Betroffen von weltpolitischen Krisen
Mit dem Krieg gegen den Iran wird erneut die grundlegende Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Rohstoffen deutlich und ihre besondere Betroffenheit bei weltpolitischen Krisen. Die Blockade der Straße von Hormus und damit eines beträchtlichen Teils der globalen Öl-, Gas- und Harnstoff-Transporte lässt die zwei wichtigsten Betriebsmittel im Ackerbau – Dieseltreibstoff und Stickstoffdünger – weltweit knapp und teuer werden. Während Arbeitnehmer oder Verbraucher bei hohen Spritpreisen zum Teil vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder aufs Homeoffice umsteigen können und Industriebetriebe in einigen Fällen auf andere Energieträger oder auf Produktionsverlagerung oder -drosselung zurückgreifen können, ist die Landwirtschaft gebunden. Die Bodenbearbeitung, die Aussaat und Ernte sind zeitlich von der Natur vorgegeben und bestehende Anbausysteme lassen sich nicht (kurzfristig) ändern, so dass der Einsatz von Diesel kaum reduziert werden kann. Das gilt auch für den Stickstoff: Die Pflanzen brauchen den Nährstoff jetzt, um ihn bis zur Ernte zu verwerten. Eine Reduktion hat eine Minderung beim Ertrag und bei der Qualität zur Folge. Das Heikle: Von beiden Betriebsmitteln wird gerade jetzt in der Frühjahrsbestellung am meisten verbraucht, und gleichzeitig sind die Einkünfte der Bauern aufgrund der seit langem niedrigen Getreidepreise geschmälert.
Die Aussetzung oder Senkung der CO2-Besteuerung wäre eine kurzfristige Möglichkeit, die Energiepreise zu dämpfen. Um generell die Risiken der Abhängigkeit zu mildern, hatte der Berufsstand schon zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine strategische Reserven auch für Stickstoffdünger auf EU-Ebene gefordert. Helfen könnten zudem die stärkere Nutzung von Preisabsicherungsinstrumenten für die Landwirte, die Zugangshürden müssten dafür gesenkt werden. Jeder einzelne Betrieb wird schauen, wo und wie er die Effizienz des Stickstoff- und Dieseleinsatzes noch steigern kann. Und auch in Zusammenhang mit der Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen ist die Forderung nach einer Stärkung der tierhaltenden Betriebe richtig, weil sie in Verbindung mit Biogasanlagen Mineraldünger ersetzen können.
Cornelius Mohr – LW 12/2026
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