Waldecker feiern Erntedank und begrüßen die Absolventen

Waldecker Kreiserntedankfest in Affolderner Festhalle

Der Kreisbauernverband Waldeck (KBV) feierte am vergangenen Sonntag gemeinsam mit der Kreislandjugend, dem Bezirkslandfrauenverein, der Landseniorenvereinigung und dem LFV Bergheim und Affoldern ein schwungvolles Kreiserntedankfest in Edertal-Affoldern. Der Festtag begann mit einem Erntedankgottesdienst, den Prädikant Wolfgang Heidl gestaltet hatte. Höhepunkt der berufsständischen Feier mit Festvortrag war die Ehrung der Absolventen landwirtschaftlicher Berufs- und Fachschulen.

Volks­tänze, Aufführungen und Festreden gestalteten den Rahmen der Feier. Ehrengäste sprachen über Herausforderungen die vor der Landwirtschaft stehen. „Im Kreis können wir mit der diesjährigen Ernte zufrieden sein“, zog Karsten Schmal als Vorsitzender des KBV und ebenfalls Präsident des Hesischen Bauernverbandes (HBV) Bilanz über das Erntejahr. Das Wetter stelle den Berufsstand immer wieder vor neue Herausforderungen, aber auch bei wechselnden Rahmenbedingungen für die Produktion müssten Landwirte flexibel reagieren. Trotz allem sei die Ernte, die nicht immer einfach war, und den Familien einiges abverlangte, ein Grund zur Dankbarkeit. 800 Mio. Menschen, die weltweit hungerten oder in Dürregebieten lebten, „wären froh, wenn sie unsere Bedingungen hätten“.

Edertals Bürgermeister Klaus Gier ging auf den weiterhin beachtlichen Stellenwert der Landwirtschaft in der Region ein. Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese bezeichnete das Kreiserntedankfest als „Zeichen der Heimatliebe und Verbundenheit“.

Absolventen wurden geehrt

Erfolgreiche Absolventen der landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen wurden geehrt. Bachelor: Anna-Lena Tent, Korbach. Betriebswirt: Alexander Behr, Andre Viering (beide Landau). Landwirt: Maik Rudolf Zok (Twistetal), Steffen Henckel (Adorf), Nico Leonhard Decker (Fürstenberg), Johannes Hold (Ehringen), Wiebke Pohlmann (Welleringhausen), Johannes Schäfer (Rattlar), Jakob Wittmer-Eigenbrodt (Hof Lauterbach), Johannes Vollbracht (Giebringhausen).

„So vielfältig, wie das Wetter in Waldeck in den letzten Wochen war, so vielfältig sind auch die Berufsaussichten in der Landwirtschaft“, sagte Heiko Kieweg bei der Ehrung. Friedrich Pohlmann vom Verein für Landwirtschaftliche Fortbildung hob den Stellenwert gut ausgebildeter Landwirte hervor. „Sie sind Garanten dafür, dass auch künftig ein attraktives Leben im ländlichen stattfindet und die dörfliche Kultur erhalten bleibt.“

Für den Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises gratulierte Harald Rösler und überreichte Wiebke Pohlmann und Johannes Hold Gutscheine für die besten Abschlüsse. Die berufsständische Feier wurde umrahmt von Volkstänzen der Landjugendgruppe aus Wirmighausen und mit Musikstücken der Gitarrengruppe Edertal. Viele Gäste hieß Schmal willkommen, darunter Hessens Milchkönigin Sarah I. sowie Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont und Erbprinz Carl Anton. Den Erntedank-Gottesdienst zum Auftakt hielt Prädikant Wolfgang Heidel. Der Posaunenchor Edertal umrahmte die Feier. Nach Ende des offiziellen Programms in der Festhalle ließen die Besucher den Sonntag gesellig ausklingen.

Mit dem Wandel in der Landwirtschaft umgehen

In ihrer Festansprache skizzierte Sonnele Göckeritz von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck den Wandel in der Landwirtschaft auf dem Weg zwischen Tradition und Zukunft und das schwindende Verständnis in der Bevölkerung für den Berufsstand. Vor 150 Jahren ernährte ein Landwirt statistisch gesehen einen halben Menschen zusätzlich. „Heute sind es 155 Menschen.“ Vollerwerbsbetriebe seien längst nicht mehr in allen Orten anzutreffen. Das Wissen um landwirtschaftlich arbeitende Betriebe nehme ab, moderne Agrarunternehmen seien oft fremd im eigenen Dorf.

Tierhaltung in der Kritik, aber Fleischkonsum steigt

Besorgt zeigte sich die Fachreferentin für Kirche im ländlichen Raum über zunehmende Entfremdung der Verbraucher von Lebensmitteln. „Das in Folie verpackte Schnitzel aus der Kühltheke wird längst nicht mehr als Tier wahrgenommen.“ Fehlende Kenntnis in der Hauswirtschaft führten zur Verschwendung von Lebensmitteln. „Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung leidet unter großem Akzeptanzverlust der Bevölkerung bei gleichzeitig steigendem Fleischkonsum“, zeigte Göckeritz Gegensätze auf. „Ich wünsche mir eine neue Solidarität zwischen Verbrauchern und Erzeugern von Lebensmitteln.“ Das sei eine Herausforderung für Landwirtschaft und Kirchen im ländlichen Raum.

Landwirte suchen den Dialog mit der Gesellschaft

Wie der Bauernverband damit umgehe, erläuterte Vorsitzender Schmal. „Wir suchen den Dialog mit der Gesellschaft, um Vertrauen zurückzugewinnen.“ So würden Schulklassen auf die Betriebe eingeladen, um moderne Landwirtschaft zu sehen.

Höhne  – LW 41/2017