„Wega – hellster Stern am Öko-Kartoffelhimmel 2017“

Testessen zum Öko-Kartoffelsortenversuch 2017

Jedes Jahr bildet das Kartoffeltestessen den Abschluss des Sortenversuchs. Denn schließlich müssen die angebauten Sorten schmecken und beim Verbraucher gut ankommen. Zur vergangenen Anbausaison fand das Testessen im Oktober 2017 statt; über die Ergebnisse berichtet Jutta Kling, KÖL, Verbraucherinformation.

Erstmalig wurden 16 Kartoffelsorten im Sortenversuch des KÖL unter Regie von Christine Zillger angebaut: acht frühe und acht mittelfrühe Sorten. Als Tester eingeladen waren Fachberater der Dienstleistungszentren und der Kartoffelzüchtung, Landwirte und Köche sowie Endverbraucher – ein Spektrum, das weitgehend erfahrene, sensorisch sensibilisierte Menschen um den Tisch versammelte. 17 Personen umfasste die Tester-Kommission.

Die Testerkommission und der Test

Die Knollen wurden von der Testerkommission nach den Merkmalen Zerkochen, Pellfähigkeit, Fleischfarbe, Konsistenz, Mehligkeit, Struktur, Feuchtigkeit, Geruch und – als wichtigstes Kriterium – Geschmack begutachtet. Als Bewertungsgrundlage dient ein modifiziertes Bewertungsschema des Bundessortenamtes. Die Tester gaben Bewertungen der einzelnen Proben in vier Stufen von „bevorzugt essen“ bis „keinesfalls essen“ ab. Dazu gaben sie Noten von 1 bis 9, wobei 1 für „außergewöhnlich gut“ und 9 für „möchte ich keinesfalls essen“ standen. In der Rubrik früh abreifend waren neu dabei: die drei vorwiegend festkochenden Queen Anne, Lisana und Julinka sowie die festkochende Ballerina. In der Rubrik mittelfrüh wurde die Sorte Mariola, vorwiegend fest kochend neu hinzugenommen. Im zweiten Jahr wurden die fest kochenden Sorten Loreen und Otolia (beide mittelfrüh) sowie die mehlige Miranda (früh) getestet. Gunda (mk) wurde im dritten Jahr und die Sorten Almonda, Goldmarie, Cascada im vierten Jahr getestet. Allians, Ditta, Regina und Wega waren die Verrechnungssorten. Bisher wurden die Sorten drei Jahre geprüft, dann durch neue ersetzt; erstmalig waren einige Sorten vier Jahre in der Prüfung.

Wega ist die Testsiegerin

  • Merkmal „Zerkochen“: Die Schale aller fest kochenden Sorten blieb beim Kochen ganz oder sprang nur leicht auf; die mehligen Knollen waren stark aufgesprungen; die vorwiegend fest kochenden – bis auf Queen Anne, deren Schale ganz blieb – waren leicht aufgesprungen.
  • Merkmal „Fleischfarbe“: Wega, Regina und Allians wiesen eine tiefgelbe, Miranda, Gunda und Julinka eine hellgelbe und alle anderen Sorten eine mittelgelbe Farbe auf.
  • Merkmal „Struktur“ (Verteilung der Stärkekörner in der Knolle): Bei fast allen Sorten war die Struktur im feinen bis mittleren Bereich, das heißt es waren keine beziehungsweise wenige Stärkekörnchen zu erkennen, und die gegarte aufgeschnittene Knolle hatte eine einheitliche Farbe. Eine gröbere Struktur wiesen Julinka, Lisana, Loreen und Otolia auf.
  • Die Noten der 17 Sorten (16 Sorten aus dem Sortenversuch, eine 0-Sorte zum „Einschmecken“) lagen im Bereich von 2,4 bis 5,3. Die Durchschnittsnote betrug 3,8.
  • Testsieger waren die Sorten Wega (2,4), Cascada (2,5) und Lisana (2,8). Anscheinend mochte die Mehrzahl der Testerkommission keine mehligen Kartoffeln, da diese die letzten Plätze in der Bewertung belegten.
  • Weitere sechs Sorten schnitten durchschnittlich bis überdurchschnittlich ab. Insgesamt war es ein sehr gutes Ergebnis. Die Knollen reiften gut aus, was sich im Geschmack und recht hohen Stärkegehalten widerspiegelt. Im Krautfäulejahr 2016 waren mehrere Sorten nicht bewertbar.

