen kommt noch die Trennungssituation und die Angst vor dem Alleinsein hinzu: Je jünger ein Kind ist, desto schwieriger wird es für Eltern sein, die Situation vorzubereiten, denn es fehlt ihm noch die Einsicht, weshalb die Behandlung überhaupt notwendig ist. Manche Kinder bringen das Krankenhaus auch in Verbindung mit dem Tod, wenn zum Beispiel die Großeltern im Krankenhaus verstorben sind. Und auch dann, wenn Kinder bei früheren Kranken­hausaufenthalten oder ärztlichen Untersuchungen schmerzhafte und unangenehme Erfahrungen gemacht haben, werden sie vielleicht versuchen, die Kran­kenhaus­einweisung zu verhindern, zu verzögern oder sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren.

Ein Krankenhausaufenthalt ist eine emotionale Ausnahmesituation – für Eltern und Kind. Doch es liegt an den Eltern, ihrem Kind die Angst zu nehmen. In den meisten Krankenhäusern können Elternteile oder nahe Bezugspersonen mittlerweile stationär mit aufgenommen werden, um Trennungsängste gar nicht erst aufkommen zu lassen. Der Satz „Wir gehen ins Krankenhaus!“ klingt immer noch anders als „Du musst ins Krankenhaus!“ In der Regel unterstützen die Krankenkassen die Familien zu Hause mit einer Haushaltshilfe – das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn wegen der Begleitung eines Kindes ins Krankenhaus ein Kind zu Hause unter zwölf Jahren unversorgt bleibt. So können Mutter oder Vater das kranke Kind in die Klinik begleiten. In manchen Fällen kann auch Kinderpflege-Krankengeld beantragt werden – über alle diese Dinge kann die Krankenkasse Auskunft geben, hier lohnt auf alle Fälle ein Anruf!

Kindgerechte Vorbereitung auf den Krankenhausaufenthalt

Manchmal – wenn zum Beispiel die Mutter auf dem Hof unabkömmlich ist oder die Geschwisterkinder nicht in fremder Obhut lassen möchte – muss das Kind aber allein im Krankenhaus bleiben. Dann ist es ganz besonders wichtig, das Kind gut vorzubereiten und den Krankenhausaufenthalt ruhig und unaufgeregt zu besprechen – mit allem was vielleicht auf das Kind zukommen kann. Das geht beispielsweise mit Büchern, die das Thema Krankenhaus kindgerecht erklären und zeigen, was dort gemacht wird, warum es wichtig ist, dass der kleine Patient dort einige Tage bleibt – und vor allem: Wie schön es ist, wenn man hinterher wieder gesund ist, der Bauch nicht mehr weh tut oder das Kind wieder richtig laufen kann.

Puppen und Stofftiere untersuchen

Ein schönes Geschenk vor dem Krankenhausaufenthalt ist auch ein Spielzeug-Arztkoffer, mit dem sich Untersuchungen und Behandlungen an Puppen und Stofftieren anschaulich durchspielen lassen. Keinesfalls sollten Eltern dabei Dinge verharmlosen, um das Kind zu beruhigen: Auch unangenehme Dinge, wie zum Beispiel eine Blutabnahme, das Legen eines intravenösen Zugangs oder die Schmerzen nach der Operation, sollten die Eltern vorher sprechen, und zwar schonend, aber dennoch ehrlich.

Die Ängste des Kindes ernst nehmen

Eltern sollten die Ängste ihres Kindes ernst nehmen: Wenn sie Behandlungsabläufe zu sehr beschönigen, riskieren sie später möglicherweise einen großen Vertrauensverlust. Das Kind sollte wissen, dass es bei einer Blutabnahme einen kurzen „Pieks“ gibt und dass Blut fließt – und dass der Bauch nach der Operation auch noch ein paar Tage weh tun kann. Das Kind entspannt sich, wenn Vater oder Mutter beispielsweise sagen: „Ich bin hier bei dir, ich halte deine Hand und streichle dich. Es dauert nur zehn Minuten, dann hast du es geschafft.“

Vielleicht können Sie auch einen „Tag der offenen Tür“ in einem Krankenhaus in Ihrer Nähe einmal nutzen und sich zusammen mit Ihren Kindern ein Krankenhaus oder einen Rettungswagen von innen anschauen. Das ist vor allem für die Situationen wichtig, in denen ein Krankenhausaufenthalt nicht geplant werden kann – etwa bei einer akuten Einweisung wegen eines entzündeten Blinddarms oder nach einem Unfall. Mancherorts bieten Krankenhäuser auch speziell auf Kinder abgestimmte Führungen an – beispielsweise für Kindergärten und Kindertagesstätten, bei denen die kleinen Besucher in Betrieb und Ablauf in der Klinik „hineinschnuppern“ können.

