Digitale Lösungen erleichtern die Arbeit

Neuheiten auf der Agritechnica

Die vorgestellten Neuheiten auf der Agritechnica waren zu 80 Prozent digital. Gefragt sind intelligente Maschinen-, Prozess- und Bedie-nerlösungen, die mehr Arbeitszeit sparen und die Umwelt schonen. Auch die Dokumentation und die Vernetzung zwischen Maschine und Gerät sind Themen, die bei den Landwirten im Fokus stehen. Das LW hat einige Neuheiten in dem Bereich zusammengefasst.

Auf der Agritechnica haben Claas, 365FarmNet, John Deere, New Hol-land Agriculture, Case IH und Steyer mit „DataConnect“ eine direkte, herstellerübergreifende und industrieoffene Cloud-to-Cloud-Lösung vorgestellt.
Foto: 365FarmNet

DataConnect: Erste direkte Cloud-to-Cloud-Lösung

Bisher konnten Landwirte mit gemischten Maschinenflotten ihre Daten nur auf den jeweiligen Maschinen beziehungsweise Portalen der Hersteller aufzeichnen, verarbeiten und dokumentieren. Nun bewegen sich die großen Schlepperhersteller aufeinander zu. Auf der der Agritechnica haben haben Claas, 365FarmNet, John Deere, New Holland Agriculture, Case IH und Steyer mit DataConnect eine direkte, herstellerübergreifende und industrieoffene Cloud-to-Cloud Lösung vorgestellt.

Ähnlich wie beim ISOBUS können die Anwender ihre Daten über eine Schnittstelle übertragen und in dem von ihnen favorisierten System ihren gesamten Maschinenpark steuern und überwachen. Mit DataConnect kann der Landwirt auch in Zukunft das von ihm bevorzugte Datenportal des jeweiligen Herstellers nutzen. Er hat nun aber den Vorteil, die Maschinendaten von den anderen Maschinen über die neuartige Schnittstelle zu übertragen. Das heißt, die Daten liegen weiterhin im John Deere Operations Center, bei Claas Telematics, bei MyPLM Connect von New Holland Agriculture, AFS Connect von Case IH und 365FarmNet, lassen sich aber in Echtzeit von einer in die andere Cloud übertragen.

Somit stehen dem Landwirt alle notwendigen Kennzahlen seiner Maschinen in einem System zur Verfügung. Der offizielle Start ist für Sommer 2020 vorgesehen.

Reichhardt: Die neue App „Smart Command“

Reichhardt stellte auf der Messe in Hannover mit Smart Command eine neue App für Smart-Farming-Anwendungen über mobile Endgeräte wie beispielsweise Tablets vor. Die Smart-Command-App beinhaltet drei Features für Precision Farming sowie weitere vier ISOBUS-Features, darunter Section Control und Variable Rate Control. Mit dem ISO FLEX TC-Modul erfolgt die drahtlose Verbindung zum ISOBUS, wird die Übersetzung zu Mobilfunk und WLAN sichergestellt und für die Lizenzverwaltung gesorgt. Android- und Windows-Endgeräte werden wie herkömmliche ISO-VT benutzt.

Die intuitive Bedienung folgt den bekannten Mustern in der Handhabung mobiler Endgeräte. Arbeitsschritte können aus der Situation heraus begonnen, Arbeitszeiten, Ausbringmengen und Kulturarbeiten an den Endgeräten dokumentiert werden. Der Datenaustausch mit dem Hof-PC erfolgt online ebenso wie der Zugriff durch einen Techniker im Servicefall.

Fahrzeuge und Anbaugeräte werden herstellerübergreifend in die Anforderungen moderner Betriebsführung integriert. Das spart teure Investitionen in neue Maschinen und macht den Betrieb fit für die Landwirtschaft 4.0. Die vielseitige automatische Dokumentation auf dem Tablet und Smartphone mit Online-Übertragung zum Hof-PC erleichtert nach Herstellerangaben den Verwaltungsaufwand erheblich.

Insgesamt profitiert der Anwender mit SMART COMMAND davon, dass mobile Endgeräte laufend weiterentwickelt werden und damit immer neue Apps nutzbar machen. Der Landwirt hat seinen gesamten Betrieb über ein einziges Gerät im Blick, z. B. den Wetterbericht neben der Kamera vom Hühnerstall während er auf dem Fahrzeug sitzt.