Die Test-Sorten im Überblick

1. Wega – Note 2,4 (Verrechnungssorte, vorwiegend festkochend, Reifezeit früh, Firma Norika, Zulassung 2010): mit ihrer ovalen Knollenform und ihrem tiefgelben Fleisch schön anzusehen; Geruch und Geschmack sehr angenehm; harmonisch, abgerundet, leicht süßlich, leicht metallisch im Abgang, sehr dünne Schale; cremig bis fest ‑ eine „Aromakartoffel“. Wega ähnelt der Marabel; sie hat nur größere Knollen; in der Direktvermarktung ist sie sehr beliebt. Der Stärkegehalt von 12,2 Prozent sei „top“, so Manfred Mohr, landesweiter Koordinator von Beratung und Versuchswesen im Kartoffelbau.

2. Cascada – Note 2,5 (im vierten Jahr, vorwiegend fest kochend, Reifezeit mittelspät bis spät, Firma Norika, Zulassung 2009) folgte dicht dahinter auf dem zweiten Platz. Cascada konnte als späte Sorte dieses Jahr richtig abreifen und so auch geschmacklich punkten. Letztes Jahr landete sie aufgrund von Nichtausgereiftheit auf einem der letzten Plätze. Von allen Sorten wies sie die beste Pellfähigkeit auf; sie hatte viel Geschmack, war vollmundig und harmonisch eine echte „Veganerkartoffel“. Der Ertrag war etwas überdurchschnittlich; sie erwies sich als sehr gesund auf dem Feld. Durch ihr dichtes Kraut unterdrückte sie die Disteln. Cascada reift bei der Lagerung, das heißt, der Geschmack wird besser. Der Stärkegehalt beträgt 14 Prozent.

3. Lisana – Note 2,8 (neu, vorwiegend fest kochend, früh, Firma Bavariasaat, Zulassung 2016) war aromatisch, harmonisch, vollmundig, süßlich, leicht bitter im Abgang. Sie kam auch bei anderen Testessen gut an. Auch Lisana hatte einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag und einen Stärkegehalt von 12,4 Prozent.

4. Almonda – Note 3,0 (im vierten Jahr dabei, festkochend, mittelfrüh, Firma Solana, Zulassung 2013) hatte den Geschmack einer guten festkochenden, aber die Konsistenz einer mehligen Kartoffel; sehr stückig, trotzdem zerfallend; eine mandelige Note; mild, ohne nennenswerten Nachgeschmack. Almonda tendiert in der Kocheigenschaft zu vorwiegend fest kochend. Es gab viele sehr große Knollen. Im Ertrag unterdurchschnittlich; mit einem Stärkegehalt von 15,7 Prozent höchster Stärkegehalt im Test.

5. Ditta – Note 3,1 (Verrechnungssorte, festkochend, mittelfrüh, Firma Europlant, Zulassung 1991) schmeckte kräftig kartoffelig, leicht nussig. „Eine sehr schöne Salatkartoffel“, lautete das Fazit. Ditta ist eine Lagerkartoffel, die bei der Lagerung nachreift und erst im Spätwinter bis Frühjahr ihr volles Aroma entwickelt. Normalerweise liegt sie in der Bewertung bei Testessen im Herbst nach der Ernte meist auf den letzten Plätzen. Bei den Verbrauchern ist Ditta recht beliebt als gute Allround-Kartoffel (wie Belmonda). Der Ertrag war durchschnittlich, Stärkegehalt 13,5 Prozent.

