Die Ertragseinbußen hielten sich in Grenzen

LSV und Sortenempfehlung Öko-Sommergerste

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) führt seit vielen Jahren auf Öko-Praxisflächen Landessortenversuche mit Sommergerste durch. Das 2018 geprüfte Sortiment umfasste insgesamt 24 Sorten, zwei davon Futtergersten und eine (Speise-) Nacktgerste. Dr. Thorsten Haase vom Beratungsteam Ökologischer Landbau berichtet von den Ergebnissen der letzten drei Versuchsjahre.

Der Landessortenversuch (LSV) findet auf Flächen des seit 1989 ökologisch bewirtschafteten Betriebs Kasper in Alsfeld-Liederbach (Landkreis Vogelsberg) statt. Der Versuch steht nach Wintergetreide und zweijährigem Kleegras (Vor-Vorfrucht, Tabelle 1).

Die meisten zugelassenen Sommergersten sind als Braugerste gezüchtet und geeignet. Der Rohproteingehalt (Rp-Gehalt) von Braugerste sollte 11,5 Prozent nicht überschreiten, der Vollgersteanteil (VGA >2,5 mm) mindestens 90 Prozent betragen.

Im Öko-Anbau wird Sommergerste vor allem verfüttert. Die als Braugerste angebauten Sorten können auch zur Fütterung eingesetzt werden. Bei dieser Verwendung ist allerdings ein höherer Protein-Gehalt (-ertrag) erwünscht, verbunden mit einem möglichst hohen Hektolitergewicht (> 62 kg/hl).

Darstellung im Vergleich zur Bezugsbasis

Zur Bewertung zum Beispiel des Ertragspotenzials einer Sorte wird hier der Kornertrag relativ zur „Bezugsbasis“ dargestellt. Die Bezugsbasis stellt den Mittelwert des Kornertrags der mindestens dreijährig (2016 bis 2018) geprüften Sommergerste-Sorten (Avalon, Grace und RGT Planet) dar. Gleiches gilt für den Rp-Ertrag.

Die Bezugsbasis (100 Prozent) für das Qualitätsmerkmal Rp-Gehalt ist 11,5 Prozent Rohprotein (i. d. TS), beziehungsweise 62 kg/hl für das Hektolitergewicht. Der VGA (> 2,5 mm) wird in (absoluten) Prozentwerten angegeben.

Der mittlere Kornertrag der drei genannten Sorten in den Jahren 2015 bis 2017 (2015 nicht dargestellt) liegt bei rund 58 dt/ha. Der mittlere Kornertrag derselben Sorten lag 2018 aufgrund der vorherrschenden Trockenheit deutlich unter diesem Durchschnitt (45 dt/ha).

Der Rp-Ertrag ist das Produkt aus Kornertrag und Rp-Gehalt. Er wird deshalb im Öko-Landbau sehr stark durch die jeweilige Witterung (Jahreseffekt) beeinflusst. Gegenüber dem Vorjahr (2017: 6,4 dt/ha) wurde 2018 für die Bezugsbasis-Sorten ein mittlerer Rp-Ertrag von nur 3,6 dt/ha errechnet. Auch der Sorteneinfluss war erheblich: Der niedrigste (78 Prozent) und höchste (106 Prozent) relative Rp-Ertrag unterschieden sich um 28 Prozent.

Das für Futterweizen relevante Mindest-hl-Gewicht (62 kg/hl) wurde 2018 weit übertroffen und auch in den beiden Vorjahren stets erreicht.

 – LW 4/2019