Grüne Berufe attraktiv gestalten
Die Grünen Berufe verzeichnen bei den jüngsten Erhebungen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge eine stabile Entwicklung: Danach haben 2025, mit einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr, bundesweit 13 696 junge Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag in einem Grünen Beruf unterzeichnet. Besonders gefragt: Gärtner mit 5 065 und Landwirte mit 4 742 Neuverträgen. Auf diesen Zahlen darf sich jedoch keiner ausruhen. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses bleibt eine dauerhafte Aufgabe, die kontinuierliche Anstrengungen in Qualifizierung, Attraktivität und Finanzierung verlangt. Schließlich sind die Grünen Berufe für die Ernährungssicherheit der Bevölkerung unverzichtbar. Zudem leisten sie einen zentralen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz.
Doch vor dem Hintergrund, dass derzeit etwa die Hälfte der Betriebsleiter älter als 55 Jahre ist, wird die Hofnachfolge an vielen Standorten zur Herausforderung. Der Anteil der nachrückenden Generation (unter 40 Jahre) liegt bei rund zwölf Prozent – zu wenig, um alle Betriebe perspektivisch zu sichern. Zusätzlicher Druck entsteht durch aktuell angespannte Erzeugerpreise, die die wirtschaftliche Stabilität, Investitionsspielräume und damit auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe beeinträchtigen können.
Um als Beruf für junge Menschen weiterhin attraktiv zu bleiben, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Benötigt werden wirtschaftliche Anreize, Fördermöglichkeiten, Planungssicherheit und faire Preise. Gleichzeitig gilt es, den hohen Regulierungs- und Dokumentationsaufwand spürbar zu reduzieren.
Zum attraktiven Berufsbild in der grünen Branche zählt zudem eine gute Infrastruktur der dualen Ausbildung. Dazu gehören unter anderem: Ausbildungsstätten mit qualifiziertem Lehrpersonal, die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, tragfähige Netzwerke und sachkundige Angebote zur Ausbildungs- und Laufbahnberatung.
Mit dem technologischen Wandel, mehr Digitalisierung und KI-gestützten Systemen wächst der Bedarf an gut ausgebildeten Berufseinsteigern, die diese Technologien bedienen und betriebswirtschaftlich sinnvoll nutzen können. Betriebe, die diesen Wandel aktiv mitgestalten, sind oft besonders attraktiv für Bewerber. Sie stärken damit außerdem die eigene Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit.
Dr. Stephanie Lehmkühler – LW 6/2026
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