6. Mariola – Note 3,3 (neu, vorwiegend festkochend, mittelfrüh, Firma Europlant, Zulassung 2010) leicht nussig, zerfiel beim Kochen, trotzdem festes Mundgefühl. Mariola hatte in der Gruppe mittelfrüh den höchsten Ertrag und einen Stärkegehalt von 14,6 Prozent.

7. Allians – Note 3,4 (Verrechnungssorte, festkochend, mittelfrüh, Firma Europlant, Zulassung 2004) ist seit 2008 im Sortenversuch und belegte dieses Mal einen Platz im mittleren Bereich. Sie gab sich aromatisch, rund, leicht süßlich, cremig und gut ausgereift. Dank ihres guten Geschmacks, ihrer hohen Erträge und ihrer Gesundheit auf dem Feld ist sie seit Jahren unter den besten neu gezüchteten und getesteten Sorten. Der Ertrag war dieses Jahr durchschnittlich, der Stärkegehalt lag bei 14,9 Prozent.

8. Loreen – Note 3,7 (im zweiten Jahr, vorwiegend festkochend, mittelfrüh, Saatzucht Fritz Lange, jetzt Firma Norika, Zulassung 2015) präsentierte sich sehr inhomogen: die einen Knollen wiesen einen kräftig kartoffeligen, vollmundigen Geschmack auf „wie eine gute Allians oder Wega“; die anderen Knollen rochen und schmeckten muffig abgestanden, mit Kellergeruch und -geschmack. Nach Rücksprache mit der Firma Norika könnte dies daran liegen, dass die Knollen an einer Ecke zuviel N aufgenommen hatten. Sie scheint sehr empfindlich auf N zu reagieren. „Loreen wird auch von alleine groß“. Düngung sei nicht notwendig. Die Knollen sollten eng gelegt werden. Bewertet wurden die einwandfreien Knollen. Loreen ist von den mittelfrühen Sorten eine der ersten abreifenden. Bezüglich der Reifegruppe liegt sie zwischen „früh“ und „mittelfrüh“. Ertrag unterdurchschnittlich, Stärkegehalt 13,7 Prozent.

9. Regina – Note 3,8 (Verrechnungssorte, festkochend, mittelfrüh, Firma Europlant, Zulassung 2009) gab sich harmonisch mild, buttrig mit sehr angenehmem Nachgeschmack; für eine Salatkartoffel fühlte sie sich leicht mehlig und trocken an. Sie könnte im Lager besser werden. Die Eltern sind Allians und Belana. Da sie im Krautfäulejahr 2014 Testsiegerin mit der Note 2,7 war, kann man davon ausgehen, dass sie recht krautfäuleresistent ist und gut ausreifen konnte. 2017 hatte sie Virus-Befall. Ertrag unterdurchschnittlich, Stärkegehalt 13,7 Prozent und damit hoch für eine Salatkartoffel.

10. Goldmarie – Note 4,4 (im vierten Jahr dabei, festkochend, Reifezeit früh, Firma Norika, Zulassung 2013) gab sich mild, eher flach und ohne besonderes Kartoffelaroma mit cremigem Mundgefühl. Auch Goldmarie reagiert sehr empfindlich auf Stickstoff. Normalerweise wird sie als eine gute Direktvermarkter-Kartoffel gehandelt. Im Ertrag war sie etwas unterdurchschnittlich, Stärkegehalt 13,8 Prozent

11. Queen Anne – Note 4,5 (neu, vorwiegend festkochend, Reifezeit früh, Firma Solana, Zulassung 2012) wies eine süßliche, leicht bittere Note auf, letzteres wohl von zu viel Stickstoff; im Mund gab sie sich stückig und fest. Etwas ungewöhnlich für eine vorwiegend festkochende Sorte ist ihre langovale Form. Beim Legen hatte sie Fusarium (leicht eingesunkene Stellen) aufgewiesen. Sie hatte den zweithöchsten Ertrag und einen Stärkegehalt von 12,5 Prozent - wenig für eine vorwiegend festkochende Sorte.