Hofmanagement für die Hosentasche

Auf der Agritechica stellte 365FarmNet die neue 365Pocket App vor. Dabei handelt es sich um ein digitales Betriebstagebuch – verfügbar für iOS und Android. Die App ermöglicht es, Arbeitsvorgänge auf dem Betrieb mithilfe des Smartphones schnell und lückenlos zu dokumentieren.

Ein CSV-Export auf den PC liefert die Datengrundlage

für alle Nachweispflichten und zusätzliche, betriebsspezifische Auswertungen. Weitere Funk-tionen sind das Anlegen von Stammdaten mit allen Kata-

logdaten inklusive Bild für Betrieb und Maschine, das Er­stellen von Notizen sowie ein Kalender mit komfortabler Suchfunktion.

Außerdem stellte 365Farmnet den Baustein „Lacos“ Fahrspurplanung vor, der die Optimierung der Fahrspuren für effizientes Arbeiten ermöglicht, auch für Landwirte, die noch kein Leitsystem haben. Der Baustein Fahrspurplanung nutzt Schläge und Maschinendaten aus den Stammdaten des 365FarmNet Portals.

Basierend auf Maschinenparametern, wie Arbeitsbreite und Wenderadius in Kombination mit Informationen zur Feldgeometrie, erstellt Lacos automatisch die effizientesten Routen. Für jede Route werden dabei Leistungsdaten, wie die Gesamtarbeitslänge und die Anzahl der Wendungen, berechnet, sodass der Landwirt verschiedene Fahrspur-Strategien vergleichen kann. Für jedes Feld lassen sich die Daten speichern.

John Deere: Großdrohne für die Landwirtschaft

John Deere und Volocopter haben auf der Agritechnica die erste Großdrohne für den Einsatz in der Landwirtschaft vorgestellt. Der ausgestellte Prototyp ist mit einer John Deere Pflanzenschutzspritze bestückt.
Foto: John Deere

John Deere und Volocopter haben auf der Agritechnica die erste Großdrohne für den Einsatz in der Landwirtschaft vorgestellt. Der ausgestellte Prototyp ist mit einer John Deere Pflanzenschutzspritze bestückt.

Die VoloDrone wird von 18 Rotoren angetrieben und hat einen Durchmesser von 9,2 m. Sie verfügt über einen vollelektrischen Antrieb mit austauschbaren Lithium-Ionen-Batterien. Eine Batterieladung ermöglicht eine Flugzeit von bis zu 30 Minuten.

Die Drone kann sowohl ferngesteuert als auch automatisiert, auf einer vorprogrammierten Route eingesetzt werden. Mit einer möglichen Zuladung von 200 kg erreicht die Drohne nach Herstellerangaben eine enorme Flächenleistung, insbesondere unter schwierigen Einsatzbedingungen.

Die VoloDrone ist mit einem standardisierten Befestigungssystem ausgestattet, das die einfache Montage unterschiedlichster Vorrichtungen für eine Vielzahl von Einsätzen ermöglicht. Für den Pflanzenschutz ist die Großdrohne mit zwei Pflanzenschutzmittelbehältern, einer Pumpe und einem Spritzbalken bestückt. Dank der niedrigen Flughöhe können große Flächenleistungen von bis zu 6 ha pro Stunde erreicht werden. Aufgrund der höheren Flexibilität und der GPS Steuerung sollen auch teilflächenspezifische Behandlungen möglich sein. Die VoloDrone soll zeitnah unter Realbedingungen erprobt werden.

Neues Einstiegsmodell für Precision Farming

Trimble präsentierte auf der Agritechnica das neue Display-System Trimble GFX-350 und den neuen Spurführungscontroller NAV-500 als Lösungen für einen kostengünstigen Einstieg in die Präzisionslandwirtschaft. Das System aus Display und Empfänger kann nach Herstellerangaben unabhängig von der Schleppermarke auch als Nachrüstlösung einfach und schnell in der Kabine beziehungsweise auf dem Kabinendach montiert werden.

