Stress für Nutztiere

In der Landwirtschaft gibt es viele Herausforderungen, eine besondere ist in diesem Jahr die seit Juni anhaltende Hitze und Trockenheit. Kurzzeitig können solche Phasen gut kompensiert werden. Für Milchviehhalter wird das jedoch zunehmend schwieriger, denn Grasschnitte sind ausgefallen und auch für die Maisernte wird in vielen Regionen mit einer deutlich geringeren Menge und Qualität gerechnet. Hier gilt es, die Rationen umzuplanen – beispielsweise durch die Ergänzung zerkleinerter Kartoffeln oder von Nebenprodukten aus der Lebensmittelerzeugung. Auch der Einsatz von Heu und Stroh sowie der Anbau von Winterzwischenfrüchten oder Ganzpflanzensilagen kann eine Option sein. Das sind zwar jeweils lediglich Kompromisse, sie können jedoch als Überbrückung dienen (ausführlicher Beitrag dazu siehe LW-Ausgabe 31, Seite 24).

Besonders betroffen sind die Weidetierhalter von Mutterkühen oder Schafen, denn die Wiesen sind in vielen Regionen verdorrt und liefern kaum Futter. Die Folge ist auch hier, dass die Erzeugung sich bei der ohnehin sehr angespannten wirtschaftlichen Lage zusätzlich verteuert, weil Futter zugekauft werden muss. Der Vorsitzende des Hessischen Verbandes für Schafzucht- und -haltung, Reinhard Heintz, informiert in der aktuellen Ausgabe ab Seite 16 über die Situation der Schafhalter.

Die Hitze selbst hat große Auswirkungen auf das Tierwohl: Die Milchleistungen bei Kühen sinken, die Fruchtbarkeit verschlechtert sich und weil das Immunsystem stärker belastet wird, steigt die Krankheitsanfälligkeit – beispielsweise für Euterentzündungen. Bei tragenden Tieren wirkt sich der Hitzestress sogar auf die Föten und damit die Milchleistung der späteren Kühe aus. Da solche Hitzephasen vermutlich künftig häufiger zu erwarten sind, gilt es Vorkehrungen zu treffen. Das Stallklima sollte optimiert werden, beispielsweise durch den Einbau zusätzlicher, großer Lüfter. Sprinkler können in Fressachsen installiert und Dächer isoliert werden. Anregungen liefert unser Beitrag aus LW-Ausgabe 27, Seite 28.

Worauf zu achten ist, wenn Pferde in Hitzestress geraten, lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 24.

Marion Adams – LW 32/2026