11. Julinka – Note 4,5 (neu, vorwiegend festkochend, Reifezeit früh, Firma Europlant, Zulassung 2012), im Geschmack sehr mild, leicht maronig, sehr fest im Mund. „Schmeckt wie eine Kartoffel vor 20, 30 Jahren, so ein Tester. Es soll keine Bio-Vermehrung mehr geben. Im Ertrag unterdurchschnittlich, der Stärkegehalt liegt bei 13,9 Prozent.

12. Gunda – Note 4,6 (im dritten Jahr, mehligkochend, früh, Firma Europlant, Zulassung 1999) schmeckte aromatisch, nussig, leicht bitter im Abgang; im Mundgefühl cremig. Trotzdem kam sie nur auf einen der hinteren Plätze. Sie hatte wie bisher wieder den geringsten relativen Ertrag aller Testsorten. Laut Manfred Mohr passe sie nicht in unser Klima. Für diese Sorte sei es im rheinhessischen Rheintal zu warm; es gäbe zu viel Sonne. Vorkeimen sei kontraproduktiv. Trotz allem gibt es Liebhaber dieser Sorte. Stärkegehalt 15,1 Prozent.

13. Miranda – Note 5,1 (im zweiten Jahr dabei, eine frühe mehlige Sorte mit hellgelbem Fleisch, Firma Solana, Zulassung 2001) gab sich sehr mehlig; im Geschmack abgerundet, buttrig und sehr mild; sie roch leicht nach grünen Bohnen. Miranda ist eine Zweinutzungssorte: Speisekartoffel und Pommes-frites-Kartoffel. Sie wurde für den holländischen Markt produziert – viele Holländer lieben weißfleischige Kartoffeln. Sie hatte einen überdurchschnittlichen Ertrag und einen Stärkegehalt von 15,4 Prozent.

14. Otolia – Note 5,2 (im zweiten Jahr dabei, vorwiegend festkochend, mittelfrüh, Firma Europlant; Zulassung 2016) hatte sehr wenig Aroma, war ausdrucksarm. Otolia war die gesündeste Sorte auf dem Feld, zeigte keine Krautfäuleanfälligkeit. Für Produzenten gut, für Verbraucher weniger. Sie ist sehr ertragreich mit vielen Übergrößen, hatte einen Stärkegehalt von 14,2 Prozent.

15. Ballerina – Note 5,3 (neu, festkochend, Reifezeit früh, Firma Norddeutsche Saat (NSP), Zulassung 2006) kam auf den letzten Platz. Sie schmeckte unangenehm karamellig, mit Gumminote; klebriges Mundgefühl am Gaumen. Schmeckte wie „eine obere Knolle aus einem Topf angebrannter Kartoffeln“. Die Knollen waren wegen massivem Kartoffelkäferbefall nicht richtig ausgereift und hatten einen unterdurchschnittlichen Ertrag sowie den geringsten Stärkegehalt von 11,9 Prozent.

Die sogenannte Null-Sorte, mit der die Tester das Bewerten und das Schmecken zu Beginn des Sortenversuchs übten, war – wie bereits im letzten Jahr – die von Hartmut Spieß auf dem Dottenfelder Hof, Bad Vilbel, gezüchtete HS-PN-08. Sie ist rund in der Form, die Schale ist stark genetzt und rau, goldgelb das Fleisch. Sie war krautfäuleresistent im Anbau. Die Kocheigenschaften sind als vorwiegend festkochend bis mehlig einzustufen. Sie hatte ein angenehm kräftiges Kartoffelaroma und schmeckte süßlich. Inoffiziell bekam sie mit 3,6 Punkten einen Notendurchschnitt im mittleren Bereich. Fazit: Bei den neu getesteten Sorten gab es keine, die besonders hervorstach. Es gab auch keine wirklichen „Ausrutscher“, also Sorten, die völlig abgelehnt wurden. Alle haben im Anbau und in ihrer Verwendung ihre Berechtigung. Jeder Landwirt wird je nach Boden- und Lageverhältnissen sowie den Wünschen seiner Kunden entscheiden, welche Sorten er anbaut, ob er neue ausprobiert oder bei altbewährten bleiben wird.

 – LW 4/2018