Kleine Trostspender

Ganz wichtig für einen Klinik­aufenthalt sind auch kleine Trostspender: Kuscheltiere, Bücher, Spielzeuge und Fotos. Das Kind sollte unbedingt selbst aussuchen, welche es mitnimmt ins Krankenhaus. Wenn die Anwesenheit der Eltern im Krankenhaus nicht möglich ist, hilft dem Kind auch ein Foto der Eltern oder ein T-Shirt oder Tuch, das nach Mutter oder Vater riecht. Falls die Eltern nur zu Besuch kommen können, sollte der bevorstehende Abschied angekündigt werden, niemals schwindeln wie: „Ich gehe nur auf den Flur!“ – sonst verliert das Kind sein Vertrauen in die Eltern. Auch wichtig: Wenn irgendwie möglich, sollte das Kind im Krankenhaus seine eigene Kleidung, also Schlaf- oder Jogging­anzüge – tragen, damit es sich nicht so fremd fühlt.

Von leichten Schmerzen und langem Stillliegen lenken spannende Brettspiele und das Vorlesen und Erzählen von Geschichten ab. Manchen Kindern hilft es auch, wenn sie während des Blutabnehmens mit einer spannenden Geschichte abgelenkt werden. Andere möchten genau sehen, was passiert. Ihnen kann man mit einer kleinen Atemübung einen Teil des Schmerzes nehmen: Während des Einstechens soll das Kind langsam ausatmen. Dieses Ausatmen kann man gut in eine Erzählung einbetten, zum Beispiel in dem man das Kind im Geiste die Kerzen des Geburtstagskuchens oder ein Lagerfeuer auspusten lässt. Sabine Hense-Ferch

Kleine Geschenke lassen Kinder schneller gesund werden

  • Wenn sich ein Kind gegen die Behandlung wehrt, sollten die Eltern nicht schimpfen oder drohen. Der kleine Patient kann sich leichter in die Behandlung einfügen, wenn es die Zuversicht und das Vertrauen der Eltern in die Behandlung und das Klinikpersonal spürt.
  • Ein hübsches Spielzeug, ein spannendes Buch versüßt jeden Krankenhausaufenthalt: Jeder kleine Patient freut sich über Geschenke. Mit Rücksicht auf die Mitpatienten sollte aber auf lärmendes Spielzeug verzichtet werden. Ideal: Je nach Alter sind Rätselhefte, spannende Bücher oder Lego-Bausätze sehr beliebt, auch eine kleine Handarbeit kann man prima im Krankenbett anfangen.
  • Besuche und Anrufe von Geschwistern, Familienangehörigen und Freunden sorgen für Abwechslung und schaffen eine Verbindung nach draußen – bei längeren Krankenhausaufenthalten und größeren Besuchergruppen ist ein Besuchsplan sinnvoll.
  • Auch Eltern müssen sich um Entlastung kümmern: Wer Tag und Nacht am Krankenbett seines Kindes sitzt, verausgabt sich völlig und kann nicht Trost und Hilfe spenden. Bitten Sie Ihren Partner oder eine andere Vertrauensperson des Kindes, sich mal mit Ihnen abzuwechseln, gehen Sie spazieren und schlafen Sie mal eine Nacht zu Hause. shf

Auch Eltern haben Ängste

Auch für Eltern ist die Situation, wenn das Kind ins Krankenhaus muss, belastend und mit Sorgen und Ängsten verbunden. Versuchen Sie dennoch, möglichst viel Ruhe auszustrahlen, denn Kinder sind sehr empfänglich für Unsicherheiten der Eltern. Wenn Eltern Vertrauen und Optimismus bezüglich der Behandlung ausstrahlen, fühlt sich auch das Kind sicher und geborgen. Sie selbst müssen von der Notwendigkeit des Klinikaufenthaltes überzeugt sein. Haben Sie Zweifel, sollten Sie lieber noch einmal eine zweite Arztmeinung einholen. Lässt sich der stationäre Aufenthalt vielleicht durch eine ambulante Nachbehandlung verkürzen?

Nicht immer ist ein Krankenhausaufenthalt planbar, zum Beispiel wenn Ihr Kind in Folge eines Unfalls oder einer plötzlichen Notsituation ins Krankenhaus muss. Hier werden Sie – und genauso auch Ihr Kind – die Krankenhaussituation auch weniger bedrohlich empfinden, weil die medizinische Hilfe im Vordergrund steht. Versuchen Sie, Gelassenheit, Ruhe und Zuversicht in die ärztliche Behandlungskunst auszustrahlen, Ihr Kind braucht jetzt diese Sicherheit.

Welches Krankenhaus ist für den jeweiligen Fall das richtige? Abzuwägen ist zwischen der Entfernung zum Heimatort und der Erfahrung der behandelnden Ärzte mit dem Krankheitsbild des Kindes. Und: In welcher Klinik haben Eltern mit Kindern besonders gute Erfahrungen gemacht? Je genauer Sie sich mit diesen Fragen beschäftigen, desto sicherer und gelassener werden Sie sein, wenn der Krankenhausaufenthalt unmittelbar bevorsteht. shf