Pflanzenschutzmittel-Kanister sicher und gründlich reinigen

Und Spritze genau befüllen – 1. Preis für Volker Harz

Die Erfindung von Tüftler Volker Harz erleichtert das Reinigen von leeren Pflanzenschutzmittel-Kanistern und ermöglicht zudem das Befüllen der Spritze mit einer genauen Wassermenge. Die Armatur lässt sich an älteren Spritzen nachrüsten. Für diese Arbeit erhielt Harz den 1. Preis beim LW-Tüftlerwettbewerb.

Volker Harz hat seine Pflanzenschutzspritze „aufgerüstet“.
Foto: Imke Brammert-Schröder

Volker Harz (43) bewirtschaftet in Seelen, einem kleinen Ort im Donnersbergkreis zwischen Kaiserslautern und Bad Kreuznach, im Nebenerwerb einen 17 ha großen Ackerbaubetrieb. Raps, Erbsen, Weizen und Roggen wachsen auf seinen Feldern. Alle Arbeiten werden nach Feierabend erledigt, auch der Pflanzenschutz. Hier kommt eine Anbauspritze mit 600 l Fassungsvermögen zum Einsatz. Der Werkzeugmachermeister steckt voller Ideen, wenn es darum geht, die Arbeit leichter und effektiver zu machen. Und da das Reinigen der leeren Pflanzenschutzmittel-Kanister nur mit Hilfe eines Wasserschlauches umständlich war, machte sich Harz ans Werk, eine Spüleinrichtung für leere Kanister zu entwickeln.

In einem Katalog sah der begeisterte Metallwerker bewegliche Gelenkschläuche, wie sie etwa in Geschirrspülmaschinen verwendet werden. Die Idee nahm Konturen an, eine Armatur zu schaffen, mit der die Kanister mit Hilfe von Gelenkschläuchen sicher und einfach gespült werden können. Doch erst als Volker Harz Gelenkschläuche mit einem Durchmesser von ¾ Zoll fand, konnte er seine Pläne in die Tat umsetzen. „Sie erlauben einen Durchfluss von 72 l/min, das reicht aus, um die Spritze zügig zu befüllen.“ Die Gelenkschläuche wurden mit Absperrhähnen versehen und an T-Stücke geschraubt, die für Wasserleitungen verwendet werden.

Und da das Befüllen, die Mitteldosierung und das Reinigen der leeren Kanister häufig gleichzeitig ablaufen, versah Harz die Armatur mit einer Wasserzeitschaltuhr und einem Wassermengenzähler. „Mit der Wasserzeitschaltuhr lässt sich eine bestimmte Wassermenge einstellen. Die Wasserzufuhr wird dann automatisch abgeschaltet. Durch den Wassermengenzähler kann ich die benötigte Wassermenge genau dosieren“, erklärt Harz bei unserem Vor-Ort-Termin. Um die genaue Wassermenge für die Wasserzeitschaltuhr einstellen zu können, hat der Werkzeugmachermeister ein Diagramm entwickelt, an dem die einzustellende Zeit bei maximalem Wasserdurchfluss abgelesen werden kann. „An der Steuerung der Wasseruhr habe ich lange getüftelt“, erinnert sich Harz.

Mit den biegsamen Schläuchen können die Pflanzenschutzkanister akkurat gesäubert werden.
Foto: Imke Brammert-Schröder

Dies hat jedoch, nicht wie hier bei der Demonstration mit einem sauberen Kanister, immer mit Handschuhen und Schutzbrille zu erfolgen.

Die Wassermenge, die ins Fass läuft, kann mit der Vorrichtung genau eingestellt werden.

Beim Befüllen läuft das Wasser über Mengenzähler und Wasserzeitschaltuhr durch die beiden Gelenkschläuche in das Spritzenfass. Wenn es einmal schneller gehen soll, hat Volker Harz die Möglichkeit, den Wasserschlauch an das T-Stück zwischen den beiden Gelenkschläuchen anzuschließen und so Wassermengenzähler und Uhr zu umgehen. Aber ganz gleich, welcher Weg zum Befüllen der Spritze gewählt wird: Das Reinigen der Kanister bleibt gleich. Hierfür wird der Hahn eines Gelenkschlauchs zunächst zugesperrt, der Schlauch in die Mitte des Einfülldoms geführt und dort mit der Öffnung nach oben gebogen. „Nun kann der Kanister über den Schlauch gestülpt werden. Wird der Hahn dann geöffnet, kann der Kanister problemlos und sicher gereinigt werden. Das gilt natürlich auch für Messbecher oder die Deckel der Kanister“, erläutert Harz. Die Intensität des Wasserstrahls kann über den Absperrhahn des zweiten Schlauchs variiert werden. Außerdem hat der Tüftler die Gelenkschläuche mit zwei verschieden großen Düsen versehen. „Mit der kleineren hat man eine bessere Spülwirkung“, so Harz, und erklärt weiter: „Der Gelenkschlauch reinigt sich selbst, wenn der Kanister sauber ist.“

Die Befüllarmatur ist an der Befestigung des Spritzgestänges angeschraubt. Die Wasserzufuhr erfolgt über einen Wasserschlauch. Damit auf keinen Fall Spritzbrühe oder Pflanzenschutzmittel bei einem Druckabfall in die Wasserleitung geraten kann, hat Harz am Schlauch ein Rückschlagventil angebracht. „Die Kanisterreinigung habe ich im Herbst bei der Unkrautbekämpfung im Wintergetreide getestet. Alles hat einwandfrei funktioniert“, sagt Harz zufrieden.

An Ideen mangelt es Volker Harz nicht. Wenn er etwas Interessantes entdeckt, überlegt er, ob und wie er es im eigenen Betrieb nutzen kann. „Ich bräuchte nur mehr Zeit, um meine Ideen umzusetzen“, sagt er lachend. Bereits im letzten Jahr hat Volker Harz die Jury mit seiner Entwicklung eines transportablen Schweißgeräts überzeugt und im Tüftlerwettbewerb den zweiten Platz belegt.

ibs – LW 9/2016