Stroh ist ein wahres Multitalent
Stroh ist nicht einfach nur ein Ernterest. Die goldgelben Halme sind Dünger, Einstreu, Futter, Beschäftigungsmaterial im Stall und sogar Baustoff. Umso wichtiger ist es, sich seinen Wert bewusst zu machen: Mit dem Stroh werden nicht nur wichtige Nährstoffe vom Feld gefahren, sondern auch ein Strukturgeber für den Boden.
Um den damit einhergehenden Verlust im Falle des Verkaufs ausreichend honoriert zu bekommen, muss bedacht werden, was in der Fruchtfolge nachrückt und wie viel Nährstoff wieder auf die Fläche gebracht werden muss. In Vorbereitung auf die Ernte sollte man sich deshalb schon im Klaren sein, ob das Stroh abgefahren wird oder auf der Fläche verbleibt.Die Hitze der vergangenen Wochen hat die Getreidebestände in Hessen und Rheinland-Pfalz schnell abreifen lassen und weitestgehend frei von Pilzkrankheiten gehalten. Die Strohqualitäten dürften dieses Jahr deshalb zufriedenstellend ausfallen. Der Einsatz als Raufutter erscheint – auch wegen dem durch die langanhaltende Trockenheit knappen Heu – besonders geeignet. Doch zu viel Stroh in der Ration führt zu einer geringeren Milchleistung. Hier ist Vorsicht geboten.
Die Futtermittelpreise in den Markttabellen des LW liefern wöchentlich einen Orientierungswert für den kostendeckenden Strohverkauf, der vielen reichen dürfte. Wer es jedoch genau wissen will, ist mit einer betriebsindividuellen Kalkulation gut bedient. Einmal angelegt, liefert sie jährlich die Grundlage zur Preisfindung. In die Berechnung fließen der Nährstoffwert des Strohs, die Dieselkosten und Lohnkosten für die Abfuhr ein. Soll der Strohverkauf nicht nur die anfallenden Kosten decken, eignet sich ein prozentualer Aufschlag, um den Gewinn abzubilden.
Wie das mit recht einfachen Kalkulationen bewerkstelligt werden kann, zeigt ein Artikel auf Seite 8 bis 10. Hier wird schnell klar: Verschenken sollte man das Stroh keinesfalls, und pauschale Preise setzen oft zu niedrig an.
Annika Schön – LW 30/2026
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