Die Umsetzung muss praxisnäher gestaltet werden

Infotag Landwirtschaft und Imkerei in Partnerschaft

Landwirte und Imker sind aufeinander angewiesen und müssen daher die jeweiligen Bedürfnisse kennen. Um dieses Verständnis zu vertiefen, trafen sich vergangenen Freitag Landwirte, Imker, Berater und die Hessische Landwirtschaftministerin Priska Hinz am Eichhof, Bad Hersfeld, zu einem Infotag.

Dieter Skoetsch vom Hessischen Imkerverband (rechts) und Ralph Büchler erläutern der Ministerin aktuelle Bienenhaltungsformen.
Foto: Becker

Der Infotag wurde im Rahmen der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ vom LLH Eichhof veranstaltet. Die vom Ministerium initiierte Aktion wird in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessischer Imker, dem Hessischen Bauernverband, der Vereinigung Ökologischer Landbau (VÖL), dem Gartenbauverband, dem Bieneninstitut des Landes, dem deutschen Berufs- und Erwerbs­imkerbund und dem Netzwerk Blühende Landschaft durchgeführt.

Demonstrationsflächen mit Blühmischungen

Am Landwirtschaftszentrum Eichhof wurden die dort angelegten Demonstrationsflächen mit Blühpflanzenmischungen besichtigt. Wie Dr. Ralph Büchler vom Bieneninstitut des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) in Kirchhain zur Eröffnung ausführte, sucht der LLH langfristige Perspektiven, um Bienen und vielen weiteren bestäubenden Insekten bessere Lebensbedingungen zu schaffen.

Die das ganze Jahr über laufende Kampagne habe Möglichkeiten geboten, alle direkt Beteiligten, aber auch die Bevölkerung für das Thema Bienenschutz zu sensibilisieren. „Vor allem die vielen interessierten Schüler, die diesen Sommer hierher kamen und noch kommen, haben uns motiviert, diesen Weg weiter zu beschreiten“, so der Leiter des Institutes.

Fast 2 Mio. Euro aus HALM-Mitteln

„Gerade durch die Kooperation zwischen Imkern und Landwirten kann viel Gutes für die Bienen entstehen. Deshalb bin ich dankbar, dass der Hessische Bauernverband und der Landesverband Hessischer Imker Partner der Kampagne Bienenfreund­liches Hessen sind“, so die Ministerin. 111 Landwirte hätten in Kooperation mit Imkervereinen zusätzlich Blühstreifen angelegt.

Für bienenfreundliche Projekte habe das Land seit Start der Kampagne rund 27 000 Euro Lottomittel ausgezahlt. Auch über das Programm für Agrar­umwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) könnten bienenfreundliche Maßnahmen wie die Aussaat von ein-

oder mehrjährigen, Blühstreifen, Ackerrandstreifen, Ackerwildkrautflächen und Flächen zum Gewässer- und Erosionsschutz gefördert werden. 2016 wurden für diese Maßnahmen laut Hinz aus dem HALM-Programm 1,94 Millionen Euro bewilligt.

Bioenergiepflanzen, die auch Bienen nutzen

In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass einige Vorschriften zur Anlage von Blühflächen in der Praxis den Anbau behindern.
Foto: Becker

Christian Dreher vom Bienen­institut stellte bei einem Rundgang verschiedene Blühmischun­gen vor. Für die Praxis sei es wichtig, dass diese ­– neben dem Wert für die Insekten – keine Arten enthalten, die bei späterer Pflege oder auch Ackernutzung Probleme machen könnten, wie zum Beispiel Malven oder Sonnenblumen.

Interessant ist auch die Nutzung von Biomasse-Hirse, die einerseits alternativ zu Mais angebaut werden kann und andererseits auch als Pollenlieferant für Bienen dient. Die Durchwachsene Silphie wurde ebenfalls gezeigt, die einerseits hohe Biogas-Erträge liefert und andererseits gerne von Bienen angeflogen wird, wie am Feldrand gut beobachtet werden konnte. Der wirtschaftliche Nachteil der Silphie, im ersten Jahr keinen Ertrag zu liefern, wurde dadurch wettgemacht, dass sie im Silomais als Untersaat ausgesät wurde, so dass im ersten Jahr der Mais­ertrag zu Buche steht.

Regelungen müssen flexibler werden

Zur abschließenden Podiumsdiskussion kamen noch die Bauernverbandsvertreter Friedhelm Diegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Hersfeld-Rotenburg, und der Junglandwirt im Nebenerwerb Nico Hollstein, Vertreter der Landjugend im KBV-Vorstand aus Asmushausen, sowie Frank Rößing, Vorsitzender des Imkervereins Bad Hersfeld, hinzu. Hollstein freute sich, dass durch die Kampagne die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten noch einmal verstärkt worden sei. Er bemängelte aber die teils hohen bürokratischen Hürden, die den Anbau von Blühstreifen erschwerten. Auch Diegel mahnte, dass zu starre Regelungen, wie zum Beispiel das Pflanzenschutzverbot auf Greeningflächen, oft das Gegenteil von dem bewirkten, was sie beabsichtigten. „Hier muss einfach mehr Flexibilität her.“

KB – LW 34/2017