Nicht zu süß
Zucker ist süß und schmeckt gut. Doch es ist unstrittig, dass ein Übermaß davon Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies begünstigt. Da in Deutschland der Konsum zuckergesüßter Getränke vergleichsweise hoch ist, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in ihrem Reformpaket, das die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren soll, eine Herstellerabgabe auf Süßgetränke erneut als Gegenmaßnahme ins Spiel gebracht: die Zuckersteuer.
Zuckerhersteller werfen der Regierung vor, damit auf ihre Kosten Haushaltslöcher stopfen zu wollen. Bundesagrarminister Alois Rainer lehnt eine Zuckersteuer strikt ab. Statt staatlicher Lenkungssteuer setzt er auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelwirtschaft zur Reduktion von Zucker, ebenso von Fett und Salz. Zur zusätzlichen Belastung für die regionale Lebensmittelproduktion darf eine Zuckersteuer nicht werden.
Ärzte und Verbraucherschützer verweisen darauf, dass ernährungsmitbedingte Krankheiten das Gesundheitssystem Milliarden kosten. Die Zuckersteuer soll deshalb nicht nur das Verhalten der Verbraucher beeinflussen, sondern auch Hersteller dazu verpflichten, ihre Rezepturen zu verändern.
Ein Blick ins Ausland zeigt: Viele Hersteller senkten nach Einführung der Zuckersteuer den Zuckergehalt ihrer Getränke deutlich, um die Abgabe zu umgehen. In Großbritannien beispielsweise gingen damit schwere Kariesfälle bei kleinen Kindern zurück. Weitere Erfahrungen aus dem Ausland zeigen allerdings, dass mit der Einführung der Zuckersteuer nicht alle Bevölkerungsgruppen ihr süßes Trinkverhalten änderten. Außerdem können die Softdrink-Hersteller auf den Einsatz von künstlichen Süßstoffen ausweichen. Weniger Zucker wäre dann nicht gleichbedeutend mit einer besseren Ernährung.
Fakt ist: Übergewicht und andere ernährungsmitbedingte Erkrankungen entstehen nicht nur durch Zucker. Nachhaltige Erfolge setzen voraus, dass Eigenverantwortung für das Ernährungsverhalten übernommen und durch Ernährungsbildung, Bewegungsförderung, Aufklärung und niedrigschwellige Präventionsmaßnahmen unterstützt wird.
Dr. Stephanie Lehmkühler – LW 25/2026
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