Chemischer Pflanzenschutz ist das i-Tüpfelchen

Obwohl immer wieder in der Kritik, ist der Einsatz von chemischen Produkten weiterhin eine wichtige Säule des integrierten Pflanzenschutzes. Dieser ist definiert als ein Zusammenwirken von Verfahren, die – unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen – die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß reduzieren.

Landwirtinnen und Landwirte sind dazu verpflichtet, diese allgemeinen Grundsätze zu beachten. Dennoch wird ihr Spielraum bei der Anwendung chemischer Produkte immer weiter durch Auflagen und Verbote eingeschränkt. Mittlerweile führt diese Einengung dazu, dass einerseits keine Möglichkeiten gegen bestimmte Krankheiten und Schädlinge mehr bestehen. Andererseits führt die einseitige Anwendung noch zugelassener Wirkstoffe dazu, dass bei den Zielorganismen verstärkt Resistenzen auftreten.

Hoffnung macht hinsichtlich dieses ganzen Themenbereiches die fortschreitende Anwendung von Precision Farming. Durch GPS- und Kamera-gesteuerte Spritzen, die einzelne Düsen ansteuern können und KI-gestützt Unkräuter von Nutzpflanzen unterscheiden, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, Pflanzenschutzmittel gezielt und hocheffizient einzusetzen. Wenn nur noch exakt die Zielpflanze getroffen wird und der Boden sowie Nutzpflanzen nicht mehr benetzt werden, wird zum einen die eingesetzte Mittelmenge enorm gesenkt und zum anderen die Einsatzmöglichkeit der Mittel deutlich flexibler. Man muss beispielsweise keine Rücksicht auf die Kulturverträglichkeit mehr nehmen, denn diese kommt mit dem Mittel gar nicht mehr in Kontakt. Die Technik ermöglicht sogar, zwischen Ungräsern und Unkräutern zu unterschieden und entsprechende Wirkstoffe aus verschiedenen Tanks zu applizieren.

Wichtig wird nun sein, diese Möglichkeiten bei den Genehmigungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu berücksichtigen. Dann kann der chemische Pflanzenschutz nach Ausschöpfung aller im integrierten Pflanzenschutz möglichen Maßnahmen das i-Tüpfchelchen im konventionellen Ackerbau sein.

Karsten Becker – LW 37/2026