Das hochauflösende 17,8-cm-HD-Farbdisplay mit Touchscreen mit Android-Betriebssystem ist Isobus-kompatibel und kann dadurch Traktoren und Anbaugeräte verschiedenster Hersteller unterstützen einschließlich der Kontrolle und Dokumentation der Ausbringungsmengen.

Das GFX-350 ist kompatibel mit dem neuen GNNS Empfänger NAV-500 und dem noch komfortableren GNNS Empfänger NAV-900. Der NAV-500 Empfänger kann die Signale von fünf verschiedenen Satelliten nutzen: GPS, Galileo, GLONASS, BeiDou und QZSS.

Das System bietet abhängig vom Signal eine wiederholbare Genauigkeit im Submeter-Bereich und damit eine Lösung, die alle Anforderungen im Betrieb von der Bodenbearbeitung über Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz bis hin zur Ernte umfassend abdeckt.

FieldBee: Spurführung auf Smartphone oder Tablet-PC

Ein komplett auf Smartphone oder Tablet-PC basiertes Spurführungssystem für Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen präsentierte das niederländisch/ukrainische Start-up Projekt FieldBee in Hannover. Im Mittelpunkt steht die FieldBee App, die per Bluetooth mit dem FieldBee GNSS Receiver gekoppelt wird.

Diese Kombination ermöglicht einen kostengünstigen Einstieg in moderne Spurführungssysteme. Bereits in der Basis­ausstattung versprechen die Entwickler eine hohe Spur-zu-Spur-Genauigkeit je nach Korrektursignal von bis zu zwei Zentimeter bei der Traktornavigation auf dem Feld ermöglicht. Zum FieldBee-Paket gehört auch ein entsprechender GNSS Empfänger, der speziell für die Smartphone-Lösung entwickelt wurde und mit dem Smartphone verbunden wird.

Zur Agritechnica stellte FieldBee den neuesten RTK-Empfänger vor, der sich durch eine höhere GPS-Genauigkeit auszeichnet. Der FieldBee RTK L2 Receiver arbeitet als eigenständige GNSS-Antenne. „Wir haben RTK L2 entwickelt, um damit, insbesondere in Problemsituationen, wie zum Beispiel in sehr hügeligem Gelände, die Empfangsleistung zu verbessern“, erläutert Michael Utkin, Geschäftsführer bei eFarmer.

Darüber hinaus ermöglicht der RTK L2-Empfänger auf sehr großen Schlägen den Empfang von NTRIP-Signalen, wie SAPOS oder FLEPOS. Er verfügt über eine Genauigkeit von +/- einem Zentimeter bei Verwendung eines RTK-Signals. „Wir sehen einen wachsenden Markt an kostengünstigen Precision Farming Lösungen, die vor allem herstellerunabhängig und modular von Landwirten eingesetzt werden können“, sagte Michael Utkin, CEO bei eFarmer.

FieldBee ist im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne von Landwirten für Landwirte entwickelt worden. Landwirte aus mehr als 30 Länder haben sich am Projekt beteiligt.

Weedseeker 2: Punktgenau Unkräuter bekämpfen

Trimble hat auf der Agritechnica die zweite Generation des WeedSeeker zur hochpräzisen Unkrautbekämpfung vorgestellt. Mittels optischer Sensoren identifiziert das System die einzelnen Unkrautpflanzen und signalisiert der entsprechenden Düse der Pflanzenschutzspritze, nur genau auf diese Pflanze eine bestimmte Menge Pflanzenschutzmittel zu applizieren.

Gegenüber dem Vorgängermodell hat der WeedSeeker 2 eine größere und schnellere Unkrauterkennungsbreite und ermöglicht eine Unkrautkartierung und Teilbreitensteuerung. Durch die punktgenaue Unkrautbehandlung wird nach Angaben des Herstellers eine Herbizid-Einsparung von bis zu 90 Prozent möglich und ist überall dort von Nutzen, wo Unkraut nur unregelmäßig wächst.

Die zweite Generation des WeedSeekers ist voll ISOBUS-kompatibel und lässt sich nicht nur mit Trimble-Displays und Spurführungssystemen nutzen. Es verbindet per ISOBUS ebenso Traktoren und Anbaugeräte verschiedener Hersteller und ermöglicht die Datenübertragung zur Kontrolle und Dokumentation der erledigten Arbeiten und der Ausbringungsmengen.

ibs – LW 48/2019