Biogas – Totgesagte leben länger
Der Schlingerkurs bei der deutschen Energiepolitik macht es den Akteuren in der Branche nicht gerade leicht. Egal ob E-Mobilität, Heizen mit Holz oder Förderung von Photovoltaik – alle paar Jahre wird alles wieder in Frage oder auf den Kopf gestellt, und die notwendige langfristige Planungssicherheit wird investitionswilligen Unternehmen oder Privatpersonen nicht gewährt. Besonders hart trifft es die Betreiber von Biogasanlagen, die schon etliches an Kehrtwendungen haben verkraften müssen. Vor allem wegen der hohen Investitionssummen und der langen Amortisationszeiträume sind hier langfristig stabile Rahmenbedingungen unerlässlich.
Gerade weil Biogasanlagen grundlastfähig und so eine ideale Ergänzung zum Strommix aus stark schwankenden erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft sind, wäre ein Verlust dieser Anlagen, die neben Strom auch Wärme erzeugen, ein herber Rückschlag für die deutsche Energiewende.
Bis die Entscheidungsträger dies endlich einsehen, müssen die Betreiber schauen, wie sie über die Runden kommen – auch ohne Förderung oder langfristige Verträge aus dem ErneuerÂbare-Energien-Gesetz (EEG). Hierzu gibt es einige Ansätze: Bei Biogasanlagen können über Strom und Wärme hinaus weitere (Neben-) Produkte erzeugt und vermarktet werden. Außerdem werden durch hohe Energie-Preise und technischen Fortschritt Verfahren wirtschaftlich, die es vor einigen Jahren noch nicht waren.
Ein Beispiel ist die Biogasanlage der Agrargenossenschaft Niederpöllnitz eG, deren Geschäftsführer nach Auslaufen der EEG-Vergütung neue Wege beschreiten, um die Anlage weiterhin wirtschaftlich betreiben zu können und den Betrieb Energie-unabhängiger werden zu lassen. Ein Standbein hierbei ist eine neue Biogasaufbereitungsanlage, die Methan von Kohlendioxid trennt. Dieses CO2 wird als ebenfalls biogenes Gas vermarktet. Das durch die Abscheidung hochwertigere Biomethan wird ins Erdgasnetz eingespeist.
Mit welchen weiteren Maßnahmen das Unternehmen seine Biogasanlage zukunftsfähig machen will und was noch für die Zukunft an Möglichkeiten ins Auge gefasst wird, lesen Sie in dieser LW-Ausgabe ab Seite14.
Karsten Becker – LW 16/2026
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