Potenziale Ausschöpfen – mit Bedacht

Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile omnipräsent in unser aller Alltag. Sie hilft bei Fragen weiter, verfasst Anschreiben und wertet fleißig Daten aus. Gerade in Zeiten fortschreitender Digitalisierung ist deshalb ein kompetenter Umgang mit digitalen Anwendungen und KI unerlässlich. Ob und wie diese Kompetenz erlangt wir, hängt zunächst von jedem selbst ab.

Fest steht, dass beim Umgang mit KI Vorsicht angebracht ist – nicht nur vor Fehlinformationen. Zwar ermöglichen Einstellungen in den Anwendungen den Nutzern, die Verwendung ihrer Daten zu untersagen. Doch wie die Daten verwendet werden, die Nutzer in KI-Chats eingeben oder hochladen, ist bei einigen Anbietern unklar. Denn gespeichert werden sie meist trotzdem. Hier gilt: Datenschutz ist kein Nice-to-Have, sondern ein Schutz der Intim- und Privatsphäre. Wer leichtfertig Adress- und Kontaktdaten preisgibt, wird schnell zur Zielscheibe für Cyberattacken, betrügerische Anrufe oder Fake-Schreiben per Post.

Neben all den Gefahren schlummert in der KI vor allem ein hohes Potenzial zur Effizienzsteigerung. Schon seit Jahrzehnten erheben landwirtschaftliche Betriebe nahezu kontinuierlich Daten – ob für sich selbst oder aufgrund von Dokumentationspflichten sei dahingestellt. Die großen Tech-Unternehmen haben längst deren Wert erkannt und nutzen sie für die Produktentwicklung und -verbesserung. Damit auch landwirtschaftliche Betriebe den Wert ihrer Daten ausschöpfen können, brauchen sie neben der Hoheit über diese auch die Fähigkeit sie zu nutzen. Dazu nötig sind in erster Linie Wissen, geeignete Programme und simple Strukturen, die ihnen die Daten bereitstellen und sie plattformübergreifend nutzbar machen. Daran hapert es bislang noch – EU-weit beschäftigt sich die Politik jedoch bereits mit diesem Problem und arbeitet an der sogenannten Interoperabilität. Ein wichtiger Schritt hierfür war zum Beispiel der EU-Data-Act aus dem vergangenen Jahr.

Erlangen landwirtschaftliche Betriebe die Hoheit über ihre Daten, macht sie das auch weniger abhängig von einzelnen Maschinen- und Software-Herstellern. Und das sollte letztendlich doch immer das Ziel sein: Weniger Abhängigkeiten für die Betriebe zu schaffen und sie handlungsfähig zu halten.

Annika Schön – LW 